Selbstgebackene Kekse sind immer vergiftet. Und ich möchte bitte kein Wasser mehr. Danke.

Ich habe ja so meine Probleme mit der einen oder anderen gesellschaftlichen Norm. Nicht, dass ich deshalb die Gesellschaft oder die Norm in Frage stellen wöllte, ich meine nur, dass ich mir vor allem mit der Erfüllung selbiger Norm immer ziemlich schwer tue.

Christbaum

Eine dieser Normen ist für mich eine eher unangenehme. Das heißt, an sich ist sie gar nicht so unangenehm. Ihre Bezeichnung „schenken“ geht – wenn ich mich nicht komplett irre – auf das Bild des Wassers zurück, dass aus einem Krug beispielsweise in ein Glas geschüttet wird, beziehungsweise im eigentlichen Sinn nur das Schräghalten des Kruges, welches mit dem althochdeutsche Verb „skenken“ bezeichnet wurde. Man sagt noch heute „ausschenken“. Gemeint ist „jemandem etwas ohne Entgelt geben, das er behalten kann“¹

Jedenfalls erhalte ich von Zeit zu Zeit von Freunden Geschenke. Weihnachten ist dazu ein beliebter Termin. Nun. Ich kann damit nicht gut umgehen. Aus Gründen.

Folgende: Mein Ego ist bei weitem noch nicht so groß wie Marcel Grinchmanns und aus irgendeiner gestörten Kindheit heraus glaube ich, dass es eine nicht optionale gesellschaftliche Konvention sei, Geschenke mit Geschenken zu erwidern. Das dies nicht stimmt sei mal dahin gestellt: Jedenfalls folgt bei mir auf Freude meistens ein äußerst schlechtes Gewissen, weshalb ich ungerne beschenkt werde. Manchmal werde ich auch regelrecht paranoid und frage mich, was Leute dazu treibt, mir etwas zu schenken. Ist es ein schlechtes Gewissen, der gleiche Irrglaube an eine gesellschaftliche Konvention oder versuchen sie gar mich zu manipulieren? Getreu dem Lehrsatz Homo homini lupus ignoriere ich dabei auch die Möglichkeit, dass Leute schenken könnten, weil sie es möchten. Gar, mir etwas gutes möchten.

Eigentlich glaube ich fest daran, dass Menschen mir – auf Grund ihres Wissens um meine großen Schwierigkeiten bei der Erfüllung selbiger Norm – einfach nichts mehr schenken. Leute, die es dennoch tun erhalten manchmal unverschämt lange Briefe² oder irgendwelche scheinbar einfallslose Buchbestellungen.

Ich sehe es aber so: Wenn Menschen beispielsweise bei Amazon einen Wunschzettel hinterlegen, so ist man vom Zwang befreit, irgendwelchen Duschkram oder Dekorotz zu verschenken, der am Ende sowieso irgendwo verstaubt. Man kann schenken, was wirklich gewünscht wird, und macht damit eine Freude ohne Gefahr zu laufen, ausgerechnet das zu verschenken, was nicht gewollt wird. Im Bilde des schrägen Kruges ist der Wunschzettel das Aussprechen von Durst.

Und deshalb habe ich gerade für eine wundervolle junge Dame bei Amazon ein meines Eindrucks nach gutes Buch bestellt. Von Ihrem Wunschzettel.

„Wie unpersönlich.“³


1 Anno Nym: Schenken. In: Wikitionary. Milchstraße 2011.
2 Bezieht sich auf eine ehemalige Schulfreundin (wir sind immernoch befreundet. Nur die Kategoriesierung „Schul-“ stimmt nun nicht mehr). Ich erhielt zuvor ein riesiges Paket von ihr – worauf ich mit einem 23-Seiten Brief reagierte – worauf sie dummerweise mit einem Adventskalender aus Ritter-Sport-Schokolade konterte. Nun wäre ich am Zug, bin aber so dermaßen einfallsbefreit, dass ich es bisher sogar versäumte, die vierundzwanzig einzeln verpackten Ritter-Sport-Mini-Scholoaden zu öffnen.
3 „Fick dich, sie freut sich bestimmt. Es ist nicht soooo persönlich wie ihr Geschenk – schätze ich mal – aber es geht um den Gedanken dabei. Und selbst wenn es nur mein Gewissen beruhigt – und das Buch wirkt echt ziemlich gut -, dann kann ich mich nun wenigstens vernünftig über ihr Geschenk freuen. Und es nächstes Jahr nochmal probieren. Wobei… eigentlich verpasse ich jedes Jahr die letzte Möglichkeit, um noch ein Geschenk zu verschicken.“

8 Antworten auf „Selbstgebackene Kekse sind immer vergiftet. Und ich möchte bitte kein Wasser mehr. Danke.“

  1. Weil ich das wusste, ist in dem Geschenk ein Wunsch inkludiert, was du nächstes Jahr schenken kannst :P

    (Und wirklich persönlich isses auch nich, ich weiß ja kaum was von deinem Leben)

    1. Aber ich blogge wenigstens noch, so dass du dich daran grob orientiert haben hättest können (ich hab noch nicht reingesehen, weshalb das jetzt vermutlich Mumpitz ist)

      Wie sieht dein Leben gerade so aus? Wie ist das Studium? Dein Privatleben? Wie ist die Berliner Luft? Wie geht es dir? Erzähl doch mal.

