"Du warst der Einzige der immer gespart hat und jetzt sollst du die Runde zahlen."

Geldbeutelinhalt
(Foto: Mein „Geldbeutel“ ist ein Chaos. Meine Konten jetzt nicht mehr.)

Der folgende Text wirkt ein wenig wie ne Anzeige, ist es aber nicht.

In den letzten Monaten habe ich mich sehr stark mit dem Thema Geld beschäftigt, wie unaufmerksame Leser sicher übersehen haben. Das hatte vor allem den Grund, dass ich bereits seit 5 Jahren mit meiner örtlichen Bank unzufrieden war und sehr lange und ausgiebig prokrastinierte, daran etwas zu ändern.

Wie war es zuvor?

Ich hatte ein Girokonto und ein Sparbuch bei einer Bank (die rote mit Joko und Klaas) und ein weiteres Sparbuch bei einer anderen (die Bank, die schon vor der Bildzeitung behauptete, sie sei „Volks“). Beides von meinen Eltern eingerichtet vor nun gut 20 Jahren. Beides Filialbanken hier vor Ort mit denen ich eigentlich höchst zufrieden hätte sein müssen, hätte es nicht an mir genagt, dass ich nie wusste, was mit meinem Geld dort eigentlich passiert.

Schließlich gab es Zinsen. Es musste also jemand geben, der mehr arbeitete, damit ich den Eindruck bekommen könne, „mein Geld arbeite“. Das ging teilweise hoch bis zu 2 Prozent Zinsen pro Jahr. Woher kamen die? Wer hatte dafür gearbeitet? Sind es Kinder, oder hat jemand einen teureren Kredit, als es sein müsste? Oder geht mein Bank-Berater abends in die örtlichen Kneipen und versucht das Geld am Automaten zu verdoppeln? Davon gehe ich nicht aus, aber letztlich habe ich keinen Beweis, ja nicht einmal einen Verdacht, der diese Möglichkeit ausschließen könnte. Ich wusste einfach nicht, was mit meinem Geld passiert und ich wollte es wissen. Zwar geht es in meinem Fall um lachhaft geringe Geldbeträge, aber sie waren eben einmal Teil einer Bilanzsumme von unglaublichen 4.771 Millionen Euro (und meine örtliche Bank ist noch relativ Klein verglichen zu ihren Schwesterbanken). Ich störte mich an den Vollmundigen Werbeversprechungen, mein Geld sei dort gut für die Region, man unterstütze Vereine und all dieses. Außerdem hatte ich das Gefühl, ich und meine Bank würden völlig andere Sprachen sprechen.

Und was war der Zünder? Warum hast du ausgerechnet jetzt dein Geld in die Hand genommen?

Es war Herbst und aus unerfindlichen Gründen fand ich mich in einem sterilen Büro eines Bankberaters wieder, der mir eine völlig verschobene Alterspyramide aufzeichnete, die praktisch ein auf der spitze stehendes Dreieck war, um mir irgendwelchen Riesterunsinn zu verkaufen. Ich schnappte mein Smartphone, suchte nach der korrekten Darstellung, erklärte ihm, es handele sich eher um eine Urnenform und vor allen Dingen sei das Einkommen der Jüngeren gestiegen, so dass es zwar durchaus möglich wäre, dass nun statt 20 Arbeitnehmern nunmehr 5 Arbeitnehmer einen Renter „versorgen“ müssten. Letztlich könnte man es sich durch ein höheres Einkommen viel besser leisten. Dann fragte ich, woher das Geld denn bitte kommen solle, wenn man es nicht jemand wegnehme, der dafür arbeite. Als der Bankberater sich in Relativierungen seiner offensichtlichen Lügen zurückzog wurde ich sehr wütend und ging. Ich möchte nicht sagen, bei welcher Bank dieser Mensch gearbeitet hat, aber er stand stellvertretend für eine Form der Gier und Selbstsucht, mit der ich seit diesem Nachmittag nicht mehr leben konnte, geschweige denn wollte.

Und dann? Wie bist du zur GLS gekommen?

