Wie wird alles gut?

Langeweile weinte dicke Tränen, die wie kleine Wasserbomben auf ihrer Bettdecke zerplatzen. Platsch. Booom. Beliebtsein umarmte Langeweile, langsam, aber bestimmt und stark. Umarmen, das konnte Beliebtsein. Trösten eher weniger. Langeweiles Tränen donnerten nun auf Beliebtseins Schulter. Er flüsterte: „Alles wird gut.“ doch Langeweile antwortete nur: „Wie wird alles gut?“

Wolken

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Wenn Menschen traurig sind, versuchen wir ihnen oft Hoffnung zu geben. Wir lügen dann und behaupten, alles würde gut werden, damit diese Menschen aufhören traurig zu sein und wieder Kuchen backen. Es stellt sich aber, bei nüchterner Betrachtung, die Frage, warum alles gut werden sollte. Nach einiger Zeit des Nachdenkens, bei der nur die üblichen Verdächtigen – Gott, Zufall/Vorsehung, das eigene Ich, die Gesellschaft und Supermen – zum Vorschein kommen wirft man die Frage in den Müll und widmet sich statt dessen dem viel praktischeren „Wie“. Einige persönliche Überlegungen:

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Aus Fehlern wird gelernt, alles wird besser gemacht?

Eine sehr schöne Möglichkeit wäre, dass wir aus unseren Tränen und den Narben lernen und uns zukünftig keine Klippen mehr herabstürzen, ohne zuvor das Bungeeseil überprüft zu haben. Persönlich mag das durchaus zutreffen. Wir lernen – ab und zu – aus Fehlern und verändern uns auch hin zum Besseren, wenn wir das wirklich wollen. Aber eine persönliche Ebene des „wird gut“ reicht nicht, schließlich beschwört die Provezeihung das Besserwerden von Allem. Wäre es also so, dass wir auch als Gesellschaft aus unseren – zumindest den offensichtlichen – Fehlern lernen, dann würde dies entweder so langsam geschehen, dass es für das einzelne Menschliche Lebewesen irrelevant ist (Dass die Welt vor 100 Jahren noch scheißerer war, nützt mir nichts, ich kenne nur den jetzigen Zustand) – was durchaus möglich ist -, oder aber – und das halte ich für eher unwahrscheinlich – lernen wir aus unseren Fehlern auch als Gesellschaft in angemessen zügigem Maße. Dagegen spricht, dass immernoch Atommüll vor unseren Haustüren liegt und ich Probleme habe, Frauen anzusprechen. Würden wir alle als Gemeinschaft aus Fehlern lernen, die Welt wäre ein perfekt-langweiliger Ort.

Umwertung der Dinge? Zeit heilt alle Wunden?

Wahrscheinlicher noch, als aus Fehlern zu lernen, glaube ich aber, ist, dass wir mit steigendem Alter und damit einhergehend auch wachsener Lebenerfahrung lernen, dass die vermeintlichen Riesenprobleme, mit der wir uns gerade rumschlagen, unheimlich leicht zu lösen sind oder gar nicht so furchteinflössend und wichtig, wie wir dies dachten. Klassisches Beispiel ist die Frisuren- und Kleidungsfrage. Während wir uns in jüngeren Jahren riesige Gedanken darüber machten, ob man nun die oder die Hose zu einem Treffen anzieht, ob man seine Haare hochgelt oder glättet, lernt man mit der Zeit, dass es auf derartige Äußerlichkeiten gar nicht so sehr ankommt. Oft verlieren auch Probleme, mögen sie auch noch so groß sein, ihre Bedeutung mit sinkender Aktualität. Oft genügt es auch, bewusst zu unterstreichen, welche Vorzüge ein Fehler hat. Verschlafen und das damit einhergehende zu spät erscheinen kann auch bedeuten, ausgeschlafener zu sein. Durch die Umkehrung des Negativen ins Positive kann so auch „alles gut“ werden. Passend dazu die Bibel (hier zitiert als Wissenssammlung, und nicht als Blog Gottes): „Wer da Gutes sucht, dem widerfährt Gutes; wer aber nach Unglück ringt, dem wird’s begegnen.“ (Sprüche 11,27). Soll heißen, wenn man bewusst positiv denkt, bei dem wird auch alles gut. Andersrum genauso.

