Deutschklausuren

Lampenhintergrund

Schon länger, als ich mich wirklich daran erinnern kann, bringt man mir die Deutsche Sprache bei und fragt in Tests, Klassenarbeiten, Prüfungen und neuerdings Klausuren meine Fortschritte darin ab. Ich weiß nicht mehr, wie es war, diese verwirrenden Zeichen zu lernen, aber mein Grundschulzeugnisse und mein sehr spätes Lesenlernen zeugen davon, wie schwer es mir gefallen sein muss. Umso erstaunlicher, wie einfach es mir dieser Tage ab und an von der Hand geht. Ohne jetzt hochnäsig klingen zu wollen, aber Sprache – insbesondere die Deutsche – bereitet mir dann doch weit weniger Probleme als die meisten anderen Sachen.

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Im Grunde ist Deutsch und die darin getätigte Lernerfolgsprüfung innerhalb von Schulen ein bisschen wie Fußball. Es erfordert unvorstellbare Zeit der Übung – praktisch unsere gesamte Jugend verbringen wir damit vernünftig Sprache zu lernen. Wer nicht übt, der kann oft mit Sprache nicht umgehen, aber genauso wie beim Fußball gibt es hier Naturtalente, die mit Deutsch direkt zu tribeln dribbeln anfangen und wie die einfachste Sache der Welt Tore schießen, andere, wie auch ich, tun sich ein bisschen schwerer mit der Ballkontrolle. Manche bleiben dem Fußball auch ihr Leben lang eher fern und kommen über grobeste Ballführung und ab und an ein Glückstor nicht hinaus – genauso wie manche Sprachspieler.

Bleiben wir im Fußballbild, dann sind Tests die Spiele in der Kreisliga, Hausaufgaben Freundschaftsspiele, und mit steigender Schulbildung steigt man in der Sprachliga – idealerweise – auf. Jede Mannschaft kann die eine Sache ein bisschen besser, die andere ein bisschen schlechter. Briten beispielsweise haben scheinbar ein Talent für Songtexte und Theaterstücke, Deutsche Sprachspieler haben wunderschöne Wortgebilde, die jedoch nur deutsche Sprachspieler tatsächlich zu schätzen wissen können. Franzosen spielen mit ihrer Sprache und machen daraus Kunstwerke, selbst, wenn es nur Einkaufslisten sind.

Im Grunde ist eine Deutschklausur an einem Gymnasium schon Bundesliga. Und wie beim Spiel rund ums runde Leder läuft es manchmal gut, manchmal schlecht und manchmal einfach katastophal. Manchmal, da verliert man einfach jede Metapher, versteht jedes Wort falsch und findet weder Anfang noch Ende, und das ein oder andere Foul ist durchaus auch möglich. Selbst beste Vorbereitung nützt da nichts.

Ich hasse diesen Druck.
Meinereiner denkt nämlich nicht an den möglichen Sieg und die bierreiche Meisterfeier, sondern an einen möglichen Abstieg. Klassenerhalt wäre schon großartig. Aber, sobald man auch nur daran denkt, was das Spiel bedeutet, verliert man den Ball an den Gegner. Im Grunde muss man alles geben, egal, ob es eine Einkaufsliste oder das Weltmeisterschaftsfinale ist.

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Und dann ist der Rasen naß, der Ball unkontrollierbar, man selbst völlig erschöpft. Und trotzdem erwarten alle Zuschauer einen verdammten Auswärtssieg. Und morgen ist das letzte Spiel der Saison.

4 Antworten auf „Deutschklausuren“

    1. Mist, irgendwas geht hier nicht.

      Wie war das nochmal?

      „Der Rasen ist naß, und der Ball ist rund“. (Faulit, frei nach Sepp Herberger)

      Ach ja, und das noch:

      tribeln = „dribbeln“?

      1. Zugegeben, vermutlich kenne ich mit Fußball zu schlecht aus, um ihn tatsächlich als Bild für etwas anderes nehmen zu können. Und tribeln wird natürlich sofort korrigiert. Danke für den Hinweis.

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