Und irgendwie war nichts.

Ich weiß nicht, was dieses Semester passierte, aber irgendwie passierte nichts.
Ich besuchte Seminare, die mir außer der Erkenntnis über mich, dass ich nichts weiß, nichts erschlossen. Ich erschloss mir aus den Themenfeldern ebenfalls herzlich wenig, allenfalls differenzieren sich die Bilder und Wissensfetzen. Aber weiß ich etwas? Weiß ich, was Forscher*innen vertreten haben? Was sie heute vertreten?
Nun könnte man meinen, dass ich eben andere Dinge getan habe. Sinnvolle Dinge, für die Gemeinschaft oder für mich oder irgendwen. Aber Arbeit? Unterstützung der Selbstverwaltung? Ich habe gerade 1000 Projekte, aber keines kommt auch nur einen Millimeter weiter. Und Kritik darf ich keine äußern. Kritik ist nicht gewünscht. Und auch nach – ja, genau, wie vielen? – Jahren in dieser #Kaltuni bin ich immer noch nicht weiter gekommen.
Die Professor*innen sagen mir, ich sollte besser abbrechen. Ich würde nichts nützen, sagen sie, und haben vermutlich Recht.
Dieses Semester war nichts. Zumindest nichts, worüber ich reden dürfte.

Citation needed: Wie änderte sich die deutschsprachige Skandinavistik nach dem Nationalsozialismus?

[…]

Der ‚Begründer‘ der Germanistik – Jacob Grimm -, berief sich schon in Ermangelung von Quellen aus dem deutschsprachigen Raum auf die Texte der Isländer. Mit Kaiser Wilhelm interessierte sich erstmals eine breite deutsche Öffentlichkeit für den hohen Norden. Die Wissenschaft, welche sich den Sagas und Skalden zuwendet, und welche wie jede Wissenschaft am Zeitgeist und den politischen und wirtschaftlichen Gönnern hängt, hat sich mit eben diesem Zeitgeist gewandelt. Während ein Massensfach wie der Germanistik aber ausreichend Professor*innen produziert, um einen Wandelprozess, sobald dieser gewollt ist, schnell durchzuführen, ist der Ausstoß an Sekundärliteratur und ‚Wissen‘ in einem kleinen Fach vermutlich kleiner.

Es dürfte von Interesse sein, zu betrachten, wie und in welcher Art die Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Andreas Heusler?) mit dem Nationalsozialismus umgegangen sind, nachdem dieser – vermeintlich? – geendet hatte. Eine Bibliothek lässt sich nicht wegwerfen und das Wissen, welches gesammelt wurde, nicht in Köpfe zurück stopfen. Welche Änderungen, welche Forschungsstränge wurden betont, mit welchem Willen wurden der Muff der 1000 Jahre aus den Talaren geschüttelt. Und welcher Muff blieb zurück?

Wie lässt sich Wissenschaft politisch einordnen? Wie lässt sich Forschungsgeschichte kategorisieren? Und muss man einen Alfred Rosenberg gleich Nazi nennen? (Ja, absolut. Was ist das für eine Frage?!) An Hand welcher Kriterien können wir eine Loslösung von Überzeugungen der Wissenschaftler*innen vom politischen und kulturellen Mainstream, oder eher, die Änderung von eben diesem, erkennen?

Ein Anhaltspunkt könnten Biografien und Porträts von bedeutenden Wissenschaftler*innen sein, aber auch Vorworte und Tagungsbände. Auch die vorwiegenden Arbeitsweisen können einen Anhaltspunkt liefern.

[…]

Insgesamt ist das aber Quatsch. Ich sollte mich schämen.

barista barista capitalista

[Nicht Korrektur gelesen. Vermutlich Bullshit.]

Die Taz witzelt über die dumme Aussage eines Polizisten, die politisch motivierten Grafiker*innen reagieren mit – zugegeben – unterhaltsamen Agitprop. Alles gut?

Nein, denn einerseits – wie auf Twitter angemerkt wird – „sagt [das] halt auch was über das Ding von wegen Zugänglichkeit und ‚kommt die message rüber‘ von Demos aus“, andererseits schenken wir mal wieder mehr Aufmerksamkeit dem Witzchen drüber als dem eigentlichen Inhalt. (Der ist was genau?)

