Hemmung

Metro

Eigentlich könnten wir ein ganz wunderbares Völkchen sein. Wenn wir mehr denken würden, und weniger. Wenn wir wieder mehr Kinder wären, und mehr erwachsen. Heute sah ich eine Frau mit einer offenbar schweren Einkaufstüte. Mehrmals stellte sie sie ab und jedesmal fragte ich mich: Soll ich ihr helfen? Aber natürlich! Soll ich sie ansprechen? Ich weiß nicht. Irgendwie traute ich mich nicht.

Man könnte jetzt sagen, das würde lediglich daran liegen, dass ich „ein wenig“ schüchtern bin. Klar, die Schüchternen, die Kleinen und Uncoolen, sind die große Mehrheit. Wären wir einig, könnten wir die Welt regieren, aber irgendwie sind wir dann doch zu schüchtern für sowas. Wieauchimmer.

Ich glaube, die Ängste vor den Fremden, die Abneigung gegen Unbekanntes, das „Niemanden ansprechen“ wir uns erst gelehrt. Von Natur aus sind wir hilfsbereite, offene, freundliche, ja, gar humane Wesen. Erst durch Kultur, erst durch falsche Lehren, falsche Ziele werden wir geldsüchtige, unfreundliche Artgenossen, oder eher noch, -Feinde.

Ein Junge meines Alters hier aus der Nachbarschaft sitzt im Rollstuhl. Ich weiß nicht, wie viel er von der Außenwelt – das heißt, der unseren Welt – mitbekommt. Ich glaube, er hat ein gutes Leben. Seine Mutter, die ihn pflegen muss, tut mir jedoch ein leid. Die Blicke von so gehemmten Leuten wie mir, die sich zu keinem Gespräch trauen, die müssen unangenehm sein. Heute sprachen ein paar Kinder ihn an. Sie stellten ihm Fragen, so, als wäre es völlig normal, mit körperlich und geistig Benachteiligten zu reden.

Ich hab da irgendwie Hemmungen. Eingepflanzte Hemmungen. Ich glaube, es gäbe bestimmte Normen und Sitten, und ich habe riesige Angst davor, mich im Gespräch mit anderen, fremden Menschen zu blamieren, ihnen Weh zu tun oder gar Unrecht. Ich weiß, wie irrational diese Ängste sind, aber ich habe sie mir angewöhnt, und komme davon nicht mehr los.

Wir alle sollten viel mehr Funny van Dannen hören und uns dabei viel weniger Sorgen machen, wie wir eigentlich sind und wie wir uns zu verhalten haben.

Wenn wir viel mehr wären, wie wir sein könnten, wenn wir mehr täten von dem, das wir wollen, dann hätten wir ein viel schöneres Land – für alle. Aber das Gute geht verloren, in der Reibung mit der Realitätsangst…

3 Antworten auf „Hemmung“

  1. Naja, das Gehemmtsein läßt sich überwinden. :)

    „Von Natur aus sind wir hilfsbereite, offene, freundliche, ja, gar humane Wesen. Erst durch Kultur, erst durch falsche Lehren, falsche Ziele werden wir geldsüchtige, unfreundliche Artgenossen, oder eher noch, -Feinde.“

    Nee, das kannste knicken. Daß der Mensch von natur aus gut ist, das glauben nur die …. naja, ich setz‘ drei Punkte.

    Dem Menschen (wenn er jung ist) muß müsam Kultur, Anstand, Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft beigebracht und vorgelebt werden, sonst wird nix Rechtes draus.

    Wenn die Kleinen so überaus „gut“ wären, wozu bräuchte es dann überhaupt eine Erziehung? (Ok, es werden jetzt so einige sagen: man braucht ja auch keine).

    Wohin das führt, dazu dieser Blog (lustig):

    Fräulein Krise

    1. Nagut, vielleicht sind wir nicht von Natur aus gut, aber… Ich bin immer wieder überrascht worden, wie Hilfsbereit – im Vergleich zu den „Großen“ – kleine Kinder sind…

      1. liegt wohl daran, dass sie unbeeinflusst von gedanken sind. die denken kaum, sie handeln. und dass ein erwachsener erst alle punkte abwägt, bis er was in die hand nimmt, ist auch klar. man kann aber dagegen ankämpfen. ist echt bloß training, versuch’s mal, immer wieder n rückzieher zu machen und sich hinterher darüber aufregen, ist totaler kack.

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