2 Broke Girls und der Untergang des Abendfernsehland.

So, order something else from the menu, shove it in your pie hole, and get on with your damn life!

Die CBS-Komödie „2 Broke Girls“, die aktuell auf ProSieben zu sehen ist (auch online) und von der in den USA kommende Woche die zweite Staffel beginnt ließ mich nach einer Nacht mit der kompletten ersten Staffel mit gemischten Gefühlen zurück.

Kurz zum Aufbau: Max ist Kellnerin in einem Diner, arbeitet als Babysitterin in Manhatten für eine völlig überzeichnete reiche Mutter und backt nachts Cupcakes. Caroline, ein Kind aus sehr reichem Hause, fängt in ebendiesem Diner mit Max an zu kellnern, da ihr Vermögen wegen krummer Geschäfte ihres Vaters eingefroren wurde. Das ganze artet in die üblichen Serienklischees aus und schließlich werden beide Freundinnen (oder zumindest Schicksalsgenossinnen), die zusammen ein Cupcake-Geschäft eröffnen wollen. Die Zahl am Ende einer jeden Folge gibt an, wie viel sie schon von den 250.000 US-Dollar, die sie für diesen Traum benötigen würden, angespart haben. Titelmelodie ist Second Chance von Peter Bjorn and John.

Wie bei meinem Lieblings-TV-Blogger Blamayer ab hier „volle Spoiler für die 1. Staffel.“

An sich handelt es sich um eine solide Comedy, die mit knackigen Sprüchen, jede Menge Vorurteilen und Klischees, aktuellen Verweisen auf Popkulturthemen (Hipster vs. Homeless), den nicht zu kritischen Zuschauer zum Lachen bringen kann. Hinweis auf das Niveau und die Stoßrichtung geben hierzu vor allem der Sendeplatz (bei ProSieben zwischen Two and a half Men und The Big Bang Theory), die Macher (Whitney Cummings ist selbst Comedian und schlägt vor allem in die Kerben Geschlechterunterschiede, Sexismus, Beziehungen und Sex (laut Wikipedia; Michael Patrick King ist mitverantwortlich für Sex and the City. ‚Nuff said.) und die leider immer noch nicht totgeschlagene Lachschleife.

Auf der anderen Seite bin ich klischeeüberladenen, lachschleifenverzerrten, sexistischen Sitcoms nicht unbedingt abgeneigt. Schließlich sah ich mir seinerzeit auch hocherfreut Will & Grace an und schaue immer noch regelmäßig South Park und Family Guy. Wenn ich hier also Kritik äußere, dann nicht in dem Sinne, dass ich die Serie deshalb ablehnen würde.

2 Broke Girls und das bisschen andere Sitcom-Getose.
Sehr gefallen hat mir, dass neben all dem Sitcom-Standardprogramm (Sehr unterschiedliches Duo, Ausländer, Leute mit schrillen Macken, jeder hat immer einen guten Spruch auf Lager, übergroße offene Wohnung) auch ab und an die Grenzen bewusst aufgeweicht wurden oder Themen behandelt, die ich so bisher selten in Sitcoms wahrgenommen habe. Gefallen hat mir beispielsweise, als in der dritten (?) Folge der Diner-Besitzer Han Lee Gäste-Kritiken verliest und dabei aber offensichtlich Kritiken an der Serie aufgreift (etwa, dass der Kassierer Earl (gespielt von Garrett Morris, bekannt vor allem durch Saturday Night Live) durch seine Kopfhörer wie ein DJ wirkt). Gefallen hat mir auch, mit weiblicher Sexualität und Frauenrechtsthemen (naja) offener umgegangen wird, als ich dies bisher in Serien sehen durfte.

So behandelt S01E13 die Tampon-Frage, die letztlich aber auch eine Grundrechtsfrage ist: Dürfen Güter wie Tampons, die man nun einmal kaufen muss, wie anderer Güter im Preis steigen oder sollten Güter des täglichen Bedarfs, bzw. die schlicht notwendig sind einen verlässlichen, bezahlbaren Preis haben?
Den emanzipatorischen Gedanken, der in dieser Folge zum Lachobjekt verschandelt wird (zwar werden Frauenrechte angesprochen, aber doch wird nur ein Minimal-Feminismus zelebriert: Das Recht darauf, dass die Verhältnisse für Frauen sich nicht verschlechtern. Unabhängig davon sind viele Feministinnen schon deutlich weiter.), kann man der Serie unter Anbetracht aller sexistischer und rassistischer Klischees kaum abnehmen.

2 Broke Girls und das fernsehweite Zelebrieren von Armut.
Ich will mich gar nicht darüber auslassen, welche Klischees – teilweise antisemitische, teilweise ausländerfeindliche, teilweise rassistische, oftmals sexisitsche – hier in aller Form ausgelebt werden. Eine Sache stört mich allerdings besonders und das ist, wie hier mit dem Thema Armut umgegangen wird.

Zum einen erscheint mir eine derartige Wohnung völlig unrealistisch beim Gehalt einer Kellnerin. Zum anderen ist Armut – vor allem in den USA der Finanz- und Immobilienkrisen – kein zwei Jobs, ein Pferd (ja, irgendwie schaffen die beiden Kellerinnen Carolines Pferd zu versorgen) und eine – wie gesagt – riesige Wohnung. Armut ist kein Dach über dem Kopf zu haben und sich – oftmals – nicht irgendwie damit einrichten zu können.

Was 2 Broke Girls repräsentiert ist vor allen Dingen das Ammenmärchen von „Jeder kann es schaffen“, das zum x-ten mal aufgekocht wird und erbrochen. Natürlich bin ich mir darüber klar, dass eine Komödie stets ein „gelingendes Leben“ (Funny van Dannen) darstellen muss, da in der Tragik zu wenig Potenzial zum Witz liegt, aber dennoch finde ich dieses ununterbrochene Vorankommen gerade bei einer Serie über zwei Pleite-Mädchen durchaus als schwierig an. Es wäre angenehm, wenn neben dem Sitcom-Üblichen Herz-Schmerz-Scheiß-Zeugs auch echte Probleme armer Menschen dargestellt werden würden.

So handelt es sich nur um eine Sitcom, die mit einem aufgehübschten Armutsklischee spielt, die Realität dabei aber völlig verzerrt. Andererseits, über das „echte Leben“ können heute nicht einmal mehr die übelsten Zynisten lachen.

Fazit:
Es ist keine „Horrible, horrible“ Sitcom – wie es die Figur der Polin Sophie Kachinsky (gespielt von Jennifer „Stiflers Mom“ Coolidge) – ausdrücken würde, aber dennoch empfiehlt es sich dringend, Moral und Verstand auf Pause zu setzen, während der 22 Minuten der Serie. Es ist kein neues Meisterwerk, aber eine Serie, die möglicherweise erst nach der dritten Staffel verdient (?) abgesetzt wird. (Auch wenn ich befürchte, dass auf dem neuen CBS-Sendeplatz Montags die Quoten schlechter sein dürften ohne das Zugpferd How I met your Mother im „Vorprogramm“.)
Kurz: Kein Musste-gesehen-haben, aber auch kein Schalt-ganz-schnell-weg.

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