Bei Johnny Cash und einer Tasse Tee.

Bevor jemand enttäuscht ist: Es geht nicht um Johnny Cash und auch nicht um Tee. Nur um Langeweile.

Angenommen, Denken sei kein Monolog, sondern immer ein Dialog, dann hätte meine gute Freundin Langeweile einen Gesprächspartner in diesen Minuten gehabt, alleine in ihrem Zimmer unterm Dach sitzend, begleitet von ein bisschen Johnny Cash, nachdenkend darüber, warum sie so unfreundlich zu ihrem guten Freund Beliebtsein war. Sie fragte sich, oder eher noch wurde sie gefragt, warum sie ihm Liebe beteuerte – platonisch oder nicht -, um ihn dann wieder in die Ecke zu schleudern. Daniel „Danny“ Desario hätte wohl lässig gesagt „She’s on her period.“ und das Thema wäre gegessen gewesen. Niemand – außer Frauenärzte – redet weiter, wenn das Wort Periode gefallen ist.

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„Warum hast du das getan?“ fragte eine der zahlreichen Alter Egos Langeweiles. „Warum bist du nett zu ihm, und dann wieder eine totale Schlampe?“

„Es ist besser…“ sagte Langeweile ihrem Gesprächpartner.

„Besser?!“

„…besser für ihn als Künstler, wenn er leidet.“ Langeweile atmete tief ein. Hatte Sie gerade laut zu sich selbst gesprochen? Sie sprach weiter. „Nur aus dem Leiden erschafft er großartiges. Ich will ihm eine Muse sein, ihn leiden lassen, damit er Meisterwerke vollbringt. Das tut mir auch weh, aber es muss sein…“

„Aber du machst ihn damit kaputt!“ entgegnete sie in einer anderen Stimme.

„Blödsinn. Ich will ihm nur helfen. Irgendwann… baue ich ihn wieder auf.“

„Und wenn er begreift, welches Spielchen du mit ihm treibst?“

„Dann verliert es seine Wirkung.“

„Verbringt er nicht schon die ganze Zeit deprimiert in seinem Bademantel und sieht sich alte Serien an?“

„… ja.“ antwortete Langeweile wie ein ertaptes Kind.

„… so wie du?“

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Langeweile hatte die Lust verloren, mit sich selbst zu reden. Sie schaltete ihren Plattenspieler ab und ging zu Bett. Bob Dylan ist sowieso viel cooler als Johnny Cash, dachte sie noch bei sich, und schlief dann ein.

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