THE BLOG OF LOVE (1/117)

The book of love is long and boring / No one can lift the damn thing /
It’s full of charts and facts and figures / And instructions for dancing but /
I… I love it when you read to me / You… You can read me anything

So singen The Magnetic Fields und Peter Gabriel abwechselnd in meine Ohren. Irgendwann kaufe ich mir ein dickes Buch und fülle es mit meinen Erinnerungen, Gefühlen und Gedanken. Bis dahin sollte dieses Blog dafür taugen und die einzelnen, kleinen Notizbücher, die ich ab und an fülle.

Eigentlich wollte ich eine Kritik an einem Blogeintrag in einem feministischen Blog hier veröffentlichen. Der ausgedruckte Texte liegt korrekturgelesen und mit Anmerkungen vor mir und eigentlich wäre es angebracht, ihn hier einzustellen, weil ich glaube, dass er etwas sehr wichtiges aussagt, was ich loswerden muss. Andererseits steht es mir nicht zu, jemanden zu kritisieren.

Zu sehr beschwert sich mein Magen, zu sehr habe ich das Gefühl, mich über die Tasten übergeben zu müssen, zu sehr friert es mich und zu sehr umspült mich ein Klima der gesellschaftlichen Kälte. Ich befürchte einen Bildschirmsonnenbrand und ernste Bauchkrämpfe. Deshalb an dieser Stelle ein anderer – ziemlich schlechter – Text, der seit nun schon über einem halbes Jahr auf meinem Desktop als blog of love I.txt auf seine Veröffentlichung wartet (entstanden ist er im Dezember 2011) und der auch angestoßen wurde durch dieses gottverdammt-wunderschöne Lied.

Vielleicht mache ich eine Reihe daraus. Alte wieder ausgegrabene Texte oder besser noch, kleine Weltrettungsmaschinen für meinen und Deinen Kopf, die sich über Worthülsen einpflanzen und so alles ein bisschen besser machen. Texte, die versuchen einzufangen, warum das Leben doch nicht so unlebenswert ist. Texte, die eine Umarmung sind im kalten Online-Winter. Mal sehen.

Schlüsselanhänger-Diana

THE BLOG OF LOVE
(blog of love I.txt)

Was für eine Welt ist das eigentlich? Es gibt Gefühle, Dinge, Menschen, Gedanken. Aber, was ist das für eine Welt, in der ich lebe? In der Sie leben? In der – vielleicht – wir leben?
Vergangenen Donnerstag stieg ich aus dem Auto meines Bruders, weil er sagte, er hasse die Eisenbahn. Ich lief vom Auto weg, hatte Tränchen in den Augen. Weil er Eisenbahnen hasse. Ich kann nicht behaupten, dass mir die Eisenbahn in besonderem Maß am Herzen liegt. Sie gehört nur zu den Dingen, die ich in meiner Welt nicht verabscheue. Zu hören, dass andere Leute, – Menschen, die ich sehr schätze -, sie hassen, trifft schwer. Weil es letztlich eine Dingwelt ist.

Meine, deine, ihre, unsere Welt.

Irgendwie gefällt mir diese Vorstellung nicht. Das Bild, dass ein Lied, ein Sofa oder ein Film bedeutender sein könnte für mein Dasein als der bedeutenste Mensch. Dass nicht ein Gefühl, ein Gedanke oder ein Mitmensch an erster Stelle steht, sondern ein Ding aus einem Katalog.

(Heute hatte ich für einige Minuten ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit, welches mich traf wie eine Bratpfanne. „Nicht dein Freund! Nicht dein Freund!“ brüllte das Dino-Baby, seine Eisenbratpfanne der Erkenntnis mir um die Ohren hauend (eine Serienanspielung, Verzeihung). Irgendwo sprachen wir vom Gefühl der Opt-In-Freundschaft, die nicht ausschließlich durch persönlichen Kontakt sondern etwa auch durch „Blogfreundschaft“ entsteht. Eine solche Freundschaft sei schwebend unwirksam, und man erfahre erst, ob man sich tatsächlich leiden kann, wenn man die Echt-Freundschaft einfordert / überprüft. Wenn man also persönlichen Kontakt herstellt außerhalb der Öffentlichkeit.
Für einige schreckliche Sekunden dachte ich, die langjährige Freundschaft zu Grit wäre nur ein Trugbild, nur meiner Phantasie entsprungen. Sie würde mich nicht nur nicht mögen, sie würde mich gar verabscheuen. Eine ganze Welt brach zusammen – und genau das ist die Gefahr der gefühlten Freundschaft, der Opt-In-Freundschaft: Man weiß über ihren realen Wert erst bescheid, wenn man ihn braucht.) disco

Meine, deine, ihre, unsere Welt. Ist nicht hier.

Thenicestplaceontheinter.net ist dauerhaft keine Lösung. Ebensowenig wie der Make-everthing-ok-Button oder dergleichen Internet-Weltrettungsmaschinen. Internetfreundschaften ersetzen keine echten Freunde (versucht auch niemand).

Wir müssen hier weg. Weg von der Dingwelt. Weg von IKEA-Regalen und RTL-Nachmittagsprogamm. Wir müssen weg von gescripteten Gefühlen und Facebook-Erinnerungen.

Deshalb fordere ich jetzt dich – GENAU DICH – dazu auf.
Umarme jemand. Los. Ich warte solange hier.

Es geht nämlich um deine Welt.
Und meine, ihre, unsere.

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