Alle fahr’n nach Norwegen

Lorgboard fahren durch die wunderschöne Landschaft Norwegens. Dazu ein paar Sätze Schwedisch. Längst ekel ich mich leicht vor dieser Art „viralem“ Videos – sie wirken so unglaublich erzwungen auf mich -, und sie ziehen mich nicht in ihren Bann. Aber die Bilder sind, abseits des Ekels vor dieser Brave New Hipster-Welt, dieser Urban Outfitters Ästhetik, zu schön um sie nicht zu teilen. Außerdem konnte ich mich derlei Videos noch nie entziehen.


(via highsnobiety)

Freitagsfragen (9)

  1. Würdest du dauerhaft auf die sexuelle Funktion deiner Geschlechtsteile (Penis, Vagina, etc.) verzichten? Was müsste man dir dafür bieten?
  2. Was spricht dein Bücherregal über dich?
    Was wölltest du, dass es sagt?
  3. Wie verhält es sich mit deinem CD-Regal?
  4. Achtest du bei Freunden darauf, was sie in ihren Regalen haben und schaust du dir die Bücher/CDs an?
  5. Wer deiner Freunde und Verwandten käme für dich am ehesten für dein noch ungeplantes, ungezeugtes Kind als Pate/Patin in Frage?

Du kan gå din egen väg (354)

Letzter Zug. Vor mir steigen zwei Gruppen von jungen Frauen aus. Ich muss diese Straße entlang, nach Hause. Die einen gehen diesen Weg, die anderen den anderen. Fuck. Ich will nicht um kurz vor Mitternacht wie ein Creep alleine hinter jungen Leuten herhumpeln. Im Halbdunkel wie ein Sexualverbrecher hinterherlaufen. Das wollen die nicht, das will ich nicht. Ich gehe also einen Umweg. Unnötig lang, aber niemand soll vor mir Angst haben müssen. Statt dessen habe ich jetzt Angst. Leere Straße, mieses Licht. Irgendwelche besoffenen Nazis unterhalten sich auf einer Bank. Singen von Deutschen Eichen und wer daran hängen soll. Ich versuche nicht daran zu denken, dass diese Menschen auch meine Nachbarn sind.

Im Zug lauschte ich der lautstarken Unterhaltung dieser Frauen, denen ich nicht auch noch folgen will. Es ging um Serien, die sie in ihren Lernphasen – vermutlich waren es Studierende – sehen. Eine von ihnen sagte, sie brauche wieder eine Serie. ‚Gilmore Girls‘ habe sie schon drei mal durch. Sie singt kurz die Titelmelodie. Außerdem ‚Pretty little liars‘ und ‚Sex and the City‘. Ich versuche nicht zu er- oder unterbrechen. „Breaking Bad?“ schlägt eine ihrer Begleiterinnen vor. „Nee.“ „Game of Thrones?“ „Nope.“ Dann geht es darum, wie sie trotz Serienschauen gute Prüfungen schreibe. Ich verkneife mir irgendwas zu sagen.

Hätte ich empfehlen sollen? Black Mirror, mit das beste, was ich gerade kenne? Seinfeld, ein absoluter und unglaublich komischer Klassiker? House of Cards? Hm. Oder, Lernpausen-Geheimtipp weil Kurz und oft sinnfrei, ab und an aber auch sehr tiefgründig, Adventure Time? Hätte ich etwas sagen dürfen? Können? Müssen? Nein. Wozu auch?

Leute sind begeistert von The Walking Dead und ich weiß einfach nicht, warum. Wie in aller Welt man diese Serie gut finden kann. (Ich schau sie ja selbst, und bin bisweilen positiv überrascht.) Aber eigentlich finde ich alles schlecht und jeden erstmal scheiße. Und vielleicht behaupte ich das auch nur, weil es so schön klingt. Und weil es zu anstrengend ist, etwas zu mögen und ständig das Herz gebrochen zu bekommen (wie das der GoT-Fans).

Ich drehe meinen Schlüssel im Türschloss. Die Tür öffnet sich. Bald liege ich in meinem warmen Bett. Ich kann mich kaum auf meinen Beinen halten… oh, vielleicht schaue ich doch noch eine Folge von … irgendwas.

Es ist vorbei, es ist vorbei, bye, bye.

Mein Blog hat schon so nen Bart...

