Zeit heilt alle Wunder

Ich befinde mich in einer wundersamen Welt aus Zeit- und Raumlosigkeit. Was nur Sekunden vorrüber ist, wirkt schon wie vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis und was Jetzt ist, ist nur ein schwammiges Gebilde aus Ereignissen, aus Informationen und Aufgaben, die an mir lautlos vorrüberziehen – ungreifbar, unbegreifbar.

Diana Mini

Ich müsste Fotos auf dem Weg machen. Analoge Fotos, die Wochen kosten, bis man sie betrachten kann. Auf die Bremse treten, Anhalten, die Zeit erleben, statt sie nur vorrüber ziehen zu sehen. Meine Notizen im schwarzen Buch mit rotem Faden werden immer unklarer. Wo bin ich?

Es sind stürmische Tage. Der Wind weht mir um die Ohren, oben auf einem Berg, und ich überlege, wo ich hin wollte. Gerade wusste ich es noch.

Jeder Moment ist ein Déjà-vu. Ich war hier schonmal. Habe dies geschrieben, habe jeden verfasst. Gibt es diesen Blogeintrag nicht schon?

Ich bin müde. Hab alles schon gesehen, alles erlebt. Will nur noch schlafen.

Rote Bücher verfolgen mich, „Stark Abituraufgaben“ – ich hab einen Kleber darauf geklebt „Durchfallen? Nein Danke!“ -, die Bücher lachen mich aus, Lehrerwechsel. Nächste Prüfung. Was schreiben wir heute? Leere wechselt. Das weiß ich nicht.

Prüfungszeiten sind die schlimmsten.

Auf Unwissen folgt die Ungewissheit. Hat es noch gereicht? Oder weiß ich schon, was ich nächstes Jahr mache? Hauptsache hinter mich bringen. Hauptsache, irgendwie, irgendwas. Bestehen.

Drei Jahre dafür gelernt. Leere Motivationssprüche. Schon abgeben? Schon anfangen? Wo schreiben wir? Handys vorne abgeben. Jacken und Taschen hinlegen. Dort der Name, dort die Klasse, da das Fach. Welches Fach? Bögen nummerieren. Täuschungsparagraph. Noch Tage. Stunden. Vorbei.

Es geht immer weiter.

2 Antworten auf „Zeit heilt alle Wunder“

  1. Ja das ist wirklich ein sehr kunstvoller Text.
    Ich glaube, die Frage ist nicht „wo schreiben wir?“, sondern „Wo schreiben wir hin“, nach der Richtung fragend.

    Die Zeit heilt wahrlich alle Wunder.
    Genieße es, Faulit, denn es geht vorbei, es geht vorbei.

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