Film & Fernsehen

Die bessere Zombieserie.

Es folgen Major Spoiler (*salutier*) für Adventure Time und The Walking Dead. Die Spoiler beziehen sich auf Episoden vor Juni 2014 (Der Text ist schon etwas älter).

~

Kirkmans Vorzeige-Zombieserie The Walking Dead zeigt die wahrscheinlich optisch besten Zombies, die wir aktuell im Fernsehen sehen können. Andererseits schwächelt die Serie immer wieder in der Story. Kenner des Comics beschweren sich – wie es die Aufgabe von Fans ist – über jede Unstimmigkeit, jeden Logikfehler, jede langweilige Passage. Die Serie soll besser werden. Und wird es langsam. Rick ist aber über weite Teile ein weinerlicher Klumpen, kein Held. Und er hat immer noch beide Hände im Gegensatz zum Comic. Ausgerechnet der Hauptfigur wird so durch ihren viel geringeren Verlust so viel genommen.

Erschreckenderweise macht eine “Kinderserie” all dies richtig. In Adventure Time verliert Finn seinen Arm in der schlimmsten vorstellbaren Art – weil er seinen Vater nicht gehen lassen kann. Er kämpft gegen Zombies und andere Ungeheuer, er lernt neue Figuren kennen und streift durch die endlose Welt. Kurz: Finn erlebt die Abenteuer, die uns bei Kirkman so fehlen.

Dabei gibt es eigentlich nur zwei Folgen, in denen Figuren auftauchen, die offiziell als Zombies bezeichnet werden: Slumber Party Panic (S1E1) und From Bad to Worse (S3E13). Ich würde aber die Goo monster, die zur ganzen, großartigen Mushroom-war/Simon-&-Marcy-Storyline gehören, ebenfalls zu den Zombies zählen. (Und, verdammt, TWD nennt seine Zombies auch “Walker”).

TWD zeigt uns einen Virus unbekannten Ursprungs, der sich entwickelt hat und alle sind infiziert. Hmpf. Logik, anyone? AT dagegen hat den großen Mushroom-War, einen letzten Weltkrieg, der letztlich nur wenige Überlebende zurücklässt, die postapokalyptische Überlebendengruppen generiert, matriachale Monarchien als Modell und ansonsten Einzelkämpfer, die vor allem nach einem Motto leben: Enjoy the little things.

Wie in jeder vernünftigen Zombieserie sind irgendwann nicht mehr die Zombies die tatsächliche Bedrohung – wenn natürlich auch nicht zu vernachlässigen -, sondern andere, nicht wohlgesonnene Überlebende.

Dabei zeigt AT eine Welt, in der die Apokalypse passierte, überlebt wurde und nun regelrecht in Vergessenheit gerät. Also genau das, was uns Kirkman zeigen wollte! Die Überlebenden organisieren sich selbst neu. Manche kehren zu alten Mustern zurück, machen Königreiche, Forschung oder haben Jobs (buh!), manche verbleiben im Überlebenskampf-Modus und sehen die Welt als großes Abenteuer. Und weil es nach allem immer noch eine Kinderserie ist, kann AT auch wirklich abwegige Ideen umsetzen, Geschichten-in-Geschichten, Was-wäre-wenn-Folgen einstreuen, mit alternativen Universen und völlig überzeichneten Figuren arbeiten.

Adventure Time ist damit die Zombieserie, die wir alle wollen, aber nicht die die wir verdient haben.

