Die offene Balkontüre

Ich muss ein bisschen ausholen, um zu erklären, warum mich heute abend die offene Balkontüre so verunsicherte. Also, nicht nur, was naheliegend wäre, weil Winter ist und sich eine offene Balkontüre die ganze Nacht über nicht nur energietechnisch ungünstig macht, sondern auch moralisch, zumal, wenn man schon einige Wochen wie verrückt heizt. Die offene Balkontüre verunsicherte mich jedenfalls. Ich war mir sicher, naja 98 % sicher, dass ich selbige gestern vor dem Zubettgehen angsterfüllt schloß.

Um das angsterfüllt erklären zu können, muss ich ein bisschen ausholen. Unsere Bühne (so sagt man hier zum obersten Stockwerk, also direkt unter dem Dach) ist seit jeher alt, quietscht, hat allerhand Klappen, unangenehme Gerüche und allerhand anderes Gespenstisches. Als Kind fürchtete ich mich vor dem dort oben, und wenn ich ehrlich bin, selbst nachdem die grusligen Dinge – d.h. der ganze Müll aus den 60ern dort oben – rausflog, bleibt der Raum doch – vor allem nachts – von einer unangenehmen Aura durchzogen.

Um erklären zu können, warum mich die offene Balkontüre so sehr verunsicherte, muss ich wiederum ein wenig ausholen. Es ist ja nun nicht so, dass ich eher ängstlicher Natur bin, aber ich hatte tatsächlich Grund mich zu fürchten. Auf der grusligen Bühne verscheuchte ich nämlich vor einiger Zeit – 2 Tage? – eine Taube, die sich auf unserem Balkongeländer ausruhte. Das gibt böses Karma, und taubenmäßig habe ich schon ziemlich viel schlechtes Karma.

Warum ich taubenmäßig schlechtes Karma habe? Dafür muss ich – richtig! – ein bisschen ausholen. Vor einiger Zeit hatten wir ein Taubennest auf unserem Balkon. Das ganze zog sich und zog sich, viele Maßnahmen wurden ergriffen, aber die Tauben entwickelten sich trotzdem zu einer Art Plage auf unserer Bühne. Verzeihung, ich meine Plage selbstverständlich nicht böse, aber wenn Sie unsere Bühne gesehen hätten, dann würden Sie wohl zu den gleichen Worten greifen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, die Tauben wären immer noch sauer, dass wir sie von ihrem neugewonnen Zuhause aussperrten, nur weil wir es auch als Zuhause empfanden.

Es ist also sicherlich ohne weiteres Ausholen verständlich, dass ich sofort befürchtete, in einem Alfred-Hitchcook-Film gelandet zu sein – namentlich „Die Vögel“ -, was karmamäßig sicherlich drin gewesen wäre, aber mir dann doch nicht ganz so angenehm.

Falls ich unter mysteriösen Umständen demnächst sterben sollte – irgendwas mit Tauben -, dann wissen Sie ja bescheid.

Korrekturgelesen von flashlink

5 Antworten auf „Die offene Balkontüre“

  1. Seltsamerweise hatte ich ein ähnliches Erlebnis vor ein Paar Nächten/Tagen.

    Ich habe es mehrmals knacken gehört in der Nacht – was in meinem Zimmer nicht unüblich ist – und viele weitere Geräusche: Rasseln und Klopfen.
    Das Klopfen hat mir den Rest gegeben & ich habe mich so sehr hineingesteigert (gegen 0.00 Uhr Nachts), dass ich fest davon überzeugt war, dass es Gespenster gibt.

    Ich weiß bis heute nicht, ob es nur ein Wahn war oder ob ich doch an Gespenster/Geister glauben sollte.
    Denn Gott sei Dank hat sich das Erlebnis bis jetzt nicht wiederholt.

    To cut a long story short: ich kann Dich vollauf verstehen.

  2. Schöne Geschichte, hat sogar Verbindung zu dem, was ich gestern nacht tat: das Umfeld von Shirley MacLaine recherchieren, da ich gerade ihre Autobiographie gelesen hatte. Und da kam auch Herr Hitchcock drin vor.

    Nun aber zum ernsten Teil. Inhaltlich ein erfreulicher Text . formal nicht so ganz. Ich bin grad mies drauf und mach‘ mich mal an die Korrekturen.

