Du bist mir diese Lüge wert.

papaundbruder3

Ich glaube nicht, dass früher alles besser war. Ich erinnere mich noch, die Sendung ohne Namen mehrfach zitiert zu haben mit den Worten „Früher war nicht alles besser. Sie waren maximal dümmer und haben die Dinge, die sie heute stören einfach nicht bemerkt“ (sinngemäß). Heute (im Sinne von an diesem Tage) kommen mir so die Zweifel an dieser Aussage. Sie setzt nämlich voraus, dass wir dazu lernen – und das kann ich nach einer Woche an der Universität eher… verneinen. Ich fühle mich eher dümmer. Es muss also eine andere Erklärung da sein für das Gefühl, das früher etwas besser gewesen ist, als es heute der Fall zu sein scheint.

Ich glaube – jetzt, in diesem Moment -, dass wir als Gemeinschaft beschlossen haben, Kindern eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu gewähren. Egal, ob nun Krieg, Hungersnöte oder Börsencrash ist. Von den Krisen der Großen sollen die Kleinen verschont bleiben. Selbstverständlich klappt das hinten und vorne nicht, aber die Intention, auch durch bewusste Falschaussage („Der liebe Gott“ / „Weihnachtsmann“ / „Wir lieben dich“ / etc. pp.) und unbewusstes Heile-Welt-Theater (wenn ich Kinder sehe fange ich wie bescheuert an zu lächeln. Egal, wie schlecht es mir geht. Ich denke immer, dass sie noch genug traurige Gesichter in ihren Leben haben werden), man könnte fast sagen das Lügengebäude, dass wir dem Wohle der nachfolgenden Generation errichten – und sie individuell abtragen lassen – ist gut. Stück für Stück tragen sie es dann ab, wachsen daran. Weihnachtsmann, dann Träume, Liebe, Hoffnung. Jedes Kuscheltier, jedes Stück heile Kinderwelt nimmt uns das Erwachsenwerden. Aber es nimmt es uns langsam genug, als dass wir uns daran gewöhnen können (meistens zumindest).

Es ist wichtig: Die Lügen, die Betrügereien, das Theater. Die Welt ist nicht gut und die Menschen sind schlecht. Aber man darf das erst später lernen. Kinder sollten nicht verbittern. Jeder sollte wenigstens ein wenig Unbeschwerte Zeit in seinem Leben haben. Und ich bin bereit – wenn auch nicht für die eigenen Kinder, doch zumindest für die Kinder meiner Umwelt Lasten mitzutragen, um Ihnen eine so heile Welt vorspielen zu können, wie ich sie hätte erleben wollen.

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