Wie wenig man schafft, wenn man soviel machen könnte.

Es ist ein altes Problem, aber ich glaube, dass ich es mit Vielen teile. Die Menschen meiner Zeit sind so gehetzt von ihren Uhren, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen, wenn sie mal nicht die peitschende Uhr im Rücken haben.

To DoSymbolbild: Voller Terminkalender.

Manchmal… unvorhergesehen… hat man Zeit. Wie aus dem Nichts wird man aus einem völlig überfüllten Terminplaner hinausgeworfen und hat – so mir nichts, dir nichts – Zeit. Nicht viel, aber doch tageweise. Weil man aber zuvor zu vollen Kalender-Zeiten kaum Zeit hatte, auch nur Durchzuatmen, ist man mit dieser freien Zeit so gänzlich überfordert. Also macht man die eine oder andere Kleinigkeit, geht mit Freunden ein Bier trinken, arbeitet an dem einen oder anderen Projekt, kauft ein, raucht und sitzt in öffentlichen Verkehsmitteln. Nach langen, übervollen Stunden sitzt man dann des Abends daheim – ich trinke beispielsweise gerade eine Flasche Club-Mate, die mich eine ganze Stunde Fahrzeit in der Beschaffung gekostet hat – und stellt erschrocken fest, dass man eigentlich gar nichts geschaffen hat. Vielleicht sitzt man sogar vor einem Computerbildschirm und schreibt sinnlose Zeilen über sinnlose Stunden und beginnt sich langsam zu fragen: Warum bin ich mit der wenigen mir gegebenen Zeit – seien wir ehrlich, bei meiner Lebensart kann ich nicht auf ein langes Leben hoffen – so verschwenderisch?

Aber halt: Es wäre unangebracht, anzunehmen, an Tagen mit viel Arbeit sei ich geschäftiger. Tatsächlich gibt es nur ein paar Stunden jedes Jahr, in denen ich tatsächlich arbeite. An denen tatsächlich Leistung aus meinem Kopf in die richtigen Bewegungen meiner Finger übergeht und so Dinge kreiert werden von Wert. Nachhaltigem Wert.

Ich will mich nicht falsch darstellen: Ich mache eine ganze Menge und bin auch alles andere als faul unproduktiv. Ich möchte mir auch nicht vorwerfen lassen, ich sei denkfaul oder kommunikationsverdrossen. Aber ich muss mir sehr wohl den Vorwurf gefallen lassen – mehr noch, ich muss ihn als wahr annehmen -, dass ich nur mit sehr weniger Zeit meines Lebens tatsächlich Bedeutsames schaffen kann. Vielleicht einer von 1000 Blogeinträgen hier, ein Tweet, ein Lächeln auf den Lippen eines Fremden, ein Kuss, ein neuer Gedankengang, etwas neu verstehen. Menschen entwickeln sich sehr langsam. Ich entwickele mich sehr langsam. Daran kann man nichts ändern. Und das möchte ich auch nicht.

Es ist nur auffällig und ich möchte es für mich in einen Rahmen passen, der mich diese Zeit – in der ich scheinbar sinnlos in einem Bus durch die Gegend fahre, um Hipster-Eistee zu kaufen etwa – nicht als sinnlos und verschwendet ansehe. Deshalb behaupte ich (ohne Beleg, versteht sich): Sinnlosigkeit ist der Anlauf für denn Sinn-Weitsprung.

Wichtig ist halt, dass man irgendwann zum Absprung kommt.

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