Keep your ‚lectric eye on me babe

inhaltewiebitte

Meine Hoffnungsvision ist keine Utopie oder ein dummes Parteiprogramm, sondern das Internet. Und diese Hoffnung lasse ich mir nicht kaputtmachen.

Gerade ist das Internet weg. Ich tippe diese Zeilen also in dem Wissen, sie nicht direkt abschicken zu können. Ich tippe diese Zeilen auch immer wieder unterbrochen von meinem geradezu natürlichen Nachschlagedrang. Als ob ich die Netzlosigkeit nicht wahrhaben wöllte tippe ich Begriffe ins Suchfeld ein, nur um das viel zu vertraute „Diese Webseite ist nicht verfügbar.“-Trauerspiel sehen zu müssen. Spotify spielt derweil nur Titel, die sich auf meiner Festplatte befinden. (Siehe Titel.)

Das Internet erscheint mir derart selbstverständlich – ebenso wie ein Buch, die Schwerkraft oder das Mario Barth sexistische „Witze“ erzählt erbricht -, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen könnte, dass es einmal anders sei. Mein Wissensrückrat sitzt im Netz. Meine Erinnerung, meine Kommunikation, meine Verantwortlichkeiten… selbst ein Müllkalender, wie ihn meine Eltern einmal jährlich erhalten und dann übertragen, ersetzt für mich der E-Mail-Alert der Stadtreinigung.

Die Vorgängergeneration – wie ich heute in einem sehr anstrengenden Gespräch wiedereinmal verstellten musste – sieht es als Gefahr an. Nur lokale Freundschaften sind etwas wert, nur wer sich trifft ist echt und schlechte Manieren sind keine mangelnde Erziehung, sondern daran ist das böse böse Internet schuld. Es fühlt sich an, als würde man die Farbe Blau ersthaft in Frage stellen.

Es ist eher ein Internetglaube oder eine -ideologie, als ein mit Fakten unterfütterte Ansicht. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht unbedingt Recht habe.

Menschen, die im Internet aufgewachsen sind, mögen kurzsichtig handeln, mögen ohne Wikipedia hoffnungslos überfordert sein und ohne Navi keinen Weg mehr finden. Das Internet mag unsere Gehirne verändern, so, dass bisherige Maßstäbe nicht mehr funktionieren. Vielleicht ist uns die Vorgängergeneration bei der Welt, die vor allem Sie gestaltet haben, tatsächlich überlegen. Ich will auch gar nicht behaupten, das Internet hätte keine negativen Folgen. Ich will nicht behaupten, Technologie sei nur gut. Möglicherweise sind es z. B. die durch Mobilfunk und W-Lan gebratenen Redaktionen-Köpfe, die Leuten wie Manfred Spitzer ihre Thesen im Fernsehen erbrechen erzählen lassen.

Aber, mal ehrlich, wenn ich einen Test erstelle oder ein Thema untersuche, dann ist es doch eher unwahrscheinlich, dass ich meine eigenen Meinungen Verwachsene Kopfhaare Thesen dabei widerlege. Außer, ich heiße Stephen Hawking.
Auch, wenn ich eine Welt aufbaue, ein Gesellschaftssystem installiere, wieso sollte ich dann eines wählen, dass meinen Ansichten widerspricht? Worauf ich also „warte“ ist, selbst an den Hebel der Entscheidung zu kommen, um die Welt für meine Kinder ruinieren zu dürfen.

Zwei Sätze Punkte noch, weshalb es mich zugleich so stört und mir so unendlich egal ist, was die Frau aus meiner Elterngeneration mit heute an Gegenwartskritik ins Gesicht spuckte: 1. Das Internet hat mich vor allem gelehrt, jede Information egal wie Glaubwürdig oder Autoritär zu Hinterfragen. Es ist mir deshalb fast nicht mehr möglich, unreflektierte, unsachliche „Argumente“ für blödsinnige Ansichten anzuhören ernst zu nehmen. 2. Warum sollte ich mich darum kümmern, was ein Troll für Ansichten hat. Auch, wenn halb Deutschland aus diesen Offline-Trolls zu bestehen scheint.

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