Standard
Rant

[Schleichen]

Schleichen ist ein Mythos. Wenn du dich bückst und ganz langsam und leise bewegst kannst du um deine Gegner drumherum gehen, sagt das Tutorial. I call this shit bullshit. Wenn ich mich klein mache wie die Figuren in Videospielen und klein, gebückt so vor mich hin schleiche bin ich lauter als im normalen gehen. Jajaja, Deckung suchen, sich klein machen, jemanden von hinten erwürgen, das sehe ich alles ein, verdammt, sogar Lauschmodus und Bullettime kann ich als Nachbarn von Gegenüber der Realität akzeptieren – übertrieben und abwegig, aber nicht völlig unrealistisch -, aber schleichen? Schleichen ist basierend auf eigener Erfahrung Bullshit. Gebückt und schleichend bin ich nicht – und vermutlich auch fast niemand sonst – leise. Im Gegenteil bekomme ich davon nur Rückenschmerzen, meine Waden quietschen, ich atme schwer, meine Kniescheiben verabschieden sich mit einem lauten Knall, ach, bin so unglaublich auffälliger, als ich es im normalen Gehen wäre. Selbst in dem Haus, in dem ich seit über 20 Jahren lebe, ist eine lautlose oder auch nur sehr leise Fortbewegung unmöglich. Bis heute weiß ich nicht an welche Stelle des Bodens ich treten müsste, damit es nicht knarzt wie das Hüftgelenkt der Nachbarschafts-GILF. Schleichend ist das völlig unmöglich. Die Treppe, der Flur, alles knarzt. Schleichmodus ist einfach Bullshit, eine große, erzählerische Lüge – so wie Liebe oder das wir noch was aus der Rentenkasse rausbekommen nach der nächsten “Reform” -, und ich akzeptiere sie als erzählerische Notwendigkeit, einer Mini-Deux ex machina für spannendere Geschichten, aber als diese doch reine Fiktion. Wer mir dann mit Realistik kommt und sagt wie toll es doch sei in Spiel XY an Gegnern vorbei zu schleichen, der hört von mir, was die Philosophen unter den Nationalitäten – die Österreicher – dazu sagen würden: Schleich dich!

Standard
Erfahrungswerte

Die Enttäuschung deines Lebens.™

Auf dem Heimweg traf mich eine Erkenntnis, die mich warm-geborgen hätte umarmen sollen, als ich ein trauriger Teenager war und mich mit der Farmor stritt. Sie schleuderte mir damals an den Kopf, gedacht als stärkste Beleidigung einer Frau, die jahrzehntelangen Erfahrungsvorsprung mir gegenüber im Leben hatte, dass ich die Enttäuschung ihres Lebens sei. Dieser Satz hat unser Verhältnis nachhaltig beeinträchtigt und sich in mich eingebrannt. Selbst hätte sie gesagt, ich sei für sie gestorben, hätte mich das wohl nicht so getroffen.

Ein Freund, der das Haus seines Großvaters kaufte – und meiner Meinung nach weit über Wert – und nun renoviert, wurde wegen eben dieses Renovierens ebenfalls diese scheinbare stärkste Beleidigung der “Ich habe alles erlebt und überlebt”-Generation genannt.

Du bist die Enttäuschung meines Lebens.”

Ein bitteres Gefühl zunächst, weil man den Menschen, der dies ausspricht, eigentlich liebt. Und dann lacht man außen darüber und fühlt sich nur noch innerlich gescheitert. So wie wir alle. Wenn man sich dann schlecht fühlt, aus welchen Gründen auch immer, kratzt man diese alte Narbe wieder auf.

Damals, wie wir uns auf der gelben Treppe zwischen schönen Blumen und harter Arbeit, stritten und sie gewann. Scheitern bleibt, Erfolge lösen sich auf. Wie in Tetris.

Auf dem Weg genau an den Ort, an dem vor Millionen Gedanken und tausend schlaflosen Nächten diese Worte fielen – und kurz danach verleugnet wurden – umarmte mich eine Erkenntnis. Eine späte Erkenntnis, aber eine, die mich auf einer Art glücklich machte und macht, die ich niederschreiben muss. Nämlich:

Enttäuschung ist überhaupt nichts Negatives. Der Wortbedeutung nach ist es Aufklärung, nämlich Ausgang aus unverschuldeter Unmündigkeit, die Beendigung einer Täuschung. Vorhang auf, so läuft der Hase, Blick hinter die Kulissen, das Erwachen, so schaut’s aus. Wenn ich jemanden enttäusche, dann zeige ich Fehleinschätzungen und Unwahrheiten auf. Dass das auch nur im entferntesten etwas schlechtes sein könnte, ist aberwitzig abwegig.