      1. Aufgrund von 2 Vorträgen sowie 5 Personen mit Morae testen (wozu ich morae lernen muss und sich überschneidende Termine finden) derzeit wenig lust was außeruniversitäres zu tippen… lebens up dates also erst im Februar (Falls bis ende Februar nicht geschehen… erinnern).

        Mich erheitert das Buch und zum ersten Mal komme ich auch in eine Art Lesefluss bei einem englischen Nicht-Fachbuch. Das gefällt mir. Obwohl man bei einem Buch das aus Emailwechseln und Artikeln Länge: < 1 Seite eigentlich keinen wirklichen Lesefluss erwarten würde. Gegenfrage: Wie/Was gefiel dir an meinem Geschenk und was soll ich nächstes Jahr weglassen/wiederschenken?

        1. Insgesamt war ich hocherfreut.

          Die Ragecomics haben direkt ins Schwarze getroffen und das Buch „All my Friends are dead“ hatte ich schon für meinen Bruder bestellt. Schön, dass ich selbiges jetzt auch habe. Den Mensa-Salz-und-Zeugs-Spender landet noch an meiner Unitasche. Der Mini-Wecker ist super und das andere „Zeugs“ kann man auch immer brauchen. Einziger Kritikpunkt: Comic Sans. Auf der Nachtmaske. Warum nur Comic Sans?….

          Eins noch …

          … Wie soll ich „Blogadventskalender“ verstehen?

  2. Ah, wie interessant!
    Welch wunderbare Herausforderung uns unsere wunderbare Gesellschaft beschert. Wenn man schon so viel hat und sich, unter gewissen Voraussetzungen, zu fast jedem Zeitpunkt alles kaufen kann, was man will, wird es schwerer sich über Geschenke zu freuen. Gesteigert wird dieses Unvermögen noch, jedenfalls bei mir, von der Erfahrung das mich der Besitz der Dinge nicht so glücklich macht, wie ich es mir vorher vorgestellt hatte. Es stimmt Vorfreude ist die schönste.
    Ich halte auch nicht soviel davon, nur einmal im Jahr nett zu einander zu sein oder jemanden eine Freude zu machen (z.B. etwas zu schenken), man kann das doch auch auf das Jahr verteilen. Ergibt für mich mehr Sinn in unserer Überflussgesellschaft.
    Da ich es nicht so mit nicht optionalen gesellschaftlichen Konventionen habe und diese gern mal herausfordere. (Ich bin halt leider ohne Betriebsanleitung auf diese Welt gekommen!).
    So habe ich angefangen verschiedene Möglichkeiten durchzuprobieren. Ich habe versucht mir nichts zu wünschen und nichts zu schenken. Trotzdem habe ich mich wenn die anderen ihre Geschenke aufgemacht haben, immer noch irgendwie nicht zufrieden gefühlt obwohl ich das bekommen habe, was ich wollte – Nichts. Also kaufe ich mir meine Geschenke selbst. Da ich mich nicht schlecht fühlen will wenn mir jemand was schenkt und ich nichts geschenkt habe. So entsteht ein ökonomisches Ungleichgewicht in der Zahlungsbilanz. Das will ich auch nicht.
    So scheint mir bis jetzt der Wunschzettelansatz als der für mich akzeptabelste. Vielleicht kann ich ihn modifizieren und das Geld beilegen.

    1. Alles kaufen stimmt so auch nicht. Aber mit den finanziellen Mitteln, die man hat möchte man dann doch lieber sein eigenes Leben – und damit eben auch die eigene Habe – gestalten und nicht anderen Leuten aufdrängen, was sie nun zu besitzen haben.

  3. Nun, es gibt aber auch die andere Seite. Vor ein paar Tagen hab ich einem guten Freund eine Kleinigkeit zu Weihnachten geschenkt, obwohl ich wusste, dass er nichts haben dürfte und ziemlich sicher bin, das seine Gedankengänge bestimmt genauso sein dürften wie deine. Was dann bei mir wieder ein schlechtes Gewissen ausgelöst hat und die Frage, ob ich das ganze doch lieber bleiben lassen sollte (Was auch immer ich dann mit einem römische Mühle-Spiel anfangen sollte.)

  4. Weihnachten etwas zu verschenken oder geschenkt zu kriegen geht mir auch immer auf die Nerven. Insbesondere meine doch eher konventionelle Familie macht mir immer ein ultraschlechtes Gewissen, wenn ich dann tatsächlich, wie dieses Jahr zum ersten Mal, völlig ohne was dastehe.

    Ich mag Geschenke, wenn sie spontan und ehrlich sind, am besten sinnlos und eine nette Geste. Manchmal schenke ich Leuten irgendwelche kleinen Zeichnungen(in der Qualität wie von ner 5-Jährigen) oder Minibasteleien oder ne Kiste in ner Kiste in ner Kiste oder sowas. Sowas zu verschenken macht mir Spaß. Wenn ich Jemandem etwas „Richtiges“(Großes,Nützliches) schenke, dann denke ich immer, wenn die Person das wirklich gewollt hätte,… hätte sie es doch längst selbst gekauft.

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