Willkommen im Interneteinkaufszentrum

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Von der gefühlten Anarchie der Anfangstage und der Bildungs- und Demokratisierungsmaschine der Anfangstage ist – gefühlt – nichts mehr übrig. Das Internet ist ein Marktplatz Einkaufszentrum. Internetliebe heißt heute auch: Konsumgeilheit.

Geiz ist geil! zitiert die Werbekritik immer noch ihren Todfeind. Dieser zieht derweil bereits weiter. Dabei wird die Sparsamkeit dem biedermaierschen Deutschen wieder eine Notwendigkeit: Die Reallöhne sind immer noch in deprimierenden Tälern während die Preise weiter – in üblichem Rahmen – steigen und wir messen uns selbst daran, wie viel wir doch mehr verkaufen als uns leisten und wie toll wir niedriglöhnen können.

Fest steht: Der Kampf ums Geld des Konsumenten wird – eben, weil dieses nicht ausreichend wächst – immer härter. Discounter werben massiv, Online-Portale bieten kostenlose Lieferung und drehen – um überhaupt noch irgendwie überleben zu können – massiv an der Lohnschraube. (vgl. ZDF zoom).

Auch für mich wird das Thema Geld und vor allem das Nutzen von Geld auf sehr unangenehme weise immer wichtiger. Wo kaufe ich am besten ein? Wie kann ich noch ein paar Euro sparen? Wenn ich über qipu, ein hervorragender Provisionsweitergeber („Cash back“), beispielsweise IKEA-Gutscheine kaufe spare ich pro 25 Euro Gutschein zirka einen Euro, muss aber 99 ct Versandgebühren bezahlen. Die Ersparnis ist also minimal, aber vorhanden. Ähnlich hat es sich auch mit meinem Girokonto verhalten: Ich spare – sobald dieses kostet – pro Jahr einen Euro gegenüber meiner alten Bank (und zudem habe ich kein schlechtes Gewissen mehr).

Vielleicht fallen mir deshalb so sehr die Veränderungen bei Amazon.de (Partnerlink) auf. Nicht nur die überfällige Umstellung auf das von der Amazon.com-Seite gewohnte schlankere Design, sondern auch die kleinen neuen Angebote. Die Studentenmitgliedschaft für AmazonPrime, bei der man gar keine Versandgebühren mehr zahlt, sondern nur einmal im Jahr (ab dem zweiten Jahr, bis maximal zum fünften) 15 Euro. So soll man wohl an Amazon gebunden werden, als ob man nicht eh schon fast alles von dort bestelle würde. Dazu kommt der Zukauf von Spielen, Büchern und Konsolen, die man als Student besser bezahlt bekommt und die wir so beispielswiese von Momox kennen. Unsere alten Konsumgüter werden gegen Festpreis gekauft.

Am interessantesten finde ich aber Amazons neue „Spar-Abos“ (Partnerlink). Bis zu 10 Prozent – und die Versandgebühren – spart man, wenn man statt Einzelkauf einen Kaufintervall einstellt. Auf diese Weise kann man wohl an Kaffee, Waschmittel und Tiernahrung etwas sparen. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, die Preise Amazons mit den Ladenpreisen hier vor Ort zu vergleichen. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass ein solches Abo für Händler und Kunden funktioniert.

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Haben Sie es bemerkt? Sie haben gerade einen Eintrag gelesen der mit massiven Klagen über die aktuelle Situation anfing und sich zunehmen zu reiner Werbung für die Angebote des Einkaufszentrum Internet entwickelt hat. Es fällt uns gar nicht mehr auf, dass es im Internet nicht mehr um Information oder Kommunikation geht, sondern hauptsächlich darum, Geld zu verdienen. Alle sind pleite. Alle nutzen AdSense und Amazon (und niemand Populis). Selbst Thomas Matterne versucht mit seinem Schreibtalent noch irgendwie etwas dazu zu verdienen (Partnerlink).

Was passiert also gerade? Im Überlebenskampf der Internet- und Handelskonzerne werden die Mitarbeiter „geopfert“. In unserem eigenen Überlebenskampf (mit dieser Formulierung qualifiziere ich mich definitiv für White Whine) sorgen wir für das Wachsen eben dieser Konzerne. Ein Teufelskreis. Irgendwann sind wir alle Amazon-, McDonalds- oder IKEA-Mitarbeiter und höchst verschuldet – bei der IKANO-Bank.

Ich würde aus diesem Karusell gerne aussteigen. Aber inzwischen nehme ich selbst Konsumpf als Werbezugepflastert war („Besucht auch“, bestimmte Einträge die ein Lebensbild „bewerben“, usw.). Und auch ich selbst bettele um jeden verdammten Cent.

Ich schäme mich und ändere doch nichts…
Geld regiert die Welt. Weil wir es zulassen.

Oder könnte man, wenn man eh dort einkauft, nicht das System ausnutzen? So, wie GWEI mit den Einnahmen aus Google-Anzeigen das Unternehmen aufkauft, könnte man doch… Hm… Ausnahmsweise lösche ich Werbelinks in den Kommentaren zu diesem Eintrag nicht – wenn es dazu eine Erklärung gibt, warum man dort kaufen soll.)

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