’ne Rede. Und alle so: Yeaahh!

So richtig verarbeiten muss ich die Sache mit dem Scheffelpreis – das ist eine Auszeichnung je Gymnasium, das besondere Leistungen im Fach Deutsch würdigt – auch erstmal noch. Jedenfalls bekommt man den nicht einfach so, nein, man muss auch eine Rede halten. In meinem Fall vor gut 300 Leuten.

300 Leuten?! WTF?!

Ein Saal voller Menschen bekommt erst einmal völlig überhöhte Erwartungen verpasst durch die hervorragende Rede meiner (nun leider Ex-)Deutschlehrerin. Sie zitiert dies und jenes, begründet, was eine gute Leistung in Deutsch sei und ich bekomm fast Pipi in den Augen. Dann sagt sie meinen Namen, ich laufe einen endlosen Weg nach vorn, schüttle ihr die Hand, sie verlässt die Bühne und ich bin völlig allein. Der einsamste Mensch der Welt. Aus meiner Hemdtasche ziehe ich die vorbereitete Rede. Drei Seiten im Querformat, hastig ausgedruckt in letzter Minute. Ich beginne zu reden. „Servus“ … und verliere direkt die Zeile. Die Leute lachen. Freundlich.

Nervös as fuck.

Irgendwie finde ich die verlorene Zeile wieder, starre weiter auf mein Blatt und lese vor, was da steht. Meine Hände graben sich ins Rednerpult. Rede viel zu schnell. An manchen Stellen – völlig unerwartet – klatschen die Leute. Ich beharre nur „Ich bin doch noch nicht fertig!“ . Doch irgendwann bin ich es dann. Am Ende.

Sage, dass ich hier eigentlich fertig wäre und man gerne klatschen könnte, aber „ich fände es auch ziemlich cool, wenn Sie jetzt mal ganz laut YEAH rufen würden“.

Die Leute rufen Yeah. Mein Herz geht auf und ich verschwinde von der Bühne. Bekomme Lob von allen Seiten. Gut gemacht. Meine Rede sei wirklich toll gewesen, obwohl man gemerkt habe, wie nervös ich war. Es sei die beste Rede des Abend gewesen. Mir stünden die Türen nun offen – mit diesem Scheffelpreis. Bin mir nach dem 15 Lob nicht mehr sicher, ob das nun ein gemeinsamer Scherz ist oder tatsächlich ernstgemeint. Manche wollen die Rede nochmal lesen.

Ich bin nur froh, es irgendwie überstanden zu haben.
Kurz darauf Zeugnisse. Bald darauf betrinke ich mich und der Abend endet viel zu zügig.

So richtig muss ich das aber noch verarbeiten. Diesen ganzen, übervollen Abend.

13 Antworten auf „’ne Rede. Und alle so: Yeaahh!“

  1. Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abi und natürlich zum Scheffelpreis. Ich freue mich für dich und bin sicher, dass du diesen Preis verdient hast. Hätte deine Rede gerne gehört…

  2. Geil faulit, geil! Ich freu mich so riesig für dich, ich kanns gar nicht in Worte fassen. Das ist so schön, das rührt mich sehr… mir kommen die Tränen. Oh wär ich bloß dabei gewesen…

    Was für eine wundervolle Geschichte. Tut mir Leid, ich denk jetzt immer sofort so, wie solche Geschehnisse in einen Film passen würden, denke an den dramaturgischen Bogen… und ich hab das Gefühl, dass das das Ende der einen und der Anfang der anderen Geschichte war. Als ob du all deine Dämonen bekämpft hättest und nun stehst du da, am Mic, unsicher aber deinen Stil beibehaltend. Und die Leute wissen das, merken das, sowohl die Unsicherheit aber auch den Triumpf über die bösen Geister. Was für ein Akt!

    Du hast es geschafft, Faulit.
    Yeah.

  3. Heh, ich hab an drei verschiedenen Schulen die beste Abschlussnote in Deutsch gehabt – und mir hat keiner einen Preis gegeben. :D

    Nein, ernsthaft, ist bestimmt nur eine Übung für mehr und später gewesen. Und hab ich eigentlich schon geschrieben, dass ich stolz auf dich bin? Hab ich nicht? Ich bin stolz auf dich. Und ich hab jetzt zwar kein Pipi in den Augen, aber es war schon schön dich dahin per Blog begleitet zu haben.

    Thomas

    1. Danke schön.

      Aber es klingt so sehr nach Abschied. Alles, was hier im Blog noch passiert, wirkt nur noch wie ein Nachzügler…

      (Und, was den Preis angeht: Gibts nur in Baden-Wüttemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Warum verstehe ich leider auch nicht. Im Endeffekt ist das aber nur ein Werbegeschenk von so nem Verein….)

        1. Ein Ende mit „Knall“ wäre halt schon schick. Aber, um mal einen uralten Kommentar von dir zu zitieren: „Ich glaube [ich] bin viel zu blogsüchtig“ als das ich hier jemals aufhören könnte.

          Zurück in die Mittelmäßigkeit!!

        1. Eher Qualitätskontrolle. Die ganz blöden, peinlichen Sachen traue ich mich jetzt nicht mehr. Und reine Spiegelungen des Jetzt – Mode etwa – traue ich mich als Thema auch nicht mehr. Ich will einfach – anders als jetzt – in 3 oder 10 Jahren mal zurück sehen können und sagen: Sooooo doof war ich ja gar nicht. Verstehst du? Dass dies auch der möglichen Ex-Lehrer-Leserschaft zu Gute kommt, ist da eher Nebeneffekt. (MIST, genau darüber wollte ich eigentlich nen Blogeintrag morgen früh schreiben. Muss ich halt doch so ne alte Geschichte auspacken…. Doof.)

          1. Das wirst du ja ohnehin sagen können, wenn du zurückschaust und über den Gewinn des Scheffelpreises stolperst.
            Aber ich kann den Drang nach Hochqualitativem schon verstehen, auch wenn ich ihn selber (wie in meinem Blog offensichtlich ist) nicht verspüre.

            Dein Blog – dein Stil.
            Le blog c’est toi.

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