# 1992

Meine sehr verehrte Langeweile,

den heutigen Tag habe ich zur Gänze dazu verwendet, Filme zu sehen. Bei elektrischem Licht mitten in der Nacht sitze ich nun hier, und schreibe dir einen Brief, um über diese gänzliche Verschwendung meines Tages zu berichten, die jedoch nur in den Augen eines voreingenommenen Betrachters als ebendiese Verschwendung auftritt. Ein unvoreingenommener Betrachter, oder in deinem Fall du als hoffentlich unvoreingenommene Leserin dieses Briefes, jedenfalls eine solche Person unvoreingenommener Natur würde eventuell meinen heutigen Tage als besonders produktiv beschreiben – im Gegensatz zu den meisten anderen meines doch recht unnützen Lebens bisher. Filme also waren meine heutige Passion. Du wirst fragen, welche Filme?, und ich werde nicht antworten, sondern egoistisch weiter vor mich hin plappern, darüber, was ich heute gemacht habe.

Unter einer Decke.
(Ohje, ist meine Nase aber groß!)

Ich sah die alte Star-Wars-Saga. Also, Krieg der Sterne, Das Imperium schlägt zurück und schließlich Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Nach meinem gestrigen Filmvergnügen (Matrix) setzte ich heute also meine Abhacktour auf der Noch-zu-sehen-Liste fort. Als Bonusfilm auf die Empfehlung eines großen, homosexuellen – ich wollte fast Wookie schreiben – Freundes von mir sah ich noch „Sunset Boulevard“, ein Film, der dir in seiner Hollywoodkritik nur zu Gut gefallen würde. Aus diesem Grund werde ich ihn auch nicht mit dir ansehen, sonst sagst du nur wieder, nur mit mir würdest du die guten Filme sehen, und sie dann nicht genießen können, wegen meiner Gegenwart. Seh ihn dir also am besten allein an, ich bin sicher, nicht nur die mittels eines Spiegels gedrehte berühmte Anfangsszene wird dir gefallen.

Aber ich wollte etwas zu Star Wars erzählen. Nicht jedoch, dass ich aus Prinzip den Titel „Krieg der Sterne“ ablehne, weil sich Sterne, in all der Regel, nicht bekriegen, sondern nur als große, brennende Gaskugeln irgendwo rumhängen. Und gelangweilt rumhängende Gaskugeln entsprechen so gar nicht dem, was diesen Film ausmacht. Im Grunde ist es ein Märchen, eine Heldensaga, die moderne Ausformung dessen, was schon den Rittern auf den Burgen als Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen wurde. Nur sind bei Star Wars die Effekte besser. Und man denkt an nur wenigen Stellen: So ein Blödsinn.

Es ist auch so, und eigentlich müsste das noch zum vorangegangenen Absatz gehören, aber ich aß einen Löffel Jogurt, was die kleine Pause nötig machte, jedenfalls ist es so, dass ich glaube, nun alles mit neuen Augen betrachten zu können. Zumindest alle Kulturerzeugnisse nach 1978 muss ich nochmal überdenken, denn sie sind so dermaßen angefüllt mit Ideen, Zitaten und Anspielungen auf diese wenigen Filme, dass ich das Gefühl habe, alles, was ich bisher gesehen und gehört und gefühlt habe, nochmal neu deuten zu müssen. Falls du mich die nächsten acht Wochen vermisst, weißt du ja, wo ich bin.

Noch ein Löffel. Verzeihung. Widerlich, eigentlich, vermutlich, weil es nicht Jogurt, sonder irgendwas anderes, abwegiges ist, vielleicht auch verwechselte ich Jogurt mit etwas anderem, das ich mag. Jedenfalls kristalisiert sich gerade, dass ich kein Freund von Jogurt bin, möglicherweise, weil ich selbigen mit anderem verwechsele. Wieauchimmer.

krönchen
(Das ist tatsächlich das unpassendste Bild, dass ich zu diesem Brief finden konnte. Ich hoffe, es gefällt dir trotzdem.)

Du fragst dich vielleicht, Episode IV, V und VI hast du jetzt gesehen, was ist mit I, II und III? Nun, möglicherweise fragst du dich das auch nicht, weil du Star Wars bisher auch noch nicht gesehen hast. Ehrlich gesagt reizen mich die ersten drei Teile nicht besonders, vor allem, weil sie über 20 Jahre später gedreht wurden, als die letzten drei. George Lucas – der Kerl, der die Filme gemacht hat – meinte glaube ich, dass er in der neuen Trilogie (I-III) endlich die Ideen umsetzen konnte, die mangels Technik in der alten Trilogie (IV-VI) nicht möglich waren.

Ich mag alte Filme. Ich mag es, Filme zu sehen, bei denen noch nicht alles mit Computern gelöst wurde, als es noch beschwerlich war Filme zu drehen. Ich mag diese Zeit, weil sie Ideen immer auf die Probe stellte. Ist meine Idee gut genug um dafür Modelle zu bauen und diese zu sprengen? Hätte man für „I am Legend“ ganz New York für 8 Monate sperren müssen um es bewalden zu lassen, hätten es sich die Verantwortlichen vermutlich länger überlegt, einen solchen Film zu machen und mir wären diese schrecklichen Stunden erspart geblieben. Die Ideen von Star Wars waren aber gut, gut genug, um dafür auch eine ganze Menge zu basteln. Zum Beispiel Ewoks. Und At-At-Einheiten. Und einen Todesstern, nein, halt, sogar zwei.

Ich fand auch interessant, zu sehen, wie konsequent man die eigentlichen Ereignisse nicht-zeigen kann, und trotzdem die Geschichte erzählen, genauso, oder vielleicht sogar besser, als würde man alles zeigen (z.B. die Sache, (Episode V) wo Han Solo Luke Skywalker rettet. Also, speziell, wie er Innereien seines erfrorenen Tauntauns rausholt, um Luke zu wärmen.).

Jedenfalls glaube ich, mich an diese Filme sicher noch einige Male zu erinnern und ich schließe auch nicht aus, sie nochmal zu sehen. Oder auch zwei, drei, vier, oder… fünfzig mal.

So. Und jetzt gehe ich besser schlafen. Sonst wird das heute gar nichts mehr.

Liebe Grüße,
dein Beliebtsein

PS: Toll was man heute alles einem Brief beifügen kann:

PPS: Gibt es noch einen Film, den ich deiner Meinung nach unbedingt gesehen haben sollte?

4 Antworten auf „# 1992“

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