"Wie geht es dir?"

Man könnte jetzt glauben, die Frage „Wie geht es dir?“ würde tatsächlich danach fragen, wie die Stimmung der gefragten Person im Moment ist, jedoch drückt diese kleine Frage weit mehr aus, als sie suggeriert. „Wie gehts?“ als Kurzform ist der Ersatz für das „Was geht?“ von lockereren Bevölkerungsgruppen. Es handelt sich also um weit mehr: Welche Ereignisse und Gegebenheiten der Außen- und deiner Innenwelt sind für dich gerade aktuell und sorgen selbige eher für positive oder negative Gefühle? Als Antwort hierauf kann einerseits ein schlichtes „Gut“ – oder je nach Charakter ein anderes Wort für eine lebensbeständige Stimmung, etwa „OK“, – verwendet werden, dass signalisiert: Aktuell gibt es nichts in meinem Leben, das mich besonders positiv oder negativ beeinflussen würde, weicht die Stimmung von der Lebensbeständigen Dauerstimmung ab, so müssen dem Stimmungswort einige Beschreibungen und Erklärungen folgen, die Hinweise geben, warum es so oder so geht; andererseits kann die Frage aber auch nur eine Höflichkeitsfloskel sein. Sollte letzteres zutreffen bieten sich alle Formulierungen mit „Danke“ an, worauf, um die Höflichkeit zu erwidern, ein „Und selbst?“ folgen kann – aber nicht muss. Bedauerlicherweise sind für die meisten Menschen die Höflichkeits-„Wie gehts?“ in der Überzahl.

Inzwischen bin ich persönlich dazu übergegangen, mit der Höflichkeitsreaktion beziehungsweise bei Kurzmitteilungskommunikation gänzlich auf eine Antwort zu verzichten, wenn abgesehen von dem unwichtigen Alltag nichts mein Leben erschüttert.

Und wie geht es Ihnen heute?

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