"Ideen müssen reifen, ja ja, aber mit den Äpfeln in meinem Kopf kann man nicht mal mehr mosten."

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Es ist schon wieder so spät. Da macht man noch das eine, klickt noch das andere an, liest dieses und jenes, kommuniziert, reagiert, absobiert. Gefühle, Gedanken, Taten – alles eine große Suppe. Ich schaffe es nicht einmal, vernünftige Kommentare zu schreiben. Die Möglichkeit, alles zu tun, führt viel zu oft dazu, vor lauter Möglichkeit alles zu versäumen. Ich hab es irgendwie nicht geschafft, mein kleines Abitur-Lerntagebuch zu beenden. Ich schreibe immer noch. Es beruhigt – und bringt manchmal fast bloggenswerte Texte hervor -, aber hier bin ich dann leergeschrieben. Hier bin ich müde. Hier bin ich fertig.

Ich bin kein rechter Blogger, dem man hinterher weinen würde (vgl.), oder einer mit riesiger Facebook-Fangruppe, ich traue mich ja auch nicht schamlos Werbung für mich zu machen. Ich könnte dazu zwar etwas schreiben, aber in die Richtung wollte ich nicht gehen. Meine Richtung führt eher zum Bett. Führt eher in unerfüllende Träume, rastloses Liegen, deprimierendes Aus-dem-Bett-schälen am Morgen. Warum immer diese Dreier-Koalition, warum diese Kommata, dieser Unsinn? Ich schreibe, weil ich das nicht kann. Ich schreibe, weil ich gerne schreibe, aber… wie dem auch sei.

Ich wollte eigentlich etwas abtippen, in der Hoffnung, nicht nur ich selbst würde mich an diesen Worten erfreuen, aber… Ich entscheide mich dann doch erstmal für schlafen. Vielleicht wieder morgen. Genug Material gibt es ja.

5 Antworten auf „"Ideen müssen reifen, ja ja, aber mit den Äpfeln in meinem Kopf kann man nicht mal mehr mosten."“

  1. Schön. Wenn du dich wirklich noch ein wenig so weiterquälst, erwirbst du das Zeug zu einem guten Literaten. Hab ich ja schon oft geschrieben.

    Bloß sind denen meist eben keine Fans hinterhergerannt.

      1. Ich vermute, dass du selbst weißt, dass keiner deinem Blog hinterherweinen wuerde, außer dir selbst, der du das in einer gewissen Larmoyanz bereits im Hier und Jetzt tust.
        Dabei solltest ebenso gut du selbst es sein, der weiß, dass er im Schreiben zu sich selbst und seinem Stil ueberhaupt erst findet. Es scheint zudem, dass in deinem Suchen vielleicht die groeßte Staerke liegt. Es war ja schon immer das Ringen und Winden mit sich selbst, dieser ganze Prozess (da mag man fast an einen Gerichtsprozsse), den das Schreiben mitunter sogar gegen die eigene Person fuehrt.

        Ich hole mal etwas aus: ich hab so mit 15Jahren mit dem Schreiben begonnen. Ich bin mit 20Jahren aus meinem Elternhaus ausgezogen und hatte in diesen fuenf Jahren schon ein gewichtiges Konvolut an Texten zusammengeschrieben. Eines Tages vor fuenf Jahren ruft meine Mutter mich an und ich erfahre, dass unsere gesamte alte Wohnung ausgebrannt ist. Mein erster Gedanke galt meinen Manuskripten, diesen fuenf Jahren meines Schreibens, die nun durch den Feuerraub physisch zunichte gemacht waren, formierende Jahre, die ich fuer das Groeßte hielt, was ich je geschrieben hatte und womoeglich je noch schreiben wuerde. Der Verlust tat mir so weh, dass ich wie ein Besessener in der Jetztzeit weiterschrieb und schrieb.

        Aus Angst vor einem Feuer in meiner eigenen Wohnung parkte ich meine Manuskripthefte nun immer in meinem Keller. Vor zwei Jahren dann komme ich von einem Urlaub nach Hause, es schellt an meiner Wohnungstuer und mein buddhistischer Nachbar teilt mir trocken und in aller sanften Ruhe mit, dass es durch Starkregen Hochwasser im Keller gab und ich doch am besten auch einmal in meinem Keller nach dem Rechten schauen sollte: genau! Da ich mit schwarzer Tinte schreibe und das Wasser fast einen halben Meter hoch gestanden hatte, war bis auf ca ein drittel der Texte alles aus den Jahren 1997-2006 verloren. Einige Hefte, die hoher lagen, hatten es ueberstanden, bei einigen mittigen war die Schrift nur teilweise verschwemmt und vom Wasser davongetragen, die meisten waren wie ausgeloescht. Fast schlimmer als Feuer: der blanke Hohn der noch vorhandenen Hefte, aber der leergewischten Seiten. Ich bin spaeter auf die Idee gekommen, neue Texte in die alten trockengekrumpelten Hefte zu schreiben, wie im Irrsinn schrieb ich dagegen an.

        Warum erzaehle ich das alles? Nachdem ich grad selbst erstmal drei Minuten ueberlegen musste, hier der vermutete Grund:
        nachdem ich damals selbst in einer Krise steckte, mit meinem Schreiben (was letztlich immer auch auf die eigene Person rueckkoppelt), haette ich nie gedacht, dass ich gegen die Zerstoerung immer wieder neu anschreiben koennte und gerade dadurch umso mehr in mein eigenen Schreiben finde (ok, das klingt jetzt so, als wolle ich dich dazu ermutigen, zB deine Texte zu verbrennen oder das Blog zu loeschen, aber weiß Gott nicht).

        Vielleicht das noch aus alledem: gerade die Texte, die rudimentaer als Pyromemorabilia und aus Wasserverschwemmungen uebrig blieben, in voelliger Willkuer, zeigen in einzeln aufscheinenden Saetzen, bereits und stellvertretend fuer alle anderen, die verlorengingen, den Menschen und Schreiber auf, zu dem ich dann wurde und immer noch werde.

        Nichts ist umsonst, nichts verloren, im beschissensten Text steckt vielleicht noch ein großer Satz, der in nuce dein ganzes wahres Schaffen enthaelt.
        Das klang jetzt alles sehr pathetisch und engangiert paternalisierend, wo man dir auch einfach auf die Schulter haette klopfen koennen und sagen: “Weiter so“, selbst wenn dir vorerst nichts gelaenge. Es gibt soviele andere Blicke auf deine Texte…

        Wenn die Philosophen “Wortspiele“ sagen, wer spielt da eigentlich mit wem, frage ich mich jetzt nach Verfassen dieses Kommentars?!
        Es sind die Worte, die uns treiben…lass dich treiben!

        1. Danke für diesen Kommentar. Er beschreitet gerade den Mittelweg zwischen motiverend und Realität anerkennend.

          Dass eben niemand diesem Blog hinterher weinen wird – außer ich, vllt. – ist irgendwo sehr motivierend. Das Blog bin nunmal ich. :)

          1. Er soll aber mehr motivieren, mein obiger Kommentar.

            Es wuerde niemand weinen, weil Qualitaetsverlust wahrscheinlich gar keinen mehr traurig macht…ich wiederum schaue aber nicht ohne Grund hier zwischenduch mal rein und weiß, was verlorenginge…jetzt klopf ich dir also doch einmal fest auf die Schulter!

            Und in Sachen Larmoyanz darf ich nicht die ganz großen Toene spucken, wenn ich an meine anfaenglichen Reaktionen auf meinen Manuskripteverlust denke.

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