"Was nervt dich so an der Musikindustrie?"

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Neulich sah man die PopCom im Fernsehen und ein Musikindustrievertreter beschwerte die hohen Umsatzeinbrüche durch die bösen Raubkopierer. Als ich wieder meine fünf-Minuten-Hass hatte, fragte mich eine Freundin: „Was nervt dich denn so an der Musikindustrie?“

Das haut einen erstmal weg. Ähm… Die Frage, meine ich. Wie eine Backsteinmauer, die mit 200 km/h auf einen drauffährt. Ich frage einen Freund, warum wir Musikindustrielle nicht mögen. Er sagt: Weil es die Musikindustrie ist. Und ich bin ebenso ein Tor, wie zuvor. Was mögen wir denn daran nicht? Es ist doch, als würde man Bauern hassen, aber ihre Kartoffeln weiter essen. Wer Kartoffeln liebt, der kann auch keine Bauern verabscheuen. Ist es mit Musik nicht genauso? Die Musikindustrie produziert und bringt die Musik zu uns. Wo ist also das Problem?

Das Problem ist vielleicht, auf welche weise sie dies tun. Ein Bauer hat Respekt vor der Erde, der Sonne und allem. Er schützt den Planeten, ist dankbar für jede Frucht, die ihm der Boden schenkt. Er glaubt nicht, er hätte einen Anspruch auf Kartoffeln. Nein, im Gegenteil, er unterstützt, hilft den Kartoffeln beim Wachsen, und hofft, dass er das noch lange machen kann. Die Musikindustrie nicht. Die Musikindustrie tritt nach beiden Seiten. Beutet Künstler aus – wenn man den „Verstoßenen“ glauben soll -, mit Sicherheit treten sie aber auch nach der anderen Seite, der, der Konsumenten.

Sie verzögern Albenverkäufe, sperren Videos, mahnen Contentdiebe ab. Weil sie es können. Und dann, während sie am einen Ende ihre dicke Hose präsentieren, sich aufspielen wie die Größten, hängen sie sich heulend an die Hosen des Gesetzgebers, beklagen ihr baldiges Aussterben wegen Raubkopie-Musikindustrie-Massenmördern, stilisieren ihr eigenes Ende bis zum Erbrechen und fordern härtere Urheberrechte.

Ihre Arroganz und Hinterlistigkeit, ihr Schwergewicht verbunden mit der Fähigkeit, den sterbenden Schwan zu miemen, das mag ich nicht. Sie tun, als sei die Musik ihr Eigentum. Aber es gehört den Künstlern. Es gehört den Hörern. Eine Industrie aufzubauen auf Kunst, auf Kulturgütern, gar auf Dateien, oder Anwälten, das ist… einfach nicht richtig. Ich weiß nicht warum, aber es fühlt sich nicht richtig an.

Sie wollen, und könnten, die Zeit anhalten. Veränderungen stoppen. Die Zukunft vertagen. So, als würde die Kohleindustrie uns zwingen, drei Monate im Jahr zu heizen – mit Kohle. Vielleicht ist es ja so, wie es Marcel Weiß bei Carta schrieb. Ein historischer Unfall. Aber, wenn die Musikindustrie weiter so heult und erpresst, dann schaffen sie es auch, ihren Willen durchzusetzen. Dann gibts wieder Faxgeräte und … Steintafeln.

Fragt sich, ob sie sich dadurch nicht selbst den Todesstoß versetzt, den sie so lange schon ihren Kunden unterstellen…

Wiedemauchsei. Jemand, der schon länger im Sterben liegt, als ich lebe, ja, der schon seit seinem Anbeginn das eigene Sterben beklagt, der… geht einem auf die Nerven. Aber vielleicht ist es auch ganz anders.

2 Antworten auf „"Was nervt dich so an der Musikindustrie?"“

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