Nachtgedanken zum Thema Bibel.

Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Buch der Bücher, der heiligen Schrift. Einerseits eifere ich natürlich den stumpfen Aufklärern und Richard-Dawkins-en unserer Zeit hinterher und halte dabei die Bibel für allenfalls schlechte Fantasy-Literatur. Als junger Mensch ist es fast schon meine Pflicht jedem religiösen Dogma und jedem Buch kritisch gegenüber zu stehen. Andererseits habe ich großen Respekt vor den Autoren vergangener Tage, die ihre philosophischen Gedankengänge, ihre Wissenschaftsüberlegungen und Zukunftsvorstellungen nicht anders zu vermitteln wussten, als sie als Geschichten von und mit Gott niederzuschreiben. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es nicht auch – und hier wird es tatsächlich sehr spekulativ – unter den Autoren der Bibel den einen oder anderen atheistischen oder zumindest agnostischen Gedankengang und -denker gab.

Ich glaube sogar, dass die Leute damals – zu Zeiten Jesu etwa – nicht groß anders tickten als wir. Selbstverständlich waren sie nicht von Digitaluhren begeistert oder chatteten via Internet mit Leuten in Peru, aber allzu viele grundsätzliche Erzählungen der Bibel erinnern mich an heutige Zustände. Die Geldwechsler im Tempel, die Jesus so erzürnten, finden sich heute in Form von Automaten in großen Touristen-Kirchen wieder. Für zwei Euro bekommt man da eine Münze mit der Kirche darauf – oder eine Kerze oder gar Seelenheil. Die Gedankengänge, dass eine Entwicklung der anderen folgte und den Lebewesen des Landes die des Meeres vorangingen finden sich auch in aktuellen Evolutionslektüren und im Genesis.

Selbstverständlich ist es ein Unterschied, ob ich dies nun einem höheren Wesen, welches ich zum Beispiel „Bob“ taufe, unter die Kutte schiebe, oder einer natürlichen Selektion. Beides kann und darf nicht gleichwertig behandelt werden. Die Evolutionstheorie bleibt Theorie, aber auch im Vorteil gegenüber dem für Manche „einzig richtigen“ Schöpfungsglauben. (Schon allein, weil die Evolutionstheorie nicht mehr als eine Theorie ist und so ihre Fehlerhaftigkeit anerkennt. Merke: Der Fehler des anderen bedeutet nicht immer die Richtigkeit des einen.)

Es mag vielleicht ketzerisch klingen, was ich nun schreibe, aber für allzu abwegig halte ich es nicht:

Vielleicht ist die Bibel auch nur das Opfer der falschen Verkaufsförderungsmaßnahmen. Anfangs war es vielleicht nur eine Textsammlung, die den Menschen – vor allem auch den eher Ungebildeteren – im Leben weiterhelfen sollte. Sie sollte Denkansätze bieten, Menschenrechte und Hygienevorschriften vermitteln, Hoffnung schenken. Weil man nun aber dieses weltliche, philosophische Werk zum Schlüsselwerk einer Religion erklärte, es überhöhte, „DEN HERRN“ darin sprechen ließ statt „Ich-bin-da“, weil man dick darauf „BIBEL“ und vielleicht auch „Spiegel Besteller“ druckte wurde aus einem Lebensratgeber und Ideenanstoßer ein überinterpretierter, überhöhter Texthaufen, der für jeden Blödsinn als Erklärung missbraucht werden konnte. Aus Bildern, Gleichnissen und unterschiedlichsten Gedankengängen wurde eine scheinbar eindeutige Wahrheit herausgelesen, die darin gar nicht (so) zu finden ist.
Der Fehler liegt also nicht im Glauben selbst oder der Bibel als Werk, sondern der Sturheit ihrer Interpreten.
Anders gesagt: Hätte man die Bibel nicht in die Hände und Deutungshoheiten der „falschen Leute“ kommen lassen, hätte sie noch heute die lebensspendende, vertrauenswürdige Kraft, die sie wohl einmal gehabt haben muss. Ihre atheistische Demontierung wurde nur notwendig, weil sie missinterpretiert wurde.

Und… ach… egal. Es ist spät und meine Gedanken sind wirr.

Eine Antwort auf „Nachtgedanken zum Thema Bibel.“

  1. ein kleiner denkfehler:
    die bibel musste auch an die falschen leute geraten sonst hätte sie ihr ziel verfehlt,und könnte heute keine kraft mehr spenden,
    aber immerhin in der letzten zeile kann ch dir voll und ganz zustimmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.