Ich sah mir ersteinmal jede Menge andere Banken an. Ich liebäugelte mit der Postbank, merkte aber schnell, dass ich dort auch nicht das finden würde, was ich suche. Ich sah mir die Triodos ebenso an wie Ethikbank und die Umweltbank.
Ich erinnerte mich, bei einigen Antifa-Shops, bei denen ich in meiner Jugend ab und an günstig faire Kleidung und Aufkleber bestellt hatte, immer wieder zu einer Bank überwiesen zu haben. Eine Bochumer Bank namens „GLS Gemeinschaftsbank“. Ich informierte mich über Wochen hinweg. Über die sehr übersichtliche Internetseite, über die Nachhaltigkeitsampeln von Portalen wie WeGreen, über dutzende Einzelseiten und -meinugen, über Utopia, über Zeitungsberichte und letztlich nahm ich auch Kontakt auf. Rief an, fragte nach, verfolgte die Bank auf Twitter und Facebook. Mir gefiel diese Art der Kommunikation und die Möglichkeit, nachzusehen, was mit meinem Geld passiert. Letztlich auch kritisieren zu dürfen, wenn mir etwas nicht passt. Irgendwie stimmte es einfach.

Ausschlaggebend war letztlich Georg Schramm, der in einem Interview sich zu dieser Bank bekannte. Ich dachte: Wenn Schramm daran glaubt, dann kann die Genossenschaft für Leihen und Schenken nicht ganz falsch sein.

Natürlich: Die GLS Bank bietet im Vergleich zur Inflation geradezu lachhafte Zinsen. Aktuell 0,9 % aufs Sparkonto. Nur: Bei meinem – Achtung, Ironie! – Vermögen macht es keinen Unterschied, ob die Zinsen nun ein oder fünf Prozent sind. Das macht am Ende mehrerer Jahre einen Kaugummi aus. Und natürlich kann ich nicht einfach so zu einer ihrer Filialen fahren und mir dort helfen lassen. Und natürlich ist die Idee einer Bank niemals wirklich vereinbar mit einer gerechten, nachhaltigen Welt. Natürlich gehört die GLS mit ihrer Bilanzsumme von 2.262 Millionen Euro inzwischen zu den größeren der kleinen Banken und niemand weiß, ob mit weiterem Wachstum nicht auch die Gier wächst und die Ideen verschwinden.

Aber wissen Sie was?

Seit ich dort mein Giro- und Sparkonto habe schlafe ich besser. Ich mache mir weniger Sorgen darum, welche Schandtaten ich mitverursache, ich habe das Gefühl verstanden zu werden und verstehen zu können.

Diese Vorteile machen alles Negative, allen Zinsverlust und all die Komplexität wieder wett. Für das weniger schlechte Gewissen, den besseren Nachtschlaf und die Möglichkeit, selbst zu denken ist mir das allemal wert.

Update: Offenbar gibt es in Großbritannien gerade eine Bewegung hin zu solchen kleinen, ethisch korrekt(er?) handelnden Banken wie der deutschen GLS. Siehe dazu im Guardian und die Webseite des Projekts „Move your money UK“. Etwas ähnliches veranstaltet auch attac in Deutschland unter dem Schlagwort „Krötenwanderung“.
Wer auch zur GLS wechseln will findet alle Infos dazu versammelt hier.

12 Antworten auf „"Du warst der Einzige der immer gespart hat und jetzt sollst du die Runde zahlen."“

  1. Das Gesicht des Bankberaters (wobei „berater“ wohl eine ziemlich falsche Silbe ist) hätte ich gerne gesehen, vielleicht hättest du auch noch schnell ein Foto machen sollen. :-)

    Ich persönlich bin mit der Joko und Klaas-Bank eigentlich ganz zufrieden. Was freilich auch daran liegen mag, dass ich mir nicht so viele Gedanken mache, wie du, sondern das Thema immer schnellst möglich vom Tisch haben will.

    1. Ich befürchte ja, dass er den offensichtlichen Unsinn, welchen er erzählte, selbst glaubte. :-)

      Dein „eigentlich“ impliziert irgendwie, dass du dann nicht ganz zufrieden bist. Ich versteh aber auch sehr gut, dass man, sobald man mal arbeitet und mehr als fünf Leuten bescheid sagen müsste, um die Bank zu wechseln, das einfach zu aufwendig wird. (Hätte ich wohl auch nicht gemacht).

  2. Ich finde ja, dass das Wechseln gar nicht so viel Aufwand ist. Eine Standard-Mail an alle, von denen man Geld erwartet oder die welches von einem bekommen genügt meist. Oft kann man es sogar schon Online ändern. Ich habe die Konten ein halbes Jahr zwar noch parallel laufen lassen, aber kürzer hätte auch gereicht. Wenn was nicht mehr klappt (es gab ein Unternehmen, die es nur bei einem von zwei Produkten umgestellt hatten), dann melden sich die entsprechenden Personen schon ;)

    Es ist beruhigend, zu merken, dass sich jemand um das eigene Geld kümmert, der nicht nur um jeden Preis mehr daraus machen will, sondern der Verwendung vor allem einen Sinn zu geben (und man kann sogar bestimmen, worin man „investieren“ will, seien es betreutes Wohnen oder erneuerbare Energien).
    –> Wechseln lohnt sich!

