Ich hab gesehn, dass du weiszt was ich mein‘ und du weiszt ganz allein, warum du mir das Wort verdrehst.

Wir sind keine Gesellschaft. Unsere Politik, unserer Medien, selbst unsere Bildungseinrichtungen verfolgen nicht das Ziel, eine Gesellschaft zu bilden. Es ist ein permanenter Kriegszustand, in dem die oben gegen die unten kämpfen. In dem jeder versucht, das größte Stück des Kuchens zu bekommen. Bevor Sie sich fragen, wohin sich dieser Artikel entwickeln wird: Ich schreibe kurz darüber, wie doof alles ist, um dann die Frage nach unserer Stromversorgung zu stellen.

Die Titelseite der Tageszeitung ist die tägliche Todesanzeige unserer Demokratie.

Aus unerfindlichen Gründen landete ich heute wieder vor der Titelseite unserer Tageszeitung. Headliner ist eine Geschichte über die steigende Zahl der Niedriglöhner. Rechts daneben steht etwas über die Ungleichheit bei Studienanfängern. Noch immer würden deutlich weniger junge Menschen aus Arbeiterfamilien ein Studium beginnen als Kinder aus Elite-Häusern. Der längste Text auf der Titelseite behandelt den großen Mangel an Sozialwohnungen. Über 4 Millionen Wohnungen würden fehlen. Hmpf. Vermutlich, damit man denkt, es könne ja noch schlimmer sein, behandelt der Text am unteren Ende der Titelseite das marode Stromnetz in Kuba, dem letzten „kommunistischen“ Staat der Welt, dessen Energiesparbestrebungen auch nicht vor teilweise Tagelangen Stromausfällen schützt.

Im Grunde sagt uns diese Titelseite in ihrer Komposition aus Negativmeldungen, dass es zwar schlimm sei bei uns – insbesondere, wenn man arm ist -, aber unser Weg doch alternativlos ist.

Die Energiefrage kann gelöst werden.
Himmel.

Unser Weg ist aber nicht alternativlos. Es ist nicht naturgegeben, dass vier große Konzerne den Strommarkt in Deutschland unter sich aufgeteilt haben. Es ist nicht natürlich, dass man nur mit Großprojekten den Strombedarf in unserem Land decken kann. Deutschland exportiert Strom. Ein Ausstieg aus der Atomkraft ist ebenso möglich wie ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern. (Ob das dauerhaft sinnvoll ist, sollte natürlich hinterfragt werden.)

Was ich mich inzwischen Frage, ist, ob nicht die Herstellung des Stroms das Problem ist, sondern die Speicherung. Warum wird in unserem Land immer noch darüber diskutiert, wie wir noch mehr Strom herstellen können und nicht darum, wie wir den vorhandenen sinnvoll zu nutzen und nicht benötigten zu speichern?

Wir brauchen nicht nur Solar auf dem Dach, sondern Akkus im Keller.

Es ist wie mit einem Formel-1-Wagen: Die besten Motoren nützen nichts, wenn die Reifen Mist sind. Was nützen erneuerbare Energien, was nützen sichere Atomkraftwerke (theoretisch), was nützt eine Energiequelle, was nützt mir ein riesiges Feuer, wenn ich seine Wärme nur halb nutzen kann? Ich kaufe doch auch keine 10 Kilo Äpfel, und werfe die Hälfte dann weg? Was wir brauchen, ist eine gute Lagerung (ja, ich weiß, das ist kompliziert, weil „Energie“ nicht einfach so „gelagert“ werden kann.)

Warum sollte man nicht auch Energiespeicheranlagen in Haushalten unterstützen? Man könne doch aus meinem Elternhaus ein Pumpspeicherwerk machen. Unterm Dach bauen wir einen großen Tank, der Nachts mit Wasser gefüllt wird und bei starkem Strombedarf wird das Wasser wieder durch eine Turbine abgelassen. Dafür könnte man Regenwasser nutzen, dass eh dort oben anfällt. Oder man baut Batterien im Keller ein.

Jetzt klingt das dämlich, darüber bin ich mir bewusst. Jetzt sind wir nicht soweit, dass es sinnvoll möglich ist, dass Privathaushalte als Stromspeicher funktionieren. Aber wir werden an besseren Speichermöglichkeiten arbeiten müssen. Dahin werden wir uns bewegen müssen, wenn wir weiterhin Großprojekte blockieren und unsere Aussicht über die Gemeinschaft stellen.

Ich will, das Strom wieder ein Gemeinschaftsthema wird und nicht vier große Konzerne in schizophrenem Wahnsinn zugleich Rekordgewinne und Stormpreiserhöhungen verkünden können. Ich will keine Alternativlosigkeit mehr hören müssen.

Eine Antwort auf „Ich hab gesehn, dass du weiszt was ich mein‘ und du weiszt ganz allein, warum du mir das Wort verdrehst.“

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