"Ich zieh‘ auf ’nen Baum und gut is."

The Treehouse

The Treehouse by sacolton on Flickr.

Eigentlich müsste man auf einen Baum ziehen. Weit weg vom Internet mit seinen Verführungen und Verfehlungen, weit weg vom verrottenden Fernsehen, weit weg von sozialen Netzwerken der Online- und Offlinewelt, die einen letztlich doch nur zerfressen und alles nehmen. Man müsste Tetris verbannen und sich nur mit Musik, guten DVDs und Unmengen Büchern umgeben. (Wobei DVDs und Musik ja dem Stromlos-Ideal widersprechen). Ein Baumhaus voller Kreativität und voller echter Gefühle. Kein ROFL, kein LOLMAO kein OMG, kein Do not want. Wenn überhaupt, dann Zeitung lesen, oder Öffentlich-Rechtliches sehen. Arte, natürlich, aber sonst alles ignorieren. Keine Werbebriefe mehr öffnen und auch nicht mehr am altäglichen Schimpfen auf Politik, Wetter und Abwesenden teilnehmen.

Einfach mal über den Dingen stehen – und sitzen und schlafen und kochen. Am Besten alles selbst machen, was man so zum Leben braucht. Ein Feld anlegen, Gemüse pflanzen, selbst kochen, keinen Strom verbrauchen, nicht zurückgezogen leben, sondern in sich gekehrt.
Wir müssen wieder lernen, wie man die Ruhe genießt. Ein gutes Buch liest, ohne in Twitter gleich irgendwas darüber in die Welt raus zu schicken. Lernen, wie man kocht, ohne die Hälfte wegzuwerfen. Einfach… leben.

Kreativ sein, wenn es geht nur Gebrauchtes oder Selbstgemachtes nutzen… Auf dem Baum leben, das mag sehr glücklich machen, es mag auch insgesamt die Lösung für viele – wenn nicht gar alle – unsere Probleme sein, aber es ist halt nur eine Option für ein paar Tausend Menschen, eine kleine Gruppe, wenn’s sehr hoch kommt ein paar Millionen weltweit. Aber auch dann hätten wir schon wieder Ewok-Baum-Städte, die soweit weg wären von der eigentlichen Auf-nen-Baum-ziehen-Idee, dass wir das auch gleich lassen können.
Zudem mag das ja mit dem Baum heute noch gehen, aber mit 50 sind sogar die drei Stufen zur Wohnungstüre beschwerlich genug. Jeden Tag auf nen Baum klettern und dann wieder runter? Ne. Dann lieber als lebender Toter durch die Gassen streifen, arbeiten, konsumieren und irgendwann in ner Kiste liegen.

… Bleibt noch die Alternative unter einen Baum zu ziehen.
Aber das muss ich mir nochmal genau überlegen.

5 Antworten auf „"Ich zieh‘ auf ’nen Baum und gut is."“

      1. na ja aber die meisten in unserem alter haben diese erfahrung noch nicht gemacht oder gespürt, dieses empfinden, und werden’s vielleicht auch nie. also wo soll man da schon sonst drüber disktutieren

        1. Heißt das, Leute, die dem Internet überdrüssig sind, finden nur übers Internet Mitstreiter? Oder sprechen wir gerade von einer anderen Erfahrung? Ich bin verwirrt.

          1. ich meine die sehnsucht nach der einsamkeit, ohne dass einsamkeit etwas schlechtes zu bedeuten hat. die sehnsucht nach der natur… der ruhe… und das bedürfnis, selbst zu schaffen und sich selbst zu versorgen. das hat an sich nicht viel mit internet zu tun. und dieses verlangen kennen nnur die wenigsten jugendlichen

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