Wer 2015 noch ein Blog schreibt, muss entweder ernsthaft selbstmordgefährdet oder hoffnungslos rückständig sein. Niemand schreibt mehr Blogs, und wenn, dann ist das nur noch die Ergänzung zum schicken Lifestyle-Social-Media-Vortrags-und-Buchvertrags-Schrägstrich-Twitter-Leben. Niemand liest mehr Blogs. Es gibt keine erfolgreichen Blogger_innen mehr, es gibt nur noch Leute, die erfolgreich sind und aus den Wirrungen der Geschichte heraus noch ein Blog irgendwie nebenher und so ab und zu betreiben. Da wäre zum Beispiel Sascha Lobo, der Internetguru, der 2013 bloggte, und dann im Juni 2015 wieder und… meeeeeh. Wer etwas auf sich hält, schließt sein Blog, und konzentriert sich auf Videos, Comics, Twitter, Slams und Popeln. Es schreibt auch niemand mehr Kommentare.

Wir sind alte Männer (und alte Frauen), die stehen geblieben sind. Kapitäne auf untergegangenen Booten. Mit dem Alter kommt die Reue, mit der Reue kommt die Scham, mit der Scham kommt das Vergessen. Und das wäre ja gut. Aber alles archiviert, alles exportiert, weggeworfenes_leben.xml, gesichert, hochgeladen, selbst-gehostet, Backup. Buckel_up, Trett_down, Sexy_arschwackeln. Die Welt geht unter, und dein Blog bleibt zurück als etwas, was niemand lesen mag. Wegen Leuten wie dir mir wird 2070 niemand mehr Geschichte studieren wollen. Zuviel Datengrundlage. Zuviel Bullshit. Ein ewiges Archiv aus Uninteressantem.

(Ich lasse ein Mikrophon fallen.)

[…]

Blog.de (Zeichnung anno 2008)

Blog.de geht im Dezember endgültig vom Netz (daher ist dort gerade die Hölle los) und das nach über 10 Jahren. Eigentlich denke ich nur an eine Nase, die dem Portal wirklich treu blieb, so von Anfang an. Andere gingen früher. Kamen später. Egal. Andere stehen längst mit ihren Füßen irgendwo anders. Im Trockenen – oder so. Ich beispielsweise bin jetzt hier daheim und verschwieg erst Mitte Juli dieses Jahres mein Zehnjähriges. Schrieb nur ‚nen wirren Text.

Die goldenen Zeiten der kleinen Blogs sind nämlich vorbei – sagte ich 2011 und schrieb damals einfach weiter -, und nun ist das ‚n Jahrzehnt und alle so ‚Och nee!‘. Die anderen Blogs, die dieses Jahr ebenfalls jubilieren haben entweder Rang und Namen – wie erwähnt John-mit-H, aber auch mein stets lobend verlinkter Lieblingsintellektueller Thomas Matterne (<3), René, der gerade so angepisst ist wie ich, fefe (über den ich bei Gelegenheit noch schreibe) oder z.B. Beetlebum – oder die Blogs sind halt nur noch so semi-lebendig. Zombieblogs. Aber, geil, 10 Jahre. […]

Als ich anfing zu schreiben war ich 14, schon nach einem Zug zugeraucht, und irgendwie war ich noch nichts und da war noch nichts. Und auch wenn ich jetzt schon viel weiter bin, fühle ich mich noch immer nicht als etwas oder jemand. Eher so unterwegs. Eher so ohne Konzept. Freestyle, wenn man so will. Ich hab jetzt begonnen, die Archive meiner alten Blogs in dieses zu überführen. Diese ganzen Altlasten werde ich Stück für Stück zugänglich machen. Alte Verlinkungen entsprechend anpassen – falls irgendwo irgendwas noch nicht stimmt, bitte bescheid geben -, und ich werde neue Texte schreiben. Weil ich nicht anders kann. Weil ich da sein will, wenn der Vorhang fällt, und ich niemals ein guter oder interessanter Blogger werden möchte oder werde.

Das hier ist eher so konzeptfrei. Und ich liebe das. Ich bleibe oben auf meiner Wolke, sehe euch kommen und wie ihr vorbei geht. Und es tut nicht mehr weh, nichts tut mehr weh. Ich schreibe, niemand liest, und ich schreibe wieder.

93 Eintragsentwürfe (aktuell), 2000 Stunden hab‘ ich gewartet Seiten schrieb ich in Notizbücher, ernsthafte Einträge zu blog.de und den 10 Jahren hier und das kein Sturm aufkommt, wenn ich dich sehe, das alles kommt noch. Nur der Abspann, auf den warte ich.

Freitagsfragen (8)

  1. Wie bereitest du dich auf ein Vorstellungsgespräch vor?
  2. Was ist die Geschichte zu deinem letzten Sonnenbrand?
  3. Worum ginge es in den Fanfictions zu deinem Leben?
  4. Hättest du gerne noch einen anderen Abschluss gemacht?
  5. Ab wann ist man alt genug, Entscheidungen für das ganze Leben zu treffen?