Innere Ruhe?

Eng mit dem Altern verknüpft und dem Umwerten der Dinge ähnlich, aber nicht gleich, ist die – überraschende – Erkenntnis, dass viele Fehler und Probleme uns erst zu dem machen, was wir sind. Vieles, was also nicht gut ist, sorgt später dafür, dass wir uns nach Innen richtig und zufrieden fühlen können und so auch alles Äußere, – in der Summe „Alles“ – als positiv wahrnehmen.

Karma?

Nicht unerwähnt darf hier dieser alte Lehrsatz bleiben, wonach man, wenn man gutes tut, einem auch Gutes wiederfährt, sehr schön beispielsweise im Koran ausgedrückt (auch dieser nur als Wissenssammlung und nicht als Gottes Tagebuch): „Wer Gutes vollbringt, soll Besseres als das erhalten.“ (Sure 28, 86). Oder nochmal anders ausgedrückt: Gutes wird belohnt, Böses bestraft, wer Böses erleidet, ohne Böses getan zu haben, kriegt irgendwann Bonus-Gutes gutgeschrieben. Aber, das ist mir dann doch ein bisschen zu sehr „My Name is Earl“-Logik. Es wäre schön, könnte man sagen „Tu Gutes, dann wird dir Gutes wiederfahren.“, bedauerlicherweise ist es meistens nicht so einfach.

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Fazit
Wie so oft gibt es kein How to und keine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem „Wie“, aber sicher ist: Gestellt werden muss die Frage nach dem „Wie wird alles gut“ trotzdem.

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„Das ist alles? Das ist das Ende von deinem Blogeintrag?“ Langeweile hielt verkrampft den Hörer ihres Telefons ans Ohr. „Ich dachte, bei so nem offenen Ende bringen die Leser und Leserinnen vielleicht eigene Gedanken ein…“ „Red‘ keinen Blödsinn.“

3 Antworten auf „Wie wird alles gut?“

  1. Hallo faulit,

    das sind interessante Denkanstöße zu einem interessanten Thema! Einen Aspekt hast du jedoch nicht erwähnt. Gibt es auch ein praktisches Wie zu der alles-wird-gut-Frage, wenn der Schmerz sich nicht auf Fehler oder falsche Sichtweisen bezieht, sondern auf Schicksalsschläge, Trennungen, Verlust von geliebten Menschen?

    Grüße
    Anhora

    1. Hallo Anhora,

      im Falle von Schicksalsschlägen, denke ich, heilt die Zeit die Wunden. Oder, zumindest hoffe ich, dass man sich mit der Zeit an verschiedene ungewollte Situationen gewöhnt. Jedoch glaube ich auch, dass bei vielen Sachen „Wunden“ zurück bleiben… Aber, vielleicht hast du für diesen speziellen „Alles wird gut“-Bereich eine bessere Idee…

      Grüße und danke für deinen Kommentar.
      faulit

  2. Hallo,
    das ist eine schwierige Sache was soll man zu einem der weint und traurig ist andres sagen als „alles wird gut“.
    Natürlich weiß derjenige, dass man das nicht sagt, weil man weiß, dass alles gut wird, sondern dass man es einfach nur hofft und was kann man auch andres tun als hoffen. Und die Frage nach dem Wie.
    Vielleicht nehmen ältere Leute ihre Problem wirklich leichter. Ich weiß nicht warum, aber ich staune immer wieder wie meine Großeltern wirklich alles schönreden können.
    Naja ich denke es ist leichter alles positiv zu sehen, man wird ja merken was passiert.

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