Ein ganzer Saal hasst mich.

Und ich finds irgendwie… lustig.

Kneipe

Es gibt Orte, da gebietet der Anstand, von Gesprächen mit anderen abzusehen. Büchereien, Museen, allgemein Orte der Kultur und Weiterbildung sind unerfreut über leichtes Gespräch. Ebenso unangenehm fallen diejenigen Leute auf, die bei Filmmeisterwerken ununterbrochen reden. Ich gestehe: Ich gehöre selbst zu diesen unausstehlichen Kinoschwätzern.

Natürlich ist meine offene Klappe auch davon abhänig, was für ein Film läuft (je näher an meiner Verständnisebene (weder zu blöde, noch zu kompliziert), desto ruhiger bin ich (ausnahme: star wars. Da mach ich ununterbrochenes Fan-Gekreische).) und natürlich hängt meine Sprachfülle auch von den anderen ab. Ab einer Gruppengröße von 3 Personen erreicht mein Geplapper eine kritische Masse, was schließlich zur Spaltung führt – also zwischen mir und denen, die mit mir reden auf der einen Seite, und dem restlichen genervten Publikum auf der anderen Seite. Ich verlasse dann regelmäßig von Beleidigungen begleitet den Kinosaal.

„Woah, Drei D! So ein Rotz.“

Besonders schlimm war das bei Avatar, wo wir – die große Schuld kann ich hierbei nicht allein tragen – ununterbrochen sprachen und schlechteste Witze rissen. Es gipfelte für mich – Achtung Spoiler! – darin, dass dieser… Kerl… nach gefühlten Stunden des Ablebens doch noch von der allmächtigen Natur zurück ins Leben geholt wird – ich sagte damals: „Wenn der jetzt wieder zu Leben anfängt, dann ist der ganze Film ruiniert.“. Ich schrie dann auch entsprechend laut und enttäuscht (Logik, anyone?!) und bin bis heute nicht mit Avatar versöhnt.
Als wir damals den Kinosaal verließen, sprach man uns an, wir sollen das nächste mal doch bitte einfach gehen, wenn uns der Film nicht gefalle.

Bedauerlicherweise befolgte ich diesen Rat auch heute nicht, als wir „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ (oder so ähnlich) sahen. (Anm. Ob ein Film gefällt, weiß man erst beim Abspann. Alles davor sind Vermutungen.) Soundtrack und alles waren eigentlich ganz ok. Problem: Die Geschichte ist – wenn man nicht gerade unter extremem Glückshormonrausch steht – ziemlich flach und sowieso tausendfach durchgekaut. (Dennoch ein netter Film. Aber, man versteht halt auch alles, während man plappert.)
Dementsprechend standen wir noch einen falschen Atemzug entfernt von der öffentlichen Steinigung, als wir den Kinosaal – am Anfang des Abspanns – als Erste verließen.
2007-09-28 - in mathe

Könnten Blicke töten, ein jeder in diesem Kinosaal hätte sich mitschuldig gemacht.

Und ich könnte meine Klappe nicht halten, während mein Leben an mir vorbei zieht. („Aaaaalt!“)

Dabei wäre es so einfach, mich zum schweigen zu bringen. „Bitte verhalten Sie sich ruhiger, ich möchte den Film sehen.“ Schweigen wird – wie bei Wahlen – von mir als Zustimmung, oder „Egal“ gewertet. Daher bin ich, wenn dann die Menschen direkt um mich herum beleidigend werden, auch immer sehr verunsichert und überrascht. Eine Ermahnung, und ich bin zumindest deutlich ruhiger, wenn nicht sogar ganz still… Irgendwann krieg ich dort noch Hausverbot.

Irgendwo ist es dann aber doch ein interessantes Gefühl, wenn einen ein ganzer Kinosaal aus tiefstem Herzen hasst. Ein schlechter Abend war es jedenfalls heute nicht.

4 Antworten auf „Ein ganzer Saal hasst mich.“

  1. Glücklicher Weise bin ich dank entsprechender Statur und Auftreten immer wieder in der Lage, den Dummschwätzern glaubhaft zu versichern, daß ich zur roher, körperlicher Gewalt greife, wenn sie nicht bald die Klappe halten. Wahrscheinlich überzeugt die verbal transportiere Gewissheit, daß ich das auch tun werde.

    Eine Oase der Ruhe.

    Den Glaube, daß jemand einsieht, daß ich im Kino für den Film bezahlt habe und nicht um mir blödes Gelaber vom Nachbarsitz anzuhören, habe ich jedenfalls lange aufgegeben.

  2. Was mir ja, wenn ich dann mal ruhig bin im Kino (der Film also nicht extrem blöde ist), extrem stört ist das Getuschel und das Gelache der anderern Zuschauer bei den flachesten und blödesten Scherzen.

    Aber, wie gesagt: Wenn wir uns mal in Kino sehen, sag es mir einfach, dass ich ruhig sein soll, und ich bin es. (Auch ohne vor dir Angst zu haben).

  3. Oooh Groupies bleiben nicht zum Frühstück. Wenn ich eine gute Begleitung für den Film hätte würde ich ihn bestimmt gehen, denn – obacht – die bezaubernd hübsche Anna Fischer spielt die Hauptrolle. Vor ungefähr 4 Jahren hab ich im ARD Abendprogramm so gegen Mitternacht einen Film gesehen mit ihr in der Titelrolle („Liebeskind“), und war dann wochenlang total von ihr fasziniert. Und dann hab ich 4 Jahre lang nichts mehr von ihr gehört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.