Was in Güstrow passierte: Nazis griffen eine Demo von Flüchtlingen an. Die Ermittlungen gegen die – beim Stühle werfen fotografierten – Nazis werden eingestellt, die gegen drei Antifaschist*innen laufen – und Enden dank den Fotobeweisen im Freispruch. Das es überhaupt soweit kommt, und andererseits Ermittlungen fallen gelassen werden, ist für unseren Rechtsstaat beschämend. Weil einer der Angeklagten – Monchi – bekannter Musiker ist, nutzt die Plattenfirma das ganze einerseits als Werbung fürs neue Album und um über’s Thema aufzuklären, andererseits verschafft es diesem Fall im Gegensatz zu 100 anderen die verdiente Medienaufmerksamkeitthe revolution will not be televised?

Aber interessiert sich jemand für die Polizei, die ihr Fehlverhalten mit dummen Allgemeinplätzen, ‚Erinnerungslücken‘ und schlicht Bullshit überdeckt? Interessiert sich jemand für das strukturelle Problem, welches wir hier gerade haben und welches – gefühlt – immer stärker wird? Dass an Stellen im Staat entsprechende Menschen sitzen, die trotz proklamierter Neutralität eine politische Richtung verfolgen? Die Parteiisch sind? Und was ist mit den Medien, die Minderjährige denuzieren?
Interessiert sich noch jemand für Oury Jalloh? Interessiert sich jemand für die massenhafte Vorverurteilung durch öffentliche Fahndung nach den G20-„Verbrechern“? Wo’s um Plünderungen und zerstörte Autos geht, nicht um Menschenleben, nicht um das ständige Gefühl allein gelassen zu sein, vogelfrei zu sein, weil man nicht will, dass Nazis Nazisachen machen? Der Klassenkampf wird heute mit Mitteln der kommerziellen Popkultur geführt – und kann nur gegen die Repression versagen. Und während ich an diesem Text herumprokrastiniere und ihn dann nicht weiterschreibe und Versatzstücke aus anderen Texten einfüge, solange, bis er lang genug ist; und Nebensätze aneinanderreihe, weil auf einen Punkt zu kommen mir nicht genehm ist, oder zumindest mir gerade nicht gefällt, da schreibt Hubertus Zdebel im neuen deutschland, dass Konsumverzicht den Kapitalismus stabilisiere, weil es aus der Verteilungsfrage eine persönliche Präferenz mache.

Sowieso müsste man mal wieder an weihnachtlicheres denken, denke ich, und denke hieran:

Und ich denke, denke ich weiter, weil ich nun nicht mehr selbst denke, sondern mir vorstelle, wie ein (literarisches?) Ich denkt, was es denkt, während ich denke, dass ich das denke; jedenfalls: Eigentlich trifft das auf alles zu. Kritik an der Gesellschaft, am ‚System‘, der Buchhändler*in ist egal, wie viele Ausgaben des „Kapital“ sie verkauft, Hauptsache sie verkauft; ist integriert in die entsprechende Werteordnung. Auf eine zynische Formel gebracht: Die kaputten Scheiben nach den G20-Protesten schaffen Arbeitsplätze. Familie, Liebe, Freundschaften steigern die Verkäufe. Aber kritische Reflektion stört nur.

Damit wird natürlich auch viel gutes getan, mit diesem „Kapitalismus“, und wenn es Menschen motiviert, keine kompletten Arschlöcher zu sein – weil man besser mit diesen handelt, wenn es den Nachbarn auch gut geht – dann ist das ein positiver Effekt. Und dass sich Antifaschismus, Antikapitalismus, Anti-Dies, Anti-Das eben auch Verkaufen muss, nun ja. Ein Grund für Suizidgedanken? Ja, aber auch nur, weil der Bestatter ja auch von was Leben muss. Dann ist Suizid die abgelebte Solidarität mit der bestattenden Klasse. Und spätestens dann kann ich nicht mehr verschleiern, dass ich eigentlich Unterschicht bin.

Jedenfalls… irgendwas mit Popkultur und Kapitalismus und Kritik. Und beteiligt euch an Strukturen, die euch nichts nützen. Weil’s richtig ist. Und weil solche Texte mit Aufforderungen enden, und damit, dass ich mich frage, ob das meine Meinung ist.

Hm.

Was will ich eigentlich über die Sami schreiben?

Ich sitze an einer Hausarbeit über Norwegen und Sprachstreit und Sami. Es fällt mir schwer.