  3. Joko und Klaas, davor war es Atze Schröder, der mit breitem Grinsen für mehr Majo auf die fetten Pommes plädierte… Ich fand und finde diese populistische Art der Werbung unerträglich für eine Bank. Das Lesen des Postings „Du warst der einzige…“ hat Freude gemacht und mir aus der Seele gesprochen. Gut, dass es die GLS Bank gibt!

  4. Sehr weise Entscheidung und klasse geschrieben/belegt!
    Auch ich bin vor wenigen Wochen zur GLS Bank gewechselt da ich mit den Leistungen und dem mangelnden Verantwortungsgefühl meiner großen deutschen Bank nicht mehr zufrieden war. Auch wenn ich noch keine sensationellen Veränderungen festgestellt habe, kann ich Dein „gutes“ Gefühl durchaus nachvollziehen, ich hoffe auch mit diesem kleinen aber guten Beispiel voranzugehen…
    Kam übrigens über einen Eintrag auf https://www.facebook.com/glsbank auf Deinen Blog.

  5. Ich bin auch schon seid längerem Kunde der GLS- Bank. Auch aus ähnlichen Gründen. Finde es irgendwie unlogisch, dass jemand der das Geld durch sparen dem Wirtschaftskreislauf entzieht, also hortet, dafür belohnt wird, wenn er es zurückgibt. Genau das macht nämlich der Zins.
    Die folgen des Zinses sind fatal: Exponentielles Geldwachstum, Inflation, Umverteilung von fleißig nach reich und ökologische Zerstörung durch Wirtschaftswachstum.
    Für mich hab ich eine Lösung in der Freiwirtschaft gefunden. Hier wird das Geld mittels Umlaufsicherung in Bewegung gehalten, ohne die oben genannten Folgen.
    So würde das Geld langfristig und sinnvoll angelegt, ohne dir Gier nach Profit.

    1. Ich sehe das ein klein Wenig anders. Ich horte ja nicht das Geld, sondern gebe es jemand, der gerade mehr damit anfangen kann und dieser gibt mir dafür einen kleinen Anteil an seinem Gewinn. Das ganze läuft zwar über den Mittelsmann „Bank“, aber an sich ist diese Idee nicht falsch (wobei ich auch schwer etwas als falsch ansehen kann, mit dem ich aufgewachsen bin). Das Problem ist eher, dass wir einerseits nur noch Geld verleihen, wenn wir etwas dafür bekommen und wir annehmen, dass „Geld für uns arbeite“. Das ist natürlich Blödsinn und diese Dummheit Naivität führt letztlich zu all den Punkten, die du als negativ aufgeführt hast. Ich glaube aber nicht, dass wir plötzlich alle gute Menschen wären und alles wunderbar wäre, wenn Zinsen nur verboten würden.

  6. Man, irgendwie habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, bei welcher Bank ich bin – bei mir wars einfach so, dass meine Eltern das in meiner frühen Jugend geregelt haben und ich nie einen Grund gesehen habe zu wechseln. Vor allem weils so ne große Bank ist und die werbeaffinste Bank meiner Region ist, sodass ich mir ob ihrer Seriösität keine Sorgen mache. Sollte ich? Macht es wirklich einen Unterschied? (Sorry, ich bin da so gar nicht bewandert.)

    1. Ich hielt das immer für ein wichtiges Thema, gerade weil sich meine Eltern eigentlich bereits darum gekümmert hatten. Im österreichischen Bankenmarkt kenne ich mich nicht aus, aber du kannst ja einfach mal nachfragen, was mit deinem Geld passiert. Gerade die kleineren Sparkassen – meint zumindest Attac – sind noch halbwegs ok, auch wenn einige ins große Finanzgeschäft einzusteigen versuchen.
      Bei meiner viel mir einfach eine zunehmende Tendenz auf hin zu … Gier? Wie gesagt: Ich finde es völlig ok, selbst wenn man Kunde beispielsweise der Deutschen Bank ist. Nur ich will das einfach nicht sein.

  7. Wer sein Geld zu Bank bringt hortet es nicht mehr, klar. Durch die Gewinnbeteiligung (eigentlich auch nur bei Aktien etc.) muss der aber Profit von Jahr zu Jahr steigen = Wachstumszwang. Dafür haben wir nicht genügend Ressourcen.
    Außerdem zahlst du die Zinsen die du bekommt eh selber, oder woher soll das Unternehmen den zusätzlichen Gewinn nehmen, wenn nicht (über die Preise) vom Kunden?
    ‚Falsch‘ ist der Zins deshalb nicht. Nur dass er ständig über Null ist, führt zu oben genannten Problemen. Dass er ständig über Null sein MUSS liegt daran, dass unser Geld hortbar ist. Dieses Privileg gegenüber aller anderen Waren und Dienstleistungen sollte man in Frage stellen.

