Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergehen.

Wir sind Helden sangen einmal „Die Zeit heilt alle Wunder“. So ungern ich das zugebe, aber Judith Holofernes und Anhang haben ausnahmsweise unrecht. Recht dagegen hat Funny van Dannen der sehr treffend in „Die Zeit“ feststellt: „Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergehen.“

Ich bin kein Mathematiker, aber soviel habe ich behalten: Es gibt die drei Dimensionen Höhe, Länge und Weite und die vierte Dimension ist … trommelwirbel … die Zeit. Es ist faszinierend, wie viel Energie wir darauf verschwenden, unsere Zeit „sinnvoll“ zu „nutzen“, wie schmerzlich uns das Altern vorkommt und als dessen Abschluss der Tod. Wie groß doch unsere Probleme mit diesem unfassbaren, unsichtbaren Medium sind. Wie große Probleme wir damit haben, in der Zeit immer nur in eine Richtung zu gehen. Dabei ist die Zeit – für sich betrachtet – eigentlich ziemlich öde. Das Universum kühlt sich ab. Mehr passiert im Grunde nicht.

Die Zeit kann fast überhaupt nichts.

Wenn wir glauben, die Zeit würde Wunden heilen, dann bedeutet das nur, dass sich – ebenso wie das Universum insgesamt – unsere Gefühle abkühlen. Der Groll, die Leiden, die Erfahrungen schwinden aus unserem Gedächtnis. Entweder, sie werden durch neues ersetzt, oder durch Neubewertungen der alten Ereignisse. Zusammenfassend: Die Dinge werden entweder gut oder egal.

Es ist jedoch nicht die Zeit, die dafür sorgt: Die Wahrscheinlichkeit in einem wachsenden Raum für die Umwertung und Ummünzung von Erfahrungen und Ereignissen ist ebenfalls wachsend. Oder treffender gesagt (und freundlicher fürs Ego): Wir verbessern unser Leben selbst. Kein Gott, kein Schicksal, keine Zeit rettet uns. Nicht die Pausenglocke. Wir machen das.

Und mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen.

3 Antworten auf „Die Zeit kann fast überhaupt nichts. Die Zeit kann nur vergehen.“

  1. Die Klarheit und die Aussagkraft dieses Texts sind beeindruckend :)

    Mich interessiert folgendes: wie beschreibt ein Mathemetiker den Prozess des Vergehens?

    Danke und Gruß,
    Bollo

    1. Er setzt Messwerte fest (etwa das Gewicht einer Schale mit Wasser) und überprüft diese immer wieder. Die einzelnen Werte setzt er mit ablaufender Zeit gleich…

      Die Zeit, die er ebenfalls als Maßeinheit benötigt, setzt er relativ willkürlich fest. In der Regel orientiert er sich dabei an wiederkehrenden Ereignissen (Tag/Nacht, Mondphasen, Sonnenwende, etc.)

      Aber, wie gesagt: Ich bin kein Mathematiker und habe keine Ahnung davon. (Wie man glaube ich auch merkt).

  2. Ach verflixt, das hab ich in den falschen Hals bekommen. Dachte du SEIST Mathematiker, die Prägnanz deines Textes blendete mich, sodass ich das „kein“ ausklammerte. :)

    Nagut, das klingt eher nach dem Vorgehen eines Naturwissenschaftler (wobei ich den Herren am CERN ganz anderes Kaliber an Beweiskraft zutraue), denn einem Mathematiker.

    Ich sehe es nämlich nicht als erwiesen an, dass Zeit jemals „erschaffen“ wurde, wonach sie ergo auch nicht vergehen könnte. Das Vergehen ist doch eher subjektiver Natur und vielleicht eher als Symptom dieser Macht, der sogenannten Zeit zu begreifen(?).
    Bei genauem überlegen muss ich gestehen, dass ich mich beim Lesen deines Kommentars etwas gekränkt fühlte, da ich das Mysterium Zeit, was immer auch dahinter stecken mag, als großen Meister vergöttere :)
    Aber wahrscheinlich war die Reduktion der vermeintlichen Potenz der Zeit ohnehin nicht abwertend gemeint (was mich nach kurzer Reflexion glaub ich och eher kalt ließe ;)) Trotzdem danke für den gegebenen Schreibreiz :D

    Viele Grüße,
    Bollooo

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