Die goldenen Zeiten für kleine Blogs sind vorrüber.

wieder und wieder und wieder

Wenn man nur regelmäßig genug das Weltende ausruft, dann hat man irgendwann einfach mal recht. Ginge es darum, müsste man einfach immer wieder das selbe erzählen, damit man irgendwann ausrufen kann: „Ich hab es euch doch gesagt“. So richtig will ich das nicht. Aber es beschleicht mich doch manchmal ein Gefühl, dass es heute anders ist, als es früher war und ich frage mich, ob ich diese Veränderung mag.

Es ist ok, sich zu verändern.

Würde man den Wandel nicht anerkennen wollen, würde man gegen die Natur – oder eher, die Physik – handeln. Und – wie ich in meiner Schulzeit lernte – die Physik ist ein mächtiger Gegner. Zu mächtig für kleine Blogger wie mich. Der Tod lässt sich nicht aufhalten, ebenso wenig wie das Altern. Das muss auch ein so persönliches Blog wie dieses meinige betreffen. Es altert. Und das ist ok.

Abgerissen

Mit dem Alter kommt die Reue.

Heute morgen, ich war beim Arzt im Wartezimmer gefangen und verfolgte so die Gespräche von René, Johnny, Marcel und Mspro (das sind die Typen von Nerdcore, Spreeblick, UARRR und… so ein Kulturwissenschaftler. Glaube ich.) auf Twitter. Es ging um Zahnärzte und all das. Und da erkannte ich, was ich in den letzten Sechs Jahren – in denen übrigens selbige Blogger auch erst bekannt wurden – versäumt habe: Es gibt kein echtes Netzwerk mehr. Keinen Bloggerfreundeskreis.

Es gab Ansätze davon, sogar sehr gute Ansätze. Aber viele sind gegangen, haben unendlich lange Pausen eingelegt (Baltasar, verdammt, wann bloggst du mal wieder?!) oder – und das muss ich mir auch vorwerfen – wurden von mir sträflich vernachlässigt.

Johnny, René und Mspro, vor allem jedoch Marcel Wichmann haben diesen stark onlineaffinen Freundeskreis. Leute, die selbst twittern, selbst bloggen, selber Onlinemenschen sind. Letzterer führt gar seine Beziehung in aller Weböffentlichkeit. Ich selbst hab nur einen Freund, der noch regelmäßig für eine breitere Masse bloggt: Thomas Matterne. Ferner gibt es noch Tiegger, aber ich behaupte einfach mal, dass er nicht in die oberen Blog-Zehntausend aufsteigen wöllte, gerade eben, weil er es könnte. Und Flash, naja… gehört wahrscheinlich in seinen Kreisen schon zu dem bekannteren Bloggern. Ebenso wie Rotwang, von dem ich auch nur noch in einer gewissen Feierlichkeit reden kann.

Ob das erstrebenswert ist, also das TopBlogger-Dasein, steht dann wieder auf einem anderen Blatt. Und ob ich als Kleinstädter überhaupt die Chance hätte, in die oberen Bloggerkreise aufzusteigen.

Die Chance, so erscheint es mir, ist jedenfalls verstrichen. Das mag gut sein – ein Leben ohne den Anspruch, ständig was neues tolles machen zu müssen ist doch weitaus angenehmer -, aber irgendwo hätte ich schon gerne ein paar mehr Atemzüge der dünnen Bergluft genossen.

Die Leitern nach oben scheinen mir jedenfalls gekappt. Wer heute unten ist, bleibt da. Aussichten darauf, nochmal eines der ganz Großen zu werden, in einer Reihe mit Nerdcore, Spreeblick und StyleSpion genannt zu werden… hat vermutlich keines der mir bekannten Blogs. Allenfalls ein Aufstieg in die Breite Masse der vielgelesenen Blogs, aber nicht mehr in die Reihen der „Bekannten“.

