Eine Schraube

Eine einzelne Schraube liegt auf dem Sofa. Ich bin müde, obwohl ich gerade erst aufgewacht bin. Müde blicke ich sie an. Wo kommst du her, einsame Schraube? Sie antwortet nicht. Flüchtig blicke ich umher. Alles steht noch wie gewohnt an seinem Platz. Noch. Wo ist dein Zuhause? Schweigen. Ich bin mir sicher, ihr Fehlen wird bald schon bemerkt werden. Was hätte die Schraube denn für eine Bedeutung, wenn auf sie verzichten werden könnte? Andererseits, was wäre das für ein Ding, dass so dermaßen auf ein kleines, unbedeutendes Schräubchen angewiesen ist?

Wenn ein Stück Metall eine Empfindung ausdrücken kann, dann war dieses kleine Schraube traurig. Die Welt um sie herum stand noch, auch ohne ihr zutun. So war sie entweder bedeutungslos oder zumindest nutzlos, denn in diesen Minuten bedeutete sie mir sehr viel. Sie hatte nicht nur ihre Aufgabe und Heimat verloren, sondern auch jedes Wissen um gebraucht werden.

So gleich – so austauschbar – Schrauben doch wirken. Jede hat einen Platz. Jede hat Bedeutung. Eine alleine, einsam liegen zu sehen ist das wohl deprimierendste, was ich in den letzten Tagen sah.

Es verwundert nicht, das Redewendungen bei leichter Verrücktheit von „lockeren Schrauben“ sprechen. Wo diese kleine, einsame Schraube nun fehlt, ist vielleicht noch nichts eingestürzt, aber sie fehlt. Und das macht mich ebenso traurig wie sie.

7 Antworten auf „Eine Schraube“

  1. Naja, ganz nett geschrieben isses ja. ;-)

    Schule wird es ja für dich auch nicht mehr geben. Dafür die Uni. Als Student hat’s man eh besser.

    Du bist ja wieder Pro-Mitglied, du Bonzen!

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