Wenn ich mich enttäusche, wenn ich dich enttäusche und meine gemisste Großmutter in mir gar die Enttäuschung ihres Lebens sieht, dann habe ich etwas Gutes getan. Ich habe Augen geöffnet. Habe geholfen, die Töne richtig zu deuten. Die Maske der Lüge und Fehleinschätzung herabzureißen. Hier ist das Lächeln der Wahrheit.

Hätte ich das nur damals schon begriffen, ich hätte nicht so viele Jahre damit verschwendet, zu versuchen, sie aus meinem Leben und meinem Herzen auszuschließen. Geklappt hat das ohnehin nicht.

Unter der herabgerissenen Maske steht ein Zwiebelmensch aus vielen Schichten. Und eine Schicht, die welche damals wuchs, als er sich gerade mit seiner Großmutter stritt, fühlt gerade die warme Umarmung einer späten Erkenntnis.

Keep [going], boy. [You're] okay.

Standard

Die alten Blautannen in der Gärtnerei meines Vaters wurden gefällt und die Wurzeln aus dem Boden gerissen, um die Fläche neu nutzbar zu machen. Ich habe diesen Bäumen mein gesamtes Leben beim wachsen zugeschaut, habe unter ihnen gespielt und gezeltet, sah wie sie nach dem Hagel gekürzt wurden [vgl.] und kaum noch nutzbar waren, und nun sind sie ein Stapel Holz [vgl.] und zurück bleibt ein Loch in der Erde, in dem die Katze spielt. Aber das bedeutet auch, dass nun Neues kommen kann (und es gibt an geeigneter Stelle weiterhin Blautannen [vgl.].).

Elisabeth IV

lärad från livet

Was immer da war, kann plötzlich weg sein. Zurück bleiben Löcher – und Platz für Neues.

Bild
Studium

Jeder weiß besser, wie du dein Leben zu leben hast. (I)

Die Zeit vergeht. Jetzt bin in schon seit gefühlten Ewigkeiten – dem Wintersemester 2011/12 – immatrikuliert. Zuerst da, dann kurz dort, und letztlich in meiner geliebten Skandinavistik. Und bis ich dieser einen Abschluss entlocken kann, dauert es auch sicherlich noch 3 bis 5 Semester.

Manche Leute halten das für eine lange Zeit. So auch die Mitarbeiterin in dem China-Restaurant, in dem ich immer den Studierenden-Rabatt nutze, und die mich heute fragte, wie lange ich denn noch studieren würde.

Die Frage war sicher nicht böse gemeint, aber ich hörte diesen Unterton, den ich immer höre, wenn ich zugebe, noch zu studieren. Wenn ich sage, ich dass ich vom Hauptschulabschluss bis zum Studium gegangen bin und alles machte.

Sie fragen, als würde ich schaden. Wie lange studierst du noch? Was machst du danach? Lohnt sich das dann? Ich besetze keine Stelle, die nicht ohnehin frei wäre. Ich verursache nicht mehr Kosten, als ich ohnehin verursachen würde. Im Gegenteil, durch mein Studium verbessere ich die Welt, weil dadurch die durchschnittliche (holistische) Bildung steigt. Weil ich durch mein Studium anderen einen Arbeitsplatz gebe, weil ich selbst mit der höheren Bildung mehr leisten (allerdings nicht unbedingt finanziell) kann. Aber zu erklären, welche Vorteile das hat, ist schwierig gegenüber einer Gesellschaft, die versucht alles in wirtschaftlichen Dimensionen zu messen.

Hm. Wäre es so schlimm, würde ich enden wie Jaye Tyler (“Did you end up over-educated and unemployable like you said in the yearbook?” – “Yep.”)?

Standard