Am Ende gibt man die E-Mail-Adresse weiter.

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Ein bekannter Blogger beschwerte sich einmal darüber, dass ich immer noch meine über 9 Jahre alte E-Mail-Adresse bei WEB.DE nutze, die nicht nur jeden Empfänger mit Werbung belastet sondern auch gefühlt keinen Speicherplatz bietet. Oftmals gibt es auch kleine Fehler – bis hin zu gänzlichen Fehlern beim Versenden und Empfangen. Dazu kommen: Als Newsletter getarnte Werbung, der andauernde Versuch mir eine Club-Mitgliedschaft anzudrehen, teilweise recht zweifelhafte Werbebanner und nicht zuletzt die bisweilen unsinnige Auswahl von „Nachrichtenthemen“ für die Startseite. Trotzdem bleibe ich dem Karlsruher Unternehmen treu. Warum?

Ich habe praktisch gar nicht mehr mit den Menschen meiner Vergangenheit zu tun, aber ich will ihnen nicht die Chance nehmen, dies zu ändern. Wenn eine Freundschaft oder auch nur Bekanntschaft endet, dann tauscht man E-Mail-Adressen aus. Bei mir ist das seit 9 Jahren die selbe Adresse. Es gibt – dank Weiterleitungen – heuer keinen Grund mehr, alle paar Monate allen Leuten eine Nachricht zu schreiben „Dies ist meine neue E-Mail-Adresse.“ Man leitet einfach weiter und weiter und weiter.

Bei Mobiltelefonnummern ist das – noch – anders. Aber da bin ich inzwischen zu etwas anderem Übergegangen. Habe ich eine neue Nummer, behalte ich einen Monat lang in einem alten Zweithandy – ein Kumpel meint immer wieder, der Trend gehe zu selbigem – die alte Simkarte. Wer innerhalb dieses Monats versucht Kontakt aufzunehmen, bekommt die neue Nummer (und einige wenige Auserwählte, die für Notfallunsinn die Nummer haben sollten (Eltern, Geschwister, etc.)). Wer in diesem Monat es nicht versucht hat, der wird es wohl auch später nicht mehr versuchen wollen.

Das mag herzlos klingen, in Zeiten, in denen der Durchschnittsjugendliche seine 5-Minuten-Disko-Bekanntschaften jahrzehntelang als „Freunde“ in Sozialen Netzwerken mitschleppt, aber es entspricht den üblichen Entrümpelungsratschlägen: Was nicht saisonal ist (Weihnachtsschmuck, Sommerkleider) oder essentiell (tragende Wände) und nicht innerhalb eines Monats gebraucht wird, dass kann und sollte weg.

Die eine Hintertür bleibt jedoch: Die E-Mail-Adresse (und man kann mich auch googeln, glücklicherweise aber immer erfolgloser).

Wenn man so möchte lauere ich demnach in verstaubten Kellerraumkisten darauf, in soweit in die spontane Erinnerung zu treten, dass man es für nötig hält, eine alte Freundschaft, Bekanntschaft oder andersartige Beziehung wieder aufleben zu lassen.

Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Faulheit, warum man bei dem veralteten Service bleibt. Oder auch die Angst, die eine E-Mail der Jugendliebe doch zu verpassen. Einfach, weil man weitergezogen ist. So, wie das alle machen. Und sollten.

3 Antworten auf „Am Ende gibt man die E-Mail-Adresse weiter.“

  1. Als student kriegste eh ne neue… dann kannste dir überlegen von wo nach wo du weiterleitest… unis sind da idR sehr pingelig und kommunizieren mit leuten nur über die unieigene adresse…

    1. Naja, ich leite alles an meine Google-Mail-Adresse weiter (von inzwischen drei anderen E-Mail-Adressen). Von daher… Macht eine mehr den Kohl auch nicht mehr fett.

      Leitest du die E-Mail an deine Private oder an deine Uni-E-Mail-Adresse weiter? Oder überprüfst du einfach mehrere E-Mail-Konten täglich?

      1. Ich leite an meine private mailadresse weiter. Diese überprüfe ich täglich. Das ist wie früher zum Briefkasten gehen. Ich mag diese Programme nicht, die einem sagen ob man Post hat und aufblinken, wenn man ne neue Email bekommt. Ich will mehrfach am Tag neugierig gucken, ob was neues da ist… und wenns dann nur die GMX Werbung ist, die ich instant lösche… Ich mag das Gefühl der Vorfreude und Spannung.

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