sich zu eigen machen.

Srly?

Der folgende Gedankengang ist zu schön, als dass ich ihn aus ihrer mangelhaften Wahrheit heraus nicht niederschreiben könnte.

Ich neige dazu, in Ermangelung eigener Lebensziele, mir die Probleme von Literatur- und Filmfiguren anzueignen. Nach dem neuen „Planet der Affen“-Film fühle ich mich demnach krank und von intelligenten Affen verfolgt. Durch Fight Club fühlte ich mich von Schlaflosigkeit geplagt und habe Lust, mich zu prügeln. Nach der heutigen Sichtung von „Black Swan“ mit der großartigen (unmenschlich dünnen) Natalie Portman sehe ich mich sogar des Wahnsinns nahe.

Eigentlich könnte man diese schlechte Angewohnheit ganz gut nutzen. Würde ich beispielsweise mich in eine studentische Umgebung begeben, würde ich mich aus diesem Identitätskopierungstrieb heraus in eine Art Student verwandeln. Würde ich Superhelden-Filme sehen, würde ich mich vielleicht in einen kostümtragenden Weltretter verwandeln.

Geht es nur mir so?

Interessant wäre, ob es mir allein so geht, oder ob es ein allgemeines Phänomen ist, dass Filmfiguren die Identitäten ihrer Seher beeinflussen. Wäre dem so, so müssten durch Schockfilme die Mordraten in die Höhe schnellen und durch Liebesfilme die Geburten (oder zumindest Eheschließungen).
Interessant wäre auch, ob durch depressive Filmfiguren die Leute depressiver werden. Oder ob dank Kriegsfilmen die Menschen pazifistischer werden. Wäre dem so, könnten Wege zum Ruhm oder Full Metal Jacket den Weltfrieden schaffen. Wäre dem nicht so, könnten wir auch weiterhin nur „Klick“ und „Schokolade zum Frühstück“ sehen. Eine traurige Aussicht für alle Filmschaffenden.

Machen gute Filme aus uns bessere Menschen?

Wahrscheinlicher jedoch ist das Gegenteil: Wer einen Hang etwa zum Golfspiel hat, wird sich eher für Golffilmfiguren interessieren und sich eher mit diesen identifizieren können. Wer einen Hang zu Gewalt hat, der wird sich gerne Gewaltfilme ansehen. Dass jedoch jemand wegen Gewaltfilmen Gewalt liebt, ist eher unwahrscheinlich.

Diesen Gedankengang möchte ich noch weiter verfolgen. Also, falls ich mich nicht mit einer Scherbe aufspieße. Oder von Affen getötet werde. Oder in New York von einem Dinosaurier überrascht werde. Oder…

4 Antworten auf „sich zu eigen machen.“

  1. Ersetze Filme durch Buecher und ich stimme dir definitiv zu :) Da faellt die Identifizieren sehr viel leichter..mir zumindest..wobei man sich immer nur das aneignet, was eh schon irgendwie „passt“, eine Verwandlung findet wohl kaum statt.

  2. Aber ist nicht das wirklich positive an Filmen wie an Büchern, dass sie in unserem Kopf im Augenblick des Sehens oder Lesens Emotionen, Gedanken und Gefühle auslösen, als wären wir quasi Bestandteil der Handlung – und sobald der Film vorbei ist, das Buch ausgelesen, sind wir wieder draußen. Zumindest für den Kopf ist ein Kinofilm wie echtes Leben, nur nach dem Abspann ist es ohne Nach- und Nebenwirkungen vorbei.

    1. Wäre es darauf beschränkt, also würden Kunstwerke nur wirken, während wir sie sehen/lesen/betrachten, dann kämen wir vermutlich nicht besonders weiter. Von wegen: „Wir stehen auf den Schultern von Riesen“.

      Dass während wir einen Film sehen das Leben der Figuren durchleben können, ist ja außer Frage. Ich wollte jetzt eher wissen: Können wir uns auch verändern/verbessern, in dem wir lesen/fernsehen/etc.?

      Wenn ich nochmal darüber nachdenke, dann erscheint mir das Thema wie die Frage, ob Regen „nass“ ist. Völliger Unsinn für alle Nicht-Philosophen…. Hm.

      1. Aber wir halten uns ja nicht für Nicht-Philosophen, oder? :)

        Ich will damit ja auch nicht gesagt haben, dass es keinerlei Wirkung gibt. Nur das bei der Mehrheit aller Filme oder Bücher dieser Effekt eintritt. Natürlich gibt es a) Ausnahmen im Sinne von Kunstwerken die tatsächlich nachwirken und b) Ausnahmen im Sinne von, wir sind für die Thematik besonders empfänglich – wer an Liebeskummer leidet sollte vielleicht nicht in den nächsten Liebesfilm gehen.

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