Radio, Radio!

Ein gewisses Maß an psychischer Folter kann ich ertragen. Irgendwann ist aber auch bei mir Schluss. Das ist vermutlich der Hauptgrund, warum ich kein Radio höre. Scheinbar „lustige“ Morgensendungen, Einspieler und ständig die gleichen Lieder empfinde ich nun einmal nicht als Unterhaltung.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich genieße es durchaus, nicht entscheiden zu müssen, was ich höre. Ich schlage auch nicht das Radio kaputt oder zünde es an, wenn man in einer geselligen Runde den Funkempfänger anschaltet. Aber ich bin auch nicht wirklich ein großer Freund des Hintergrundgedudels, dass man heuer wieder verstärkt in Supermärkten, dem Stammfloristen und der Lieblingskneipe ins Ohr gerammt bekommt.

Tröstlich ist dabei nicht einmal der Gedanke, dass Radiomacher in der Regel einen vortrefflichen Musikgeschmack haben. Denn letztlich bedeutet dieser Umstand nur, dass eine große Masse an Radiohörern gerne Coldplay oder Unheilig hören. Und einer Gesellschaft anzugehören, die vorwiegend mitsummt, wenn einer seine Freundin durch Kriegsgebiet schleppt oder ihr körperliche Behinderungen wünscht, ist jetzt nicht gerade verlockend. Eine Gesellschaft, die solche Liebeslieder nicht nur hervorbringt, sondern durch andauerndes öffentliches Abspielen auch noch verbreitet, ist nicht wirklich besser als Kannibalen, wobei ich die Intentionen selbiger immer noch besser nachvollziehen kann, als selbige von Radiohörern.

Nun wäre ja alles kein Problem, würde durch das gemeinsam gehörte Radio nicht auch ein gemeinsamer Geschmack gebildet werden. Und ähnlich Frankensteins Monster schockiert der Radiohörergeschmack jeden, der sich schon länger als 15 Minuten mit einem CD-Kauf aufgehalten hat und dummerweise dem stumpfen Ungeheuer im Weg steht. Wer anderes hört als die 0-8-15-Radiosongs ist schnell unten durch.

Möglicherweise ist die Situation im Großstädtischen Bereich, in dem „Internet“ nicht mehr mit einer gewissen Abscheu ausgesprochen wird und wo es mehr als drei Radiosender gibt – die übrigens alle das gleiche spielen – nicht so unangenehm wie hier im eher ländlichen Raum. Möglicherweise sind Funkwellen sogar fähig, gute Musik in unsere Wohnzimmer und Autos zu tragen. Dass sie es nicht tun, finde ich zunehmend beschämend.

Und das Radio brennt.

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