Studentenleben – Testversion für Schüler

Hörsaal

...

Heute war im Grunde genommen ein ganz guter Tag. Naja, fast.
Baden-Württemberg-weit hatten die Schülerinnen und auch die paar Schüler der 12 Klassen der Gymnasien frei um sich an den verschiedenen Universitäten im Land über ein mögliches Studium zu informieren. Ich war in Tübingen, der örtlich nächsten Universität. Veranstaltungsbeginn: 9:15. Die Vorstellungen der einzelnen Fachbereiche allerdings erst um 10:20. Ich und zwei Klassenkamernossen fuhren zu ebenjener und kamen direkt – wer hätte es gedacht – zu spät. Blieben also noch zwei Möglichkeiten sich was anzuhören. Gut. Wie hörten uns den Vortrag zum Studienfach „Pharmazie“ (Gähn!) und zu „Informatik“ (Uff!) an. Beides für mich eher ungeeignet. Mittags waren wir in der Mensa essen – relativ gut. Später wollten wir noch ins Nachmittagsprogramm, in dem sich die einzelnen Fakultäten nochmal genauer vorstellten, das heißt, ich und einer der beiden wollten da hin, dummerweise wollte der dritte zum Bahnhof. Wegen ner ganz blöden Geschichte mit der Froschgasse kamen wir erst um 14:01 am Bahnhof an, wo auch gerade sein Zug abfuhr, so dass er noch reinsprang. Mein anderer Kamernosse stieg dann auch ein, weil er wohl doch keine Lust mehr hatte. Ich blieb – alleine – zurück. Im Veranstaltungsheftchen las ich nach, was ich mir noch anhören könnte. „Oh. Veranstaltungsbeginn 13:30… Veranstaltungsbeginn 14:00.“ Allüberall. Und vom Bahnhof hätte es zu meinen favorisierten Fakultäten ewig mit dem Bus gebraucht. Deshalb fuhr ich – ziemlich enttäuscht – auch heim.

Aber… wie soll ich es beschreiben? Irgendwie fühlte sich in einem Vorlesungssaal sitzen und Mensaessen essen und die Räume nicht finden irgendwie… richtig an.

.

„Du weißt also jetzt genausoviel wie vorher?“ – „Ja. Langeweile. Ja.“ – „Und was machst du nun?“ – „Hmmm…“ – „Red doch mit jemand, der Politikwissenschaft oder Philosophie studiert, und vielleicht kannst du mit dem auch mal in ne Vorlesung.“ – „Ja… hmmm…“ – „Beliebtsein?“ – „Ja?“ – „Was ist das eigentlich für ne Band, die wir gerade hören?“ – „Grizzly Bear. Das sind die, aus dieser Peugot-Werbung.“ – „Hmmm.“ – – Für einen Moment versuchte sich Beliebtsein vorzustellen, wie der Tag wohl gewesen wäre, wenn er mit Langeweile mitgegangen wäre.

16 Antworten auf „Studentenleben – Testversion für Schüler“

    1. Ja. Weil ich gehofft habe, dass du das liest, hab ich auch den letzten Absatz – also den mit Langeweile und Beliebtsein – eingefügt. Zugegeben, ich mag auch gerne die Geschichten mit den beiden. Wiedemauchsei. Du studierst also Philosophie… soso.

      1. Jupp. Dieses Semester habe ich auch die Einführungsvorlesung Politikwissenschaft belegt (als Exportmodul).

        Ich kann dir dann ja mal was erzählen: Zumindest in Marburg unterteilt sich die Philosophie in drei Lehrstühle. Geschichtsphilosophie, theoretische Philosophie und praktische Philosophie.

        Geschichtsphilosophie behandelt hauptsächlich die Philosophiegeschichte (Überrasschung!) sowohl der Antike, als auch der Neuzeit. Es geht in erster Linie also darum sich einen Überblick über die bestehenden Disziplinen zu beschaffen, und wer mal was dazu gesagt hat. Aber keine Angst: Es ist keinesfalls der Sinn irgendwelche Schriften auswendig zu lernen. In erster Linie wird konsumiert und diskutiert. Was sehr lustig werden kann.

        Die Theoretische Philosophie. Mein Baby.^^ Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Logik, Sprachphilosophie, Ästhetik und meine geliebte Philosophie des Geistes. Jede Menge tolle Sachen die Spaß machen, und Raum für neue Ideen und Forschung bieten.

        Und natürlich die Praktische Philosophie. Vermutlich die berühmteste Disziplin: Grundpostionen der Ethik, Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie. Kann man vermutlich nicht viel anfügen… Die Seminare wuchern gerne mal in Grundatzdiskussionen aus, und in der Staatsphilosophie gibt es ein gewisses Aggressionspotential („DAS kannst du doch SO NICHT sagen!“)

        Tja… Das wäre dann mal so ein ziemlich grober Überblick.
        Politikwissenschaft ist für mich bisher noch sehr neblig, aber ich habs ja auch erst seit Oktober. Ich weiß nicht was die Politikwissenschaft eigentlich sein will… aber nagut.

