"Die gewählte Rufnummer ist zur Zeit nicht verfügbar."

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Öfters landen übele Beschimpfungen auf der Mailbox meines Mobiltelefons (Abb. entspricht nicht meinem Mobiltelefon), schlicht, weil ich mangels Netz oder Zeit Anrufe verpasse. Ich halte das nicht für schlimm, schließlich kann und sollte niemand von anderen erwarten, immer erreichbar zu sein (Feuerwehr, Polizei und Selbstrufhotlines mal ausgenommen). Offenbar erwartet aber zumindest ein Teil der Menschen meines Umfeldes, dass ich immer erreichbar bin.

Haben sich die Leute vor 20 Jahren auch so aufgeregt, wenn jemand nicht an sein Festnetztelefon ging? Ich glaube, Wut auch fernmündlich oder gar digital zu übertragen, hat unsere Gesellschaft zumindest schwieriger gemacht. Dies wurde aber erst möglich – weil man sich Fremden gegenüber immer noch ein bisschen besser verhält als den Leuten, die aufgrund von Blutverwandschaft gezwungen sind, einen auch nach den übelsten Geschichten zumindest zuzunicken – durch die Abschaffung der „Dame vom Amt“. Eine Technologiesierung hat uns dazu gebracht, dass wir nicht mehr mit Menschen reden, sondern Bändern. Das mag wütend machen, dennoch halte ich es für unangebracht. Zumal die Themen meist äußerst banal sind, die zu übelsten Mailbox-Beschimpfung ausarten. Aber, dahin wollte ich gar nicht.

Vermutlich sorgen die Verheißungen der digitalisierten, vernetzten, mobilen Welt dafür, dass wir die Erfahrungen, dass es manchmal nicht funktioniert, als viel schlimmer und feindlicher betrachten, als wir die Situation sehen würden, wenn wir diese Kommunikationskanäle überhaupt nicht hätten. Stellvertretend für alles andere: Die Werbung hat uns großartige, besondere Errungenschaften – für deren Funktionieren wir jedes mal dankbar sein sollten – als „normal“ verkauft und so die eigentlich völlig selbstverständlichen Schwierigkeiten – kein Netz, kein Bock, keine Aufmerksamkeit – als kleine Weltuntergänge betrachten.

Auch, wenn ich also den Frust logisch nachvollziehen kann, so möchte ich doch kein Verständnis dafür aufbringen. Wer mit mir etwas machen will, mich aber in 48 aufeinanderfolgenden Mailbox-Nachrichten aufs übelste beschimpft, sollte nicht erwarten, dass ich seinem Angebot folge.

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