In Time sind 109 Minuten Lebenszeitverschwendung.

Machen wir es kurz: In Time – Deine Zeit läuft ab ist ein schlechter Film. Die Schuld möchte man in erster Linie nicht bei den Schauspielern suchen.  Der halbgar bezaubernden Amanda Seyfried und den zu oft gesehenen Musikvideo-Blicken von Justin Timberlake ist hier kein Vorwurf zu machen. Es ist auch nicht die so breitgetretene Guter-Mensch-Parole, die Timberlakes Rolle von Sekunde zu Sekunde auskotzt oder die moderne Welt-Klischees, welchen diesen Film so unsehenswert machen.

Tatsächlich störend ist das zu offensichtlich zusammengestohlene in diesem Film. Die Arm-Lebenszeit-Uhren erinnern zu sehr an „Flucht ins 23. Jahrhundert“, die ganze Frau-Mann-Liebes-und-Diebstahl-Geschichte erinnert zu sehr an Bonnie und Clyde, die Kamerafahrten, die Verfolgungsjagten, die Autos, die Bettszenen, die Uniformen der Polizisten – offensichtlich eine NS-Anspielung -, die Spielszenen, die ganze, verdammte  Zukunftsvision – erste Assoziationen sind hierzu wohl 1984 (die Überwachungsanlagen) und Brave New World (nach Status aufgeteilte Städte) -, bis ins kleinste Detail erinnert alles an andere Geschichten und wirkt so im Ganzen völlig deplaziert.

Warum bereue ich dennoch die 7 (in Worten: SIEBEN) Euro für diesen Kinobesuch nicht? Weil In Time auf mir bisher neue Weise die Geldproblematik vorführt. Inflation und die Erhaltung des Geldsystems sorgen für die Erhaltung des Systems. Menschen in Armut arbeiten und haben keinerlei Möglichkeit, gegen das System etwas zu machen. Durch Schulden werden sie letztlich in ihrem Status gehalten. Wer nicht mehr mithalten kann im Arbeitskampf – und diese Konsequenz verdeutlicht der Film durch die direkte Verknüpfung von Lebenszeit und Vermögen sehr deutlich – stirbt. Moral also: Eine Klassengesellschaft existiert nur auf Kosten der Leben ihrer untersten Klasse.

Zumindest denkt man, man könnte wegen des tieferen gesellschaftskritischen Inhalt sein Geld noch nicht ganz vergeudet wissen. Anstatt diese Deutungsweise jedoch als kleinen Lichtschimmer zu betrachten, welcher den Film doch nocht gut machen könnte, kotzt er das lauwarme Kinopopcorn einem direkt wieder ins Genick, in dem er jeden kleinen Schimmer eines möglichen Diskurses mit übertriebenem Phatos und übelster Hollywood-Pampe hinwegspült. So erweitern etwa die Protagonisten stets in allerletzter Sekunde ihre Lebenszeit und tun das mit solchen übertriebenen amerikanischem Kino-Holzhammer, dass auch der letzte Eisenherzträger merkt, dass diese Szene nun hoch emotional sein sollte.

Letztlich möchte ich nicht nur meine sieben (!) Euro zurück, sondern auch die 109 Minuten Spielzeit.

16 Antworten auf „In Time sind 109 Minuten Lebenszeitverschwendung.“

  1. Generell verbuche ich schlechte Erlebenisse unter der Kategorie „Erfahrungswert“.
    Da du mit deinem Bericht jetzt aber Andere warnst und sie so davor bewahrst ihr eigenes Geld zu verschwenden, wenn sie sich überlegt hatten, dass der Film doch interessant klingt, könntest du das sogar noch unter „Gute Tat“ verbuchen^^
    Vielleicht ist es dann ja nicht mehr allzu sehr: Lebenszeitverschwendung.

  2. Och, ich fand den Film eigentlich recht unterhaltsam. Nettes Popcorn-Kino, obwohl ich kein Popcorn hatte. 6,5 von 10 Punkten. :-) Und Mission Impossible 4 soll besser und sogar ziemlich gut sein, so von wegen überraschen selbstironisch und so.

    Und nein, mag Filme in denen viel rumgeballert wird, ansonsten auch nicht so. Hab grad erst gestern „Ziemlich beste Freunde“ gesehen, der ist ziemlich gut.

    1. Ja, der Film ist ok. Popcornkino halt. Aber wenn ich überlege, dass ich für die 7 Euro einen ganzen Haufen großartiger Filme hätte sehen können… dann bereue ich die Entscheidung schon, selbigen gesehen zu haben.

  3. 7 Euro gehen ja noch, samstags zahlt man mehr. Mit Überlänge kratzt man da schon an den 10 Euro, mit 3D-Zuschlag dürfte man schon drüber liegen, weswegen ich noch nie ein Film in 3D geguckt hab. Das ist dann echt schweineteuer. Deswegen geh ich so ungern samstags ins Kino. Bin ich nicht reich genug für, dass das mir nichts ausmacht.

  4. ist keinem von euch der Logikfehler aufgefallen,
    das die zeit zwar auf sehr vielen Uhren abläuft, aber nirgens herzukommen scheint, apokalyptisch!
    zumal es den spruch wiederlegt:“für die unsterblichkeit einiger müssen viele sterben.“

    1. Wieso? Jeder, der 25 (?) wird, hat doch ein Jahr auf seiner Uhr, mit dem er Sachen kauft usw? Und die Zeit, die damit eingenommen wird, wandert in die Arme der Leute, die Sachen verkaufen?

  5. ja schon aber damit einer ewig lebt, müsste woanders jedes Jahr einer der grad 25 wird sterben und da die reichen sehr viel zeit auf ihren uhren haben, müsste dieses verhältniss sogar noch steigen. das hätte aber unweigerlich die folge das in den ghettos fast nur unter 25 jährige leben, davon kann aber im film keine rede sein. außerdem: reduzieren wir die erde doch erst mal auf eine familie,damit sowohl vater als auch mutter von der zeit der kinder leben könnten müsste die mutter jedes Jhr 2 Kinder gebähren, da eine Mutter aber 9 monate schwanger ist und 9+9>12 ist,geht das nicht auf, (+ singels und den unterhaltskosten erst recht nicht)

    1. Das stimmt natürlich. Wenn es nur das Geld gäbe, dass durch neue Menschen reinkommt, dann wäre das so. Es gibt aber zudem eine Zentralbank (zumindest gehe ich davon aus, dass dieses riesige Gebäude am Ende die Zentralbank ist) und außerdem vermute ich, dass bei Einführung einer solchen Währung jeder mehr bekommen würde, als lediglich das eine Jahr.
      Das manche also große Mengen Zeit anhäufen können deutet entweder auf ein sehr lange bestehendes System hin, oder darauf, dass diese irgendwie manipulieren.

  6. ich bin am ende davon ausgegangen das das große gebeude nur eine Bank für reiche ist.
    es ist aber auch möglich das das system erst sehr kurz besteht, was aber zur folge hätte, das es nicht mehr ewig besteht.
    und das die Zentralbank geld verteilt, wird im Film nicht einmal angedeutet.

    1. Könnte durchaus sein. Man müsste vielleicht das Drehbuch beziehungsweise die Vorlage sich mal ansehen, um herauszufinden, ob der Film nur ungünstig zusammengekürzt wurde, oder ob er in sich tatsächlich unlogisch ist.

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