Würde sich aber auch komisch anhören: Spreeblick, UARRR, Le Blog C’est Moi.

Dennoch, auch wenn die goldenen Zeiten vorbei sind, werde ich sitzen bleiben, bis der Abspann kommt.

Außerdem bin ich viel zu Blogsüchtig, um das hier jemals aufzugeben. Meinte zumindest mein persönlicher „Top Blogger“ Thomas Matterne.

7 Antworten auf „Die goldenen Zeiten für kleine Blogs sind vorrüber.“

  1. Man muss die Namen, die du genannt hast nicht wirklich kennen, oder?

    Die nächste Frage ist doch auch, ob man denn alles mögliche der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte…

  2. Ich hab irgendwie das dringende Bedürfnis mich zu bedanken … :)

    Wer heute aber noch in die Liga der Top-Blogger aufsteigen will, der muss aber entweder auch Offline bekannt sein oder sich auf ein Thema konzentrieren. Die breitgefächerten Blogs haben da kaum noch Chancen, wenn sie es denn je hatten. Der ursprünglichste Gedanke des Online-Tagebuchs ist ja längst dahin, so reizvoll er auch gewesen war. (Wobei natürlich auch wahr ist, dass ich dein Blog gerade wegen der persönlichen Note so gerne lese.)

    Ob tatsächlich die goldene Zeit des Bloggens vorbei ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist das aber auch gar nicht wichtig, solange das was danach kommt die gleichen Möglichkeiten bietet. Vielleicht sehe ich das so, weil ich schon vor dem Bloggen eine Webseite hatte, auf der ich „tms kolumne“ veröffentlicht hab, das war ja auch irgendwie schon wie bloggen. Das Blog ist ja schließlich nur ein Medium, wichtig sind die Personen, die dahinter stehen. Und wenn die einen anderen Weg finden, als über ein Blog, dann ist es um das Blog nicht schade. (Auch wenn ich persönlich da noch keine wirkliche Alternative sehen, tumblr, Facebook, Google+ hin oder her.)

  3. Ich bin stolz darauf, Kleinkünstler zu sein und zu bleiben.

    Aber ich denk auch, dass Qualität allein nicht reicht, um einen höheren Bekanntschaftskreis zu erlangen. Ich glaub, man muss sich dafür auch richtig vermarkten können, sowohl im real life als auch online. Da gehört zum Beispiel das aggressive Einladen von „Freunden“ dazu, schätz ich mal, obwohl ich das, pardon das Wortspiel, persönlich überhaupt nicht schätze.
    Auch Publikationen in Magazinen oder Auftritten bei Lesungen, Slams etc. sind sicher Wege, um Sphären hochzusteigen.

    Ob es das alles Wert ist ist ne andere Frage.

    1. Vielleicht stellen wir die Sinnhaftigkeit von „Ruhm“ – ich drück das jetzt einfach mal so grob aus – und „Erfolg“ auch nur in Frage, weil wir selbst im innersten Inneren wissen, dass wir da nie so richtig rankommen werden. (Also du vielleicht schon, ich eher weniger).

  4. Sei doch nicht immer so krampfhaft negativ. ;-) Eine Chance ist nie verstrichen. Allerdings ist es eben auch nicht leicht, Topblogger zu werden. Da muss man echt Zeit investieren, überall für sich Werbung machen (im Real-life, als auch online), etwas bieten, was es nicht schon in anderen Blogs gibt, viel und gut schreiben und eben das von dir besagte Netzwerk aufbauen. Sich richtig bekannt zu machen ist echt ne verdammt harte Kunst, gilt ja nicht nur für Blogger. Aber im Prinzip ist es nie zu spät. Sowie es ja auch im realen Leben z.B. Schauspieler gibt, die erst im höheren Alter prominent werden, obwohl sie schon länger aktiv sind.

    Wobei aber auch die Zeit scheinbar leider von so manchen Topblogs irgendwann mal vorüber ist, siehe Stylespion…

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