        Nun zum typischen Philosophie-Studenten: Der Philosophie sagt man eine Abbrecher-Quote von 80% nach. Das liegt daran das viele Student/innen das Fach als Abstellgleiss nutzen. Leute die für ihr Wunschfach (meist kleine Mädels die gerne Pädagogik studieren wollen, aber mit ihrem Schnitt von 3,4 nicht reinkommen) Wartesemester anhäufen müssen… Und Philo ist nunmal Zugangsfrei. Die Seminare lichten sich schon in den ersten drei Wochen, aber wer nach zwei Semestern noch da ist, macht vermutlich auch seinen Abschluss. Halbherzige Studenten müssen dann einsehen das auch die Philosophie eine Wissenschaft ist. Und arbeit bedeutet. Es gibt weniger weibliche Bachlorstudenten als männliche. Die Frauen in der Philosophie sind meist Lehrämtlerinnen Ethik. Naja.

        Noch fragen?

          1. Wie ich drauf gekommen bin? Tjaa… In der Schule war ich eins von diesen: Ich-bin-nur-in-Sprachen-gut-Kindern. Alo definitiv kein Naturwissenschaftler. Aber ich hatte überhaupt keine Lust deshalb Germanistik zu studieren. Das machen doch alle kleinen Mädchen.

            ALso hab ich mich für Philo entschieden. Es hatte einige Parallelen zur Literaturwissenschaft: Man liest Texte und interpretiert. Aber man interpretiert nicht nur Texte. Die Analyse geht über fiktive Beschreibungen beliebiger Autoren hinaus. Drama Baby!

            Nach dem Bachelor mach ich noch meinen Master. Danach bleibe ich entweder an der Uni und mache meinen Doktortitel, oder ich stürze mich gleich auf die Welt und werde Hörfunk-Sprecherin. Dann kann ich den ganzen Tag Musik hören und Leute zu labern.

            Gott sei Dank bin ich nicht naiv.

            Wenn du magst kannst du mich mal in MR besuchen, und ich schicke dich mit irgendnem Ersti in ein paar Einführungsvorlsesungen… Mein Zeug ist vermutlich zu uninteressant für dich.

          2. Oh. In Sprachen (Betonung auf der Mehrzahl) bin ich gar nicht so super. Also, Deutsch mag ich und bin da auch relativ gut (naja, abgesehen von Grammatik, aber, mann!, ich komm‘ von ’ner Hauptschule.)… aber… bis gerade dachte ich: Yipppi! Philosophie! Jetzt denke ich grad: Oh. „Analyse geht über fiktive Beschreibungen beliebiger Autoren hinaus.“ Den Satz versteh ich irgendwie nicht.… Und… naja… wenn ich irgendwas so gar nicht verstehe, werd ich immer sehr schnell ein sehr trauriges Schlafsofa. Äh… dingens.

          3. Mit dem Satz wollte ich sagen: Im Deutschunterricht interpretierst du was ein Literat geschrieben hat. Zum Beispiel Faust von Goethe. Aber das war mir zu willkürlich. Goethe hat irgendwelche Stilmittel benutz um irgendwas zu verdeutlichen, und wir finden dann heraus warum Faust tut, was Faust so tut.

            In der Philosophie beschäftigst du dich z.B. damit herauszufinden warum etwas so ist wie es ist. Und nicht nur was Goethe uns weissmachen waollte. Es gibt einfach keine Grenzen. Denn schließlich ist auch in eiem Werk Goethes irgendwann ein Punkt nur ein Punkz. Punkt.

            Ich war in den sprachlichen Fächern auch in erster Linie wegen meiner Palavereigenschaften gut. Weniger wegen der Grammatik. Aber Grammatik hatten wir in der Oberstufe glaub ich gar nicht mehr…

            Sei kein trauriges Schlafsofa. Sei lieber ein… fröhlicher Schaukelstuhl.

          4. Ich erzähl dir jetzt einfach mal unaufgefordert den schönsten Moment im Philosophieunterricht letzte Woche. Dem ging – etwa drei Wochen – voran, dass ich drüber nachdachte, warum es so ist, dass wir irgendwann nihct mehr alles auf dem Kopf sondern den Boden „unten“ sehen. Also, du weißt ja, dass in der ersten Woche ein Baby alles noch auf dem Kopf sieht und erst dann dessen Gehirn den Kram umdreht, so dass „unten“ unten ist. Wieauchimmmer. Ich fragte mich, warum das so ist und ob das „naturgegeben sei“, dass „unten“ unten ist. Und just letzte Woche erzählte ebendas mein Philosophielehrer, und dass es auch Wissenschaftler gab, die eben dies ausprobierten, und – nach einwöchigem Tragen von Brillen die die Sicht umkehren – feststellten, dass ihr Gehirn wieder ihre Sicht umgedreht hat. Die nächste Frage, die jetzt zu stellen wäre, ist, ob das ganze auch so wäre, wenn man zwei Wochen lang nur auf den Händen gehen würde. Und natürlich: Warum ist es für uns so wichtig, dass die Schatten die wir sehen (=> Höhlengleichnis (Platon)) nicht „auf dem Kopf stehen“.

            Und … soo…

            Danke erstmal. Und so.

          5. Interessante Fragestellung. Habe ich so noch gar nicht drüber nachgedacht. Die Wahrnehmung wird in der Philosophie ja gern kritisiert und wegen ihrer Unzureichbarkeit getadelt.

            Fall du noch einen anderen echten Marburger Philosophie Studenten ausquetschen willst: http://www.blog.de/user/Sarkoth/

            Mehr kann ich für dich vermutlich nicht tun.^^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.