Greg findet es ok, dass ich nicht immer so gut handele wie er.

Die Alliteration Good Guy Greg steht für ein Positivbeispiel (zwischen)menschlichen Verhaltens. Das Foto des jungen Mann mit Joint im Mund, blauem Polohemd, beginnender Glatze und einem so unglaublich überzeugenden Lächeln ist – zusammen mit einem vorbildlichen Handeln geschrieben in weißem Text – vermutlich Grund für die moralistischten Gedankengänge, die sich in meinem Kopf seit langem angesammelt haben.

Die Figur Greg – die Quelle des Bildes ist ebenso unbekannt wie die Person, die tatsächlich abgebildet ist – ist zu einem Meme geworden mit dem Potenzial die Welt zu retten. Zumindest könnte Greg dazu beitragen, dass ich mich freundlicher verhalte. (Das werde ich mir jedenfalls ins Zimmer hängen.)

Solche Bilder-Memes sind aus zwei Gründen interessant. Erstens könnten Sie – nachdem durch Digitalkameras und Kamera-Mobiltelefone der Photograph an Bedeutung verloren hat – die bedeutsamen Bilder unserer Generation werden, also etwas, was man in 100 Jahren betrachtet und sagt: Das war der Anfang des 21. Jahrhunderts. Die zweite Komponente finde ich bedeutend interessanter: Diese Bilder sind auch eine Form von Sprache. Zuerst gibt es einen „Begriff“, der immer weiter mit Inhalten gefüllt wird – so dass letztlich Good Guy Greg genau die Eigenschaften zusammenfasst, die wir uns von einem guten Menschen erwarten -, und treffende Umschreibungen werden hochgevotet, während okassionelle Wortbildungen, die zwar verständlich sind, aber nicht so viel Verwendung finden, als dass sie ein eigenes „Wort“ erhalten würden – wie die Mischung aus Scrumbag Steve und Good Guy Greg (für jemand, der zugleich gut und schlecht ist; vgl. Quickmeme) – ein Nieschendasein pflegen. Mit der Zeit bilden sich dann nach dem Vorbild Gregs weitere Verwendungen des „Guter Mensch“-Charakter, etwa die Haustiere Good Dog Greg (vgl. Quickmeme) und Cool Cat Craig (vgl. Quickmeme, man beachte die phonetische Ähnlichkeit von Greg und Craig und die erneute Alliteration.)

Letztlich führt uns Greg zu der Frage: Was ist das richtige Verhalten?

Beachtet werden sollte, dass „richtig“ in diesem Zusammenhang stark von der Bezugsgruppe abhängt, die dieses „richtig“ definiert. Der kiffende (?) junge Mann ist sicherlich kein Idealvorbild für junge Menschen oder das, was ältere Menschen oder Angehörige anderer Kulturen als „gut“ erachten. Für die Gruppe der jungen Erwachsenen scheint er dagegen ein Idealbild eines guten Freundes zu beschreiben, den jeder kennt, und der uns zugleich unsere eigene moralische Schwäche zeigt und dankbar werden lässt, weil er gut ist, ohne etwas dafür zu erwarten (s. a. Cool Cat Craig).

Irgendwie – und ich schreibe diese Worte mit größter Vorsicht – sind diese Meme-Figuren wie Greg eine Art Identitätsbringer, ein gemeinsames Wertesystem für die Internetgesellschaft. Nicht ein „ehrenwerter Mann“ oder jemand von „Hohem Rang“ sind unsere Vorbilder, sondern die Figuren, die Stereotypen, die ganz viele Menschen aus der Erfahrung mit unheimlich vielen anderen Menschen heraus gemeinsam erschaffen.

Diese „Kultur ohne Schöpfer“ gleicht dabei am ehesten der Entwicklung von Sprache, als die ich sie auch betrachten und hinterfragt wissen möchte. Ich glaube, Memes als Form von Sprache können die Welt verändern, weil sie unser Denken verändern können. Vermutlich wäre es unsinnig, sich WWGGGD?-Stoßstangenaufkleber an seinen Vorstadt-Geländewagen zu heften, aber vielleicht genügt es, wenn man sich daran erinnert, dass es auch gute Menschen gibt – und man sich dann fragt, warum man selbst nicht öfters so ist.

Mich jedenfalls regt Greg an, mich anders zu verhalten – und wenn ich es nicht tue, hoffe ich, dass mich eine (innere) Stimme ermahnt.

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Übrigens überlegte ich lange, ob ich nicht noch eine dumme Frage ans Ende stellen soll, damit Sie wissen, dass sie hier gerne kommentieren dürfen, aber dann dachte ich: Greg würde Ihnen die freie Wahl lassen.

3 Antworten auf „Greg findet es ok, dass ich nicht immer so gut handele wie er.“

  1. erst wollte ich aus protest nicht kommentieren, aber dann war ich good girl duda…

    ich finde einige memes und auch manche rage faces sehr gewöhnungsbedürftig… zB ist das me gusta face das hässlichste der welt und ich kann es niemals wirklich mit etwas schönem verbinden.

    genauso finde ich, dass greg aussieht wie die personifizierung eines deppen, mit dem ich mich nicht eine minute unterhalten möchte. er wird für mich nie wirklich good guy greg werden.

    abgesehen davon, finde ich die idee, dass „unsere generation“ sich ein eigenes vorbild und werte system durch sowas wie memes schafft eine schöne vorstellung. Aber zu viele „unserer generation“ wissen leider nichtmal was ein meme ist.

    zum abschluss eine dumme frage, damit du weißt, dass du gerne auf diesen kommentar antworten darfst:

    when does the narwhale bacon?

    1. At midnight?

      Ich kann durchaus verstehen, dass du den Typen jetzt nicht symphatisch findest (die meisten Ragefaces und Memes sind auch nicht so mein Fall, andererseits finde ich die Cool Cat Craig schon ziemlich cool und bin allgemein ein Fan alternativer Kommunikationsformen…), dennoch verstehst du wie selbstverständlich, was damit gemeint ist, egal, ob du den Ansatz davon teilst oder nicht…

      Ich vermute eh, dass der Begriff „Unsere Generation“ schon immer etwas sehr begrenzte war und durch das Internet und all seine Möglichkeiten noch mehr differenziert wird… und so.

      Ich bin ein bisschen betrunken, deshalb gibt dieser Kommentar vermutlich wenig Sinn. Sorry.

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