"Bitte bring dich nicht um wenn ich weg bin. Ich will den großen Flatsch nicht verpassen."

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Ironie war offensichtlich Langeweiles Weg mit Beliebtseins neuerlichen Gemütstiefen umzugehen. Früher ging es ihm schon schlecht, recht häufig, aber dann begann er zu essen. Er probierte hunderte Geschmäcker aus, versuchte sein Leben zu leben und es zu bejahen, in dem er auch ja zu seinem Stoffwechsel sagte. Das machte ihn zumindest nicht traurig, und das war schon sehr viel. Es war sogar oft sehr glücklich, aber irgendetwas änderte sich in den vergangenen Wochen.

Es änderte sich etwas in diesen Wochen. Sätze wie „Bei dir muss man sich sowieso keine Sorgen machen, dass du aus dem Fenster springst. Da passt du ja nicht mal durch.“ taten plötzlich wieder weh. Er glaubte es plötzlich wieder, wenn jemand sagte, er stinke. Die Welt drehte sich, und so auch sein Magen. Beliebtsein selbst war zu träge. Nichteinmal vom Gedanken seiner Kindheit, die „Butter-S“ seien nur für ihn gemacht, für ihn, den kleinen Sascha Beliebtsein, konnte er sich lösen. Sie sagten ihm, sein Bart sei falsch. Sie sagten ihm, sein Bauch sei falsch. Alles, was sich richtig angefühlt hatte, verneinten sie. Und er bejahte die Verneinung, nickte sie einfach durch, weil er schon zu träge war, sie irgendwie zu wehren.

Aber irgendwas war anders. Beliebtsein realisierte immer mehr, dass es einen Unterschied gibt zwischen Freunden und Mitleidenden und auch einen Unterschied gab zwischen Freunden und Langeweile. Der Unterschied war, dass Langeweile nicht echt war. Sie existierte nur in Beliebtseins Kopf, war seine Erfindung, seine Projektion, seine Wunschvorstellung einer guten Freundin. Seit er das wusste, war sie verschwunden.

Erzähl den Leuten doch keinen Unsinn. Ich übernachte nur ein paar Tage bei meiner Großmutter.“ sagte Langeweile am Telefon, dass sie leicht verkrampft in den Händen hielt. Beliebtsein hatte sich schon wieder – unglücklich – in ein Mädchen verguckt, was ihn immer unglücklich machte, aber im Grunde niemand störte, außer vielleicht ihn selbst. Verkrampft, dass trifft es wohl ganz gut, denn Langeweile hatte wenig Lust, sich das endlose, selbstmitleidige Gesarrer ihres Freundes anzuhören. Sie hatte es einmal, vor einigen Jahren auf Tonband aufgenommen, und pflegte es abzuspielen, wenn ihr danach war, die Probleme eines anderen Menschen zu hören. „Aber Niemand hat diese Wendung erwartet?“ – „Doch, ich. Ich meinte schon vor drei Jahren zu dir, du würdest deine eigenen Freunde verkaufen, nur für ein bisschen Aufmerksamkeit.“ – „Hmmm“ grummelte Beliebtsein in seinen Bart. Langeweile versuchte das Geräusch – ohne Bart – zu immitieren. „Sag mir dann, wieviele Kommentare du für meine Nicht-Existenz gekriegt hast.“ scherzte sie und vergas sogleich allen Ärger. Ach, hätte nur Beliebtsein auch diese Fähigkeit gehabt.

4 Antworten auf „"Bitte bring dich nicht um wenn ich weg bin. Ich will den großen Flatsch nicht verpassen."“

    1. Öhm… So… S-Förmige Kekse…
      Wollte dir eigentlich ein Foto zur besseren… Erklärung machen, aber bis ich die Kamera fand, waren dummerweise alle Butter-S schon wieder aufgegessen.

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