    1. Mir scheint, du betrachtest hierbei nur die negativen Wirkungen von Zinsen. Natürlich zahlen wir letztlich drauf, aber angenommen, ich wöllte einen Bioladen aufmachen, bei dem es nur Kartoffeln vom örtlichen Bauern gibt, glaubst du, der gibt die mir einfach so? Mindestens wird er doch etwas oben drauf haben wollen für das Riskio, dass ich ihm nicht alle verkaufe und bezahle.

      Das Argument, dass Geld als einziges hortbar wäre, hinkt dann auch, betrachtet man die riesigen Getreidelager, welche die Bundesrepublik für den Verteidigungsfall immer noch angelegt hat. Auch das ist ein Wert – genauso wie Gold, Holz, Wein, Honig, etc. pp. – den man bis zu einem gewissen Maß auf Vorrat halten kann. Mehr noch: Den man dem Markt entziehen kann.

      Niemand ist verpflichtet die Güter, die er hat, abzugeben, wenn er dies nicht möchte. Und dank Inflation (aktuell um die 2 Prozent) verliert Geld auch tatsächlich an Wert. Ich meine, was würde es mir heute nützen, wenn ich zwölf Millarden Reichsmark auf dem Dachboden fände? Nichts. Aber was könnte ich mit einem Picasso machen?

      Es ist ein Fehler im System, dass uns glaubend gemacht wurde, dass es ständiges Wachstum und ein für sich selbst arbeitendes Geld geben könnte. Es ist ein Fehler im System, dass wir Festzinsen haben und glauben, dass die Zinsen immer über Null liegen müssten. Aber dass diese Fehler existieren stellt doch nicht die Grundsätzliche Idee in Frage?

  8. Hi Faulit!

    Mir scheint, dir sind die negativen Wirkungen des Zinses nicht bewusst.^^
    Mag ja sin, dass der Bauer diesen Risikozushlag verlangt, je höher der ist, desto teurer sind aber die Kartoffeln. Deshalb wäre es doch schön, wenn die Kosten (für alle) möglichst gering sind.

    Wenn Waren und Dienstleistungen gehortet werden, verlieren sie an Wert oder verursachen laufende Kosten. Lebensmittel verderben, Waren verursachen Lagerkosten, Maschinen Instandhaltungskosten, arbeitende Menschen (Dienstleistungen) müssen ernährt werden, usw.
    Geld verursacht nicht nur keine Kosten sondern vermehrt sich sogar durch den Zins und Zinseszins exponentiell. Hier ist Geld tatsächlich einzigartig. Selbst Gold ist nur in Begrenzter Menge vorhanden.

    Abgeben muss man seine Güter natürlich nicht, man kann auch den Wertverlust in kauf nehmen, wenn man sich das leisten kann…
    Inflation ist ein sehr spezieller ‚Wertverlust‘. Hier verliert das Geld, aufgrund seiner andauernden Vermehrung durch den Zins an Kaufkraft, da immer mehr Geld einer relativ konstant bleibenden Menge an Waren und Dienstleistungen gegenübersteht.

    Die Inflationsrate (2%) gibt sozusagen den Zuwachs an Inflation an. Genauso wie der Zins den Zuwachs der Geldmenge angibt. (etwas umgangssprachlich, sry). Die Inflation gibt das Verhältnis zischen Geld und den Waren und Dienstleistungen an.
    Also das Verhältnis zwischen exponentiellem und linearen Wachstum. Dieses Verhältnis wächst auch exponentiell, bloß ein wenig abgeschwächt.
    Eine exponentielle Inflation kann nur zeitlich begrenzt funktionieren.
    Ein Picasso ist allemal besser als Geld! Würdest du ihn dir an die Wand hängen, oder in das heute gültige Tauschmittel umtauschen? Einkaufen würdest du damit aber auf keinen Fall, deshalb werden wir Geld -genauso wie die Kunst- immer brauchen.

    Ständiges Wachstum kann und sollte es nicht geben. Dies muss es allerdings geben, wenn der Zins positiv ist. Unser heutiges System erlaubt aber auch keine negativen Zinsen. Das würde ich als Dilemma bezeichnen. Ich sehe den Ausweg (bisher) nur darin die Hortung von Geld mit Kosten zu versehen. Z.B. in Form einer Umlaufsicherung o.ä.

    LG Joshua

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