Seelenheil kostet aber 5 Euro.

Kapital und Kirche stehe ich ja – auch dank einer ziemlich verfehlten Erziehung hin zu „Werten“ statt „Konsum“ – eher kritisch gegenüber. Treffen beide Aufeinander, muss ich einen Blogeintrag darüber schreiben. Diesen hier.

101_5049Meine Großmutter Die Mutter meines Vaters lies für mich in einem örtlichen Kloster eine Messe für mich lesen. Gegen Bezahlung versteht sich. Weil ich ja Abitur hätte und so weiter.

Grundsätzlich sollte ich es ja nett finden, dass an mich gedacht wird. Aber, es stürzt mich auch in einen tiefen, moralischen Konflikt. Einerseits bin ich dazu angehalten, meine Vorfahren zu ehren und zu achten, andererseits bin ich – der Bibel entsprechend – eines der Kinder Gottes und bin diesem wiederum zum Acht verpflichtet. Noch prekärer wird die Situation durch die finanziellen Mittel, die geflossen sind. Auf der einen Seite finanziert sich darüber das Klostern, kann damit Gutes tun, kann weitere Messen abhalten. Auf der anderen Seite steht ein schwerer Vorwurf – denn ich mir vor allem selbst machen muss: Eine Messe, die für eine Person, deren Glück und so weiter gehalten wird, die jedoch erkauft werden musste ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch des winzigen Menschen seinen Schöpfer zu bestechen. Würde Gott sich darauf einlassen, wäre seine Integrität in Frage gestellt. Ist Gott noch einer, der all seine Kinder gleich gut behandelt, wenn er sich auf einfache Tauschgeschäfte einlässt?

Den Weg in den Himmel kann sich niemand erkaufen. Erlösung ist kein Privileg der reichen oder der arbeitenden Klasse. Viel mehr ist es Lohn für ein gottgefälliges Leben. Wer jedoch den allmächtigen Vater zu bestechen versucht, wer glaubt, Messen erkaufen zu müssen, ist denke ich sicher auf dem Holzweg. Viel mehr noch: der biblische Gott ist Jahwe, ist „Ich-bin-da“. Ich halte es für höchst kompliziert, gerade die Person bestechen zu wollen, die immer an deiner Seite war – schon die Väter und Vorväter begleitet hat. Er ist ein Freund, kein Mafiaboss, dem man einen Gefallen schuldet oder bezahlen sollte.

Klar ist: Ich möchte nicht, dass für mich Messen gelesen werden. Vor allem nicht gegen Geld. Wie soll ich das aber meiner – gläubigen – Großmutter beibringen? Oder soll ich – ganz zynisch – einfach abwarten, weil die Zeit alle Probleme löst? Soll ich ihr ihren Frieden lassen, oder sagen, was ich nicht will?

Oder verstehe ich die Situation wie immer völlig falsch? Ist es ok, weil nicht Gott bestochen werden soll, sondern die Mönche, die mich in ihre Gebete mit einschließen sollen? Ein Bringdienst, der Seelenheil liefert, wenn man darum bittet, so, wie man eine Pizza bestellt. Selbst das – seine Gebete (auf die ich sowieso verzichte) – jemand anderem aufzubürgen. Das hat etwas von… Handel. Und der sollte – so verblendet bin ich noch – nichts mit Glauben zu tun haben.

Eins noch: Da ich eine überraschende Note erhielt, haftet dieser Erfolg nun natürlich auch noch Gott an. Ich hab es also nicht aus eigener Kraft geschafft, sondern mir Vatis Hilfe erbettelt. Oder erbetteln lassen. Dabei hoffte ich, meine Alltagsproblemchen schon selbst lösen zu können.

4 Antworten auf „Seelenheil kostet aber 5 Euro.“

  1. Und überdies hast du die Note auch noch im passenden Fach erhalten. :>>

    Ist die Mutter deines Vaters nicht auch deine Großmutter? Oder ist es eher die Oma? Omma? Omi? Mutsch?

    Ach ja, es soll auch Konfessionen geben, da werden keine Messen gegen Geld gelesen.

    1. Ich war lange Zeit sehr zerstritten mit ihr. Inzwischen hat sich der Groll gelegt und ich schätze sie auch wieder als Person. Dennoch fühlt es sich immer noch manchmal falsch an zu schreiben „Meine Oma“ oder so ähnliches.

      „Mutsch“ hab ich aber noch nie gehört. ;)

  2. Ich würde versuchen, diese 5,– Euro gar nicht mit mir in einen näheren Zusammenhang zu bringen. Wer geben kann, der gibt und es ist doch gut, dass deine Oma finanziell dazu in der Lage ist. Und du hast Recht, es kann damit viel weltlich Gutes geschehen, ein Kindergarten, ein Altenheim, ein warmes Mittagessen. Es ist ein einfaches soziales Verhalten – das ist entscheidend. Lass deiner Oma ihren Glauben – sie wird dir auch deinen lassen.

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