Dreh die Mukke auf dem Handy auf. Wir wollen es ganz laut!

Es ist doch interessant wie sich die Sichtweisen ändern. Jugendliche allgemein erschienen mir immer als Störfaktor – selbst als ich einer war -, und wenn diese Heranwachsenden Hormonschleudern zu ihrem Übel der Existenz auch ein Mobiltelefon mit sich trugen, welches in vollster Lautstärke die Umwelt mit ihrer „Musik“ beschallte – man sollte eher „verstrahlte“ sagen – dann war dies für mich ein GAU. Im Strahlenanzug hätte ich diese Gören – zumeist Fraktion „Ich bin viel zu cool für diese Gesellschaft“ – am liebsten verdroschen.

Heute – im Alter von 21 Jahren – habe ich diese Abneigung abgelegt. Nicht, dass sich die Musik der jungen Leute jetzt nicht mehr anhören würde, als scheiße mir jemand direkt ins Ohr (vgl. South Park: Getting old), aber ich glaube eine Motivation dahinter zu begreifen. Dafür muss ich ein wenig ausholen.

Jung sein ist scheiße. Niemand weiß so richtig, wie das ist, aber alle haben etwas dazu zu sagen und so richtig wissen, was der richtige Weg ist, kann entweder niemand oder man glaubt diesen Leuten mit seinem Hormonvernebelten Hirn einfach nicht. Man trifft also auf genau drei Dinge: Leute, die einem Müll vorsetzen und versuchen einen fertig zu machen. Daneben die eigene individuelle Planlosigkeit und Verwirrung und als drittes Rollenvorbilder – Serien- und Romanfiguren, Jugendliche die in Liedern besungen werden, all das eben -, die in der Regel von Leuten geschaffen werden, die sich lediglich vorstellen, wie es sein könnte, Jugendlich zu sein, aber dies nicht mehr wissen können, weil sie es nunmal nicht mehr sind. Ersteres ist unbrauchbar, weil niemand – insbesondere kein Heranwachsender – gerne streitet mit Eltern und der Erwachsenenwelt. Zweites ist unbrauchbar, weil es nur noch mehr Verwirrung stiftet. Lediglich die fiktiven (!) Jugendlichen in Medien und Kultur – die allesamt von Nicht-Jugendlichen geschaffen werden – dienen als Orientierungshilfe. So könnte es sein, wenn man jung ist. So könnte meine erste Liebe sein, so könnte es sein, wenn ich Freunde treffe, so könnte es sein, wenn ich durch die Gegend laufe.

Am prägendsten für Jugendlichen dieser Tage sind die Bewegtbild- und Bildschirmmedien, also vor allem Kino, Fernsehen und Internet. Die fiktiven Figuren werden zu Rollenvorbildern, die Erlebnisse und Ereignisse der Fernsehwelt werden zu Vorbildern für das, was man real zu erleben sucht. Zu (fast) jedem Film gehört auch eine breite Auswahl an Musikstücken und genau hier kommen wir zu meinem Meinungswechsel.

Bisher verstand ich laut aufgedrehte Handymusik immer als geräuschliche Umweltverschmutzung. Heute habe ich verstanden, dass es um etwas anderes geht. Die Jugendlichen mit ihrer Handymusike teilen mittels dieser Musik ihrer Umwelt Informationen mit, beispielsweise die Befindlichkeit. Es handelt sich also nicht um einen anarchischen, die Ordnung ablehnenden Akt der Gesellschaftsunterwanderung mittels Lärm, sondern es ist ein kommunikativer Akt. Die Handymusik-Jugendlichen lassen uns an ihrem Lebensfilm teilhaben. Als Komparsen und Zuschauer.

Ob wir das wollen oder nicht.

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