Jetzt sind wir hier.

Ich habe ein kleines Problem: Ich quatsche einfach zuviel, ich komme einfach nicht auf den Punkt. Ich interessier’ mich nunmal für Tennis genau wie für Computerspiele oder Kino. Man kann das nicht einfach voneinander trennen. Die Dinge sind eben in Bewegung – alles fließt – Yin und Yang, wenn Sie versteh’n. Ich stecke meine Nase einfach in alles hinein; und nach all den Fragen kommt der Punkt. Es gibt einfach von allem zwei Seiten! Apropos Seiten…naja aber das würde jetzt zu weit führen.
— Stimme aus dem Off (Sendung ohne Namen)*

Es ist Zeit für eine Veränderung. Es verändert sich so viel gerade und ich will mir nicht vorhalten können, ich hätte mich in meiner Vergangenheit vergraben, als ich mutig meiner Zukunft hätte entgegen treten müssen. So wird es vermutlich sein und ich verkrieche mich sehr gerne, aber vorhalten will ich es mir dennoch nicht. Es gibt ein paar Veränderungen, die in meinem Leben eingetreten sind und gerade eintreten, und ich möchte diese – auch mit Hilfe dieses Blogs – mit Dir und meinem zukünftigen Ich teilen.

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Was steht an, alter Mann?
Nächsten Monat werde ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht mehr in meinem Elternhaus wohnen. Bald bejahe ich, was seit gefühlten Ewigkeiten mahnend als Postkarte neben meiner Tür hängt: „Raus aus dem Muff?“. Endlich.
Endlich? „Raus aus dem Muff?“ in ausgeblichener, gelber Schrift auf blauem Grund. Neben abgerissener Blümchentapete und Hoffentlich-Sind-Das-Keine-Schimmelflecken-Flecken. Diese Veränderung ist überfällig.
Der Gag kommt jetzt: Ich ziehe nur 12 Kilometer Flussabwärts. Vom meinem Heimatstädtchen am Neckar in meine Studienstadt – am Neckar. Eine Stadt, die so viele Studierende hat, wie mein Heimatort Einwohner. Eine Stadt, deren Wahlspruch in praktisch allen Broschüren lautet: „Tübingen hat keine Uni. Tübingen ist eine Uni.“ Faktisch ziehe ich also in meine Uni. Wozu ich mir neben dem Hörsaal noch ein anderes Schlafzimmer … Ne, der Witz ist abgedroschen.

As the mission's first spacewalk draws to a close, European Space Agency (ESA) astronaut Christer Fuglesang, STS-116 mission specialist, moves through the Quest Airlock as he returns to the International Space Station.
NASA-Foto (gemeinfrei) von Christer Fuglesang, dem ersten skandinavischen Astronauten.

Und studientechnisch, echt jetzt?
Als ob das noch nicht reichen würde hab ich mich nach den bisherigen zwei Semestern dazu entschlossen, meine Studienfächer zu wechseln. Ich bin nun 22 und habe noch gar nichts. Statt einem Staatsexamen strebe ich nun einen Bachelor an (den Abschluss, nicht die schlimme, schlimme Sendung auf RTL). Statt Deutsch und katholische Theologie stehen nun Skandinavistik und – vorläufig – Jura (Nebenfach!) auf dem Lehrplan. „Warum?“ fragte meine Großmutter, fragte mein Vater, meine Mutter, fragten alle. „Weil…“ Nun. „Äh…“ Weil ich ebenso wenig wie Kate Schechter in Douglas Adams‘ wunderbarem The Long Dark Tea-Time of the Soul nicht blitzartig „Die Fjorde“ geantwortet habe oder „Die Berufsaussichten“, bin ich nun in der misslichen Lage, über die selbige meine nachzudenken. Weil ich – aufgewachsen vor dem Bildschirm – mit „Denken“ einen Geistesprozess meine, der eine Mischung aus Gedanken machen, wildem, holistischem, scheinbar ziellosem Googeln und Hintergrundmusik ist, stieß ich auf ein schwedisches Sprichwort, dass genau das ausdrückt, wie es mir geht (und das ich ganz in meinem Sinne deute ohne Rücksicht auf tatsächliche Bedeutungen):

Bättre fly än illa fäkta. (Besser fliehen als schlecht fechten.)

Man sollte aufgeben, wenn man weiß, dass es keinen Sinn hat. „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab“ rät eine dieser möchtegern-lustigen Comic-Postkarten in unserer Küche. Ich glaube, wenn das Pferd tot ist, ist es schon zu spät. Wenn Scheitern absehbar ist – und in meinem Studium bisher war das deutlich sichtbar – dann gibt man besser auf und widmet sich etwas anderem. Zum Beispiel einem Blogeintrag über Christer Fuglesang, den ersten Skandinavischen Astronauten und insgesamt einem ziemlich coolen Typen (nach allem, was ich bisher gelesen habe). Womit auch eine Verbindung zwischen der Titelzeile aus einem Rapsong, dem Eintragsinhalt und dessen Ende… Ja, genau: Hergestellt ist.

– Die Astronauten.

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*Also, gesagt hat das ja eigentlich Fred Schreiber (Hörbeispiel), derjenige, welcher der Stimme aus dem Off in der Sendung ohne Namen seinerzeit (2002 bis 2007, siehe Wikipedia), die das ORF aufmischte, von dem es übrigens auch ein ganz gutes Deutschrock-Album (jaja, ein Widerspruch) gibt (Spotify-Link), also eigentlich hat der das ja gesagt. Aber man soll ja das Papier und den Autor nicht mit der Figur verwechseln. Und umgekehrt. Fred Schreiber ist übrigens ab und an auch meine Gedankenstimme, und zwar… also… das würde jetzt zu weit führen.

6 Antworten auf „Jetzt sind wir hier.“

  1. Schön jetzt auch hier weiterlesen zu können- deinen Blog zu durchforsten ist meine heutige „wenn schon arbeitslos dann wenigstens nicht unterbeschäftigt und es gibt immer was zu lernen oder sehen“-Aufgabe und ich freue mich, auch wenn oder vielleicht weil es zum heutigen Datum schon einiges nachzulesen gibt :)

    Als kleines Danke für diesen Blogpost hier mein Aufmunterungszitat Nummero 1:

    „I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I intended to be. “

    Vom tollen Douglas Adams der selbst nicht immer genau wusste ob das was er tut denn nun wirklich Sinn macht. Hauptsache man tut was, oder?

    Liebe Grüße,
    Lisa oder eben die blog.de wortlos

    1. Genau. Einfach machen. Das Zitat stammt aus dem selben Buch, oder? Nachdem Dirk Kate hinterhergefahren ist und… ja. Falls ich mich irre, berichtige mich bitte. Außerdem finde ich, nebenbei erwähnt, ziemlich schade, dass er die Dirk-Gently-Reihe nicht zuende führen konnte. Ist für mich definitiv eine der besten Buch-Reihen, die ich kenne (auch wenn der erste Band ein bisschen schwach ist).

      Außerdem freue ich mich riesig, dass sich endlich mal jemand getraut hat, hier zu kommentieren. Dafür bekommst du von der ersten Ladung Garteneckebrücken-Aufkleber, die ich wahrscheinlich Ende des Jahres / nächstes Jahr bestelle, direkt ein paar zugesendet (Falls ichs vergesse: Erinnerst mich einfach dran.).

    1. Ich studiere den Feind. ;)

      (Ne, ersthaft. Genau das denke ich mir auch jedes mal, wenn ich in einer von deren Veranstaltungen sitze.)

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