    ———————

    Ich muss ein bisschen ausholen, um zu erklären, warum mich heute [A]abend die offene Balkontüre so verunsicherte. Also, nicht nur, was naheliegend wäre, weil Winter ist und sich eine offene Balkontüre die ganze Nacht über nicht nur energietechnisch ungünstig macht, sondern auch moralisch, zumal, wenn man schon einige Wochen wie verrückt heizt. Die offene Balkontüre verunsicherte mich jedenfalls. Ich war mir sicher, naja 98 % sicher, dass ich selbige gestern vor dem [zu Bett gehen] zu-Bett-gehen/Zubettgehen angsterfüllt schloß.

    Um das angsterfüllt erklären zu können, muss ich ein bisschen ausholen. Unsere Bühne (so sagt man hier zum obersten Stockwerk, also direkt unter dem Dach[.]) ist seit jeher alt, quietscht, hat allerhand Klappen, unangenehme Gerüche und allerhand anderes [g]Gespenstisches. Als Kind fürchtete ich mich vor dem dort oben, und wenn ich ehrlich bin, selbst nachdem die grusligen Dinge – d.h. der ganze Müll aus den 60ern dort oben – rausflog, bleibt der Raum doch – vor allem [N]nachts – von einer unangenehmen Au[t]ra durchzogen.

    Um erklären zu können, warum mich die offene Balkontüre so sehr verunsicherte, muss ich wiederum ein wenig ausholen. Es ist ja nun nicht so, dass ich eher ängstlicher Natur bin, aber ich hatte tatsächlich Grund mich zu fürchten. Auf der grusligen Bühne verscheuchte ich nämlich vor einiger Zeit – 2 Tage? – eine Taube, die sich auf unserem Balkongeländer ausruhte. Das gibt böses Karma, und [T]taubenmäßig habe ich schon ziemlich viel schlechtes Karma.

    Warum ich taubenmäßig schlechtes Karma habe? Dafür muss ich – richtig! – ein bisschen ausholen. Vor einiger Zeit hatten wir ein [ein] Taubennest auf unserem Balkon. Das ganze zog sich und zog sich, viele Maßnahmen wurden ergriffen, aber die Tauben entwickelten sich trotzdem zu einer Art Plage auf unserer Bühne. Verzeihung, ich meine Plage selbstverständlich nicht böse, aber wenn Sie unsere Bühne gesehen hätten, dann würden Sie wohl zu den gleichen Worten greifen. Jedenfalls habe ich das Gefühl, die Tauben wären immer noch sauer, dass wir sie von ihrem neugewonnennen Zuhause aussperrten, nur weil wir es auch als Zuhause empfanden.

    Es ist also sicherlich ohne weiteres [a]Ausholen verständlich, dass ich sofort befürchtete, in einem Alfred-Hitchcook-Film gelandet zu sein – namen[d]tlich „Die Vögel“ -, was [K]karmamäßig sicherlich drin gewesen wäre, aber mir dann doch nicht ganz so angenehm.

    Falls ich unter m[i]ysteriösen Umständen demnächst sterben sollte – irgendwas mit Tauben -, dann wissen Sie ja [B]bescheid.

    Das Falsche ist eckig eingeklammert, das Korrigierte ist fett gemacht. Bitte um Vergebung für diese Zumutung.

    1. Vielen Dank für die Korrekturen. Hab ich verbessert. :)

      Zu meiner Verteidigung: Ich bin jung und leichtsinnig mit der Sprache und aufgewachsen mit Rechtschreibprogrammen…

  3. Eine offene Türe bedeutet das Ende vom Ende der Welt.
    Früher war die Erde eine Scheibe.
    Das Ende der Welt war der Rand der Scheibe.
    Heute, laut Kobo Abe (Die Zauberkreide), ist die Mauer, die Wand des Zimmers, der Wohnung, des Hauses das Ende der Welt eines Jeden.
    Wird die Tür geöffnet, ist die Welt da. Eine unbekannte Welt.
    Das Ende der Welt existiert als Axiom, d.h. mein eigener Bereich.
    Ist die Tür geöffnet, wird das Axiom paradox.
    Die Verunsicherung / Beunruhigung entsteht.

    Mikkai

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