Georgrafielehrer? Also bitte, ich will Raumfahrt unterrichten!

(Die Überschrift hat nichts mit dem Text zu tun.)

Lohnt es sich, Geografie auf Lehramt zu studieren?

Ich spiele schon seit einer Weile mit dem Gedanken, meine Fächer zu wechseln und Geografie erscheint mir durchaus eine gute Alternative. Will ich Geografie unterrichten?

Das wirklich interessante am Lehrberuf ist die unglaubliche Verstrickung der angeblich so unterscheidbaren „Fächer“. Lehre ich deutsche Grammatik, lege ich damit zugleich den Grundstein für Fremdsprachen-Grammatik. Lehre ich Geschichte, mache ich Politik verständlich, erkläre damit wirtschaftliche Zusammenhänge und letztlich hängt alles miteinander zusammen. Von Mathematik muss ich gar nicht erst anfangen.
Unser Schulsystem beruft sich selbstverständlich immer noch auf eine Fächertrennung und klar ist auch: Man kann nicht alles gleich gut unterrichten. Und nicht alles passt überall gut. Die Entstehung von Wetter beispielsweise lässt sich nur sehr abstrakt in den Sportunterricht integrieren („Die Gruppe dort drüben stellt Wolken dar und die Matten hier sind ein Gebirge“…). Geschichtsunterricht dagegen kann ich mir gar nicht vorstellen, wenn Schüler keinerlei Geografiekenntnisse besäßen.

Gerade aber wegen diesem eher Fächerverschwimmenden Berufsbild kann ich mir sehr gut vorstellen, auch die leider völlig unterschätzte Wissenschaft der Geografie zu studieren.

Es gibt aber auch Zweifel. Neil deGrasse Tyson schrieb neulich auf Twitter:

Wenn die Folgen der Globalen Erwärmung so aussehen, wie vermutet, werde ich mich nach erfolgreichem Studium vor Kinder und Jugendliche stellen und werde auf die Frage stoßen, warum wir nichts dagegen gemacht haben, als wir es konnten. Warum Klimagipfel um Klimagipfel verstrich. Warum haben wir nicht Ressourcen geschont, warum haben wir zugelassen, dass alles noch viel schlimmer wurde? Wie soll ich all die Kriege erklären? Wie soll ich all das Leiden erklären? Natürlich kann ich streng wissenschaftlich erklären, wie es dazu kam, aber: Das würde mir und vermutlich auch den Schülern nicht reichen.

Es müsste ein ehrliches „Ich weiß es nicht“ folgen. Aber dieses kleine Eingeständnis ist so unglaublich schwer und bedeutsam. Warum haben wir nichts getan? Um diese Art Theodizee-Frage komme ich also auch außerhalb der Theologie herum.

Ich will diesen Eintrag nicht mit einem schnöden Handlungsaufruf enden lassen, sondern vielmehr meine Zuversicht ausdrücken. Ich will helfen junge Menschen auf ein Leben auf diesem Planeten vorzubereiten. Ich möchte sie sensibilisieren für die Probleme, denen wir bereits gegenüberstehen und die das Leben nachfolgender Generationen möglicherweise bestimmen werden. Ich will Lösungen finden und Hoffnung machen. Ich will mithelfen, dass unsere Kinder eine bessere Welt gestalten, als wir das geschafft haben oder schaffen wollten.

Vielleicht rede ich mir das aber auch nur ein und in einem Jahr steht hier ein Loblied auf ein ganz anderes Studienfach.

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