Keine Perlen für die Säue.

Letztendlich ist das Kino und Fernsehen und möglicherweise das Radio die letzte Rettung für unsere Gesellschaft – eventuell aber auch unser gemeinschaftlicher Untergang. In der Massenunterhaltung steckt das Potenzial die Welt zu verbessern: Kultur, Wissen, all das lässt sich über Bildschirmmedien verbreiten und verankern. Es ist aber auch gut möglich, Unsinn, Albernheiten und Idiotie. Statt Konstruktion könnte das Fernsehen und viel bedeutender das Kino eine destruktive Kraft auf unsere Gesellschaft entwickeln.

Zwischenfrage aus der letzten Reihe:
Warum zählen Sie das Internet nicht zu den Bildschirmmedien?

Selbstverständlich nutzt man das Internet auch an Bildschirmen. Der gemeinsame Nenner in Form von Internetseiten, die jeder aufruft und Infos, die jeder kennt, ist jedoch praktisch nicht verhanden. Tatsächlich können wir das Internet zusehens so filtern, dass wir nur das mitbekommen, was unserem Meinungsbild entspricht. Konkretes Beispiel: Wer rechtsradikalen Gedanken nachhängt, der kann ganz gut durchs Internet spazieren, ohne dass er jemals auf eine ihn widerlegende These stößt. Das ist beim Fernsehen und Kino noch nicht möglich.

Kino als Weltrettungsprojekt

Mit Büchern erreicht man bedauerlicherweise meist nur eine begrenzte Anzahl von Leuten, die so oder so bereits Bücher lesen. Das selbe Problem besteht beim Internet oder Zeitungen. Letztlich wird nur gekauft, was dem eigenen Meinungsbild entspricht. Filme dagegen können unterschwellig Themen anschneiden und so Themen einem Publikum eröffnen, das bisher selbige nicht wahrgenommen hat.
Ein gutes Beispiel hierfür ist Avatar – auch wenn ich den Film ziemlich mies fand. Eigentlich geht es um Umweltschutz und das alte Thema Industriegesellschaft gegen Ureinwohnerkultur, die neue Technik und die zahlreichen Action-Szenen sowie die SciFi-Elemente haben Leute ins Kino gelockt, die sich für die eigentlichen Themen des Films nicht interessiert haben.

„Kultur? Ich will lieber was mit Action und Titten.“

Letztlich ist es jedoch so, dass sich Qualität nicht durchsetzt und wir als kleinster gemeinsamer Nenner Schrottfilme haben. Es ist die miese 3:30-Radio-Musik-Scheiße, auf die wir uns einigen. Mr. Saxobeat oder irgendwelche Techno-Rotze. Wir einigen uns auf Scary Movie, und empfinden „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als zu kompliziert. Wenn wir es nicht schaffen, unserer Kultur wieder Raum zu geben, auch Musik zu kennen, die weder in Werbung noch in überteuerten Filmen Verwendet wurde, wenn wir uns endlich lossagen von dem, was die Industrie uns für Unsinn auf den Rücken bindet… dann haben wir endlich Kants Forderungen erfüllt.

Es ist ein langer Weg, bis wir die Möglichkeiten des Kinos und Fernsehens als Massenbildungsmedium wahrnehmen können. Die Möglichkeit besteht. Aber viel zu oft schallt Tubthumping (von Chumbawamba) statt der neunten Symphonie aus den Kinolautsprechern.

Nichtsdestotrotz ist Tubthumping ein toller Song. Aber mit Bildung hat er doch eher wenig zu tun, wenn Sie mir das erlauben.

Andererseits wäre meine Welt deutlich ärmer ohne American Pie und die anderen Filme meiner Jugend. Trotzdem nervt es, wenn man in der Vorstellung von 2001 nur halb so alt ist wie der Zweitjüngste im Vorführraum.

Schaut mal mehr gute Filme, verdammt! Bringt übrigens nichts, weil meine Leser schon einen hervorragenden Filmgeschmack haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.