Sind die Sami ein Volk? Nein, denn sie haben keine gemeinsame Sprache und Kultur – dies erscheint nur durch außen vermittelt so. Die Akkalasamische Sprecher*innen (es sind noch exakt 2) auf der Kola-Halbinsel Russlands werden nicht von Sprecher*innen des norwegischen „Südsamisch“ (sørsamisk ist neben lulesamisk und nordsamisk einer von drei existierenden Samischen Sprachen in Norwegen.) verstanden. Hierbei von einem Volk zu sprechen, ist äußerst schwierig.

Bei den Sami geraten unsere Vorstellungen von Nation, Volk und Sprache an eine Grenze und offenbaren, wie komplex Menschliches Zusammenleben sein muss. Eine Betonung einer Facette zum Erhalt dieser Facetten ist notwendig, wenn die Facette als Erhaltenswert angesehen wird. Die Fragen, welche wir an die Wirklichkeiten der Sami stellen, sind aber Fragen, die durch unser Denken geprägt sind: Wie viele Sprecher*innen gibt es? Gibt es eine standartisierte Schriftsprache? Gibt es Bücher? Texte? Zeitungen? Gibt es eine Rechtschreibung?

Wir erfahren dabei mehr über unsere Denkstrukturen als über die, über die wir eigentlich etwas erfahren wollen. Oder anders: Ein Hammer sieht über all nur Nägel.

[…]

Dann reproduziert er nämlich die Warenwelt, die er eigentlich bekämpfen möchte.

Das 2017er Album „Anarchie und Alltag“ der Antilopen Gang startet mit reichlich Referenzen zur RAF, dem Vergleich zu Ulrike Meinhof, der Behauptung der Unterwanderung der Jugendkultur zur Politisierung selbiger Jugend und Untergrund im Sinne von „konspirative Wohnung und Prepaidkartenhandy“. (vgl.) Vom Lied und Album mag man halten, was man möchte. Beachtenswert ist, dass dies das erste zweite Album der Gang ist, welches nicht für umsonst ins Netz gestellt wurde, sondern sich ganz der kapitalistischen Verwertungslogik (ach, so ein Text wird das?) unterwirft.

Ich frage mich manchmal, in wie weit hier (noch) eine Vision der Veränderung gelebt wird, der Keim eines „Es geht auch anders“ und wie sehr hier bereits kommerzialisierte Gegenkultur vegetiert. Ein Kleinkünstler, dessen Name mir gerade nicht einfallen mag, und den ich nicht mit „Kaputzenjacke Comedian“ suchen möchte, aber Du weißt sicher wenn ich meine, der sagte einmal, er könne ganz gut von seiner Kapitalismuskritik leben. An anderer Stelle berichtet das RBB freudig von kommunistischen, in der UdSSR gefeierten Autoren, welche im KaDeWe ihre Edelsachen für ihre Geliebten kauften. Manchmal muss man gegen etwas sein, um gerade darin erfolgreich zu werden.

Franz Josef Degenhardt hat dazu mal etwas schlaues gesagt, über den Underground, der wenn er nur dagegen sei, Gefahr laufe, sich einzurichten in dieser Gegenwelt. „Dann reproduziert er nämlich die Warenwelt, die er eigentlich bekämpfen möchte.“ Eigentlich dürfte ich keine Kenntnis von diesem Zitat haben, hätte es 2013 nicht Destroy Degenhardt, ein, nun, Rapper, an den Beginn seines zweiten Albums gestellt. (vgl. / vgl.). Dies könne, so Degenhardt (der Liedermacher), nur verhindert werden, wenn sich der Underground auf Veränderung der Gesellschaft ausrichte.

Die Gesellschaft ändere ich hier noch nicht, aber vielleicht kann ich den ersten Schritt dazu tun: Mich selbst ändern, wieder mehr zum Akteur in meinem Leben machen, auch in dem ich sinnlose und unzusammenhängende Texte schreibe, die eh keinen interessieren. Ich bin es satt, mein Dasein nur zu konsumieren, und ich will mich keinem Produktionsprozess unterordnen, aber schreiben, das sollte ich mehr.

[…]

Anmerkung: Im ursprünglichen Text wurde das Album „Anarchie und Alltag“ als erstes kommerzielles Album der Antilopen Gang bezeichnet. Dies stimmt nicht. (Sorry).