Als ich vor ein paar Wochen den Putzschrank säuberte hielt man mich für fiebrig. Heute kochte es wieder in mir.

Ich bin wütend und mies gelaunt. Dieser Eintrag dient lediglich dem Frustabbau.

Heute habe ich geputzt. Geputzt, wie als würde mein Leben davon abhängen. Ich drehte die Musik in den Kopfhörern auf, schnappte mir einen Eimer heißes Wasser und putze mein Elternhaus. Warum ich das tat? Mir war danach. Als das Wasser im Eimer so dreckig war und zumindest in einem Stockwerk die Böden halbwegs sauber (tatsächlich sauber wird man diese Böden mit all ihren Rissen und Unebenheiten nie hinbekommen), schnappte ich mir einen Staubsauger und saugte. Treppe für Treppe, Flur für Flur, Wohnzimmer, Küche (die Brotkrümel!), das Esszimmer, welches wir hauptsächlich als Lagerraum nutzen, das Schlafzimmer der Eltern und schließlich sogar den Balkon, auf dem unsere Wäsche über ganzen Dünen aus Staub hängt. Im Esszimmer saugte ich beim Versuch, die Krümmel vom Teppich zu entfernen, der halben Teppich mit.

Warum tat ich das? Warum verspürte ich eine so brennende, starke Wut, dass ich für einen kurzen Moment umkippte, als ich mich einen kurzen Moment nicht wie im Wahn mit Putzutensilien um den Dreck prügelte?

Möglicherweise dient das Reinigen des Hauses mir als eine Art Flucht. Ich bin unzufrieden damit, dass es offenbar niemand stört, dass im Schlafzimmer der Eltern an den Wänden (möglicherweise) Schimmel wächst (ist allerdings noch kein wirkliches Problem). Mich macht es fertig, wenn mir die selbe Person Haushaltstipps gibt, die ihr Geschirr manchmal Wochenlang nicht abräumt. Kritik wird sofort als persönlicher Angriff gewertet und abgeblockt. Ich mag diese Situation nicht.

Ich mag die Tapete an meinen Wänden nicht mehr und es deprimiert mich, sie sehen zu müssen. Vor allen Dingen bin ich aber wütend auf mich selbst. Wütend, dass ich mich um kein besseres Leben gekümmert habe. Wütend, dass ich es nicht geschafft habe – oder schaffen werde – für meine Familie ein besseres Leben zu schaffen. Wütend, dass ich so feige bin nun einfach auszuziehen.

All diese Wut habe ich darin verschwendet, das Haus zu putzen. Und als meine Eltern wiederkamen, da entschuldigte ich mich, dass ich gerade putze. Ich entschuldigte mich so oft und ausgiebig, dass sie offensichtlich nicht wussten, was sie sagen sollten. Mich zu strafen weil ich mich entschuldige für mein Verhalten kommt nicht in Frage, weil mein Verhalten positiv zu bewerten wäre. Trotzdem nervt es sie. Und ich fühle mich schlecht, weil ich eine Veränderung in meinem Elternhaus will. Eine radikale Veränderung.

Später am Abend beschimpfte ich meinen Bruder, sagte es wäre Menschen nicht würdig in einem solchen Loch zu leben. Ich beschimpfte ihn so sehr, beleidigte mich selbst, meine Eltern und alles und jeden, der mir über den Weg lief derart, dass ich nun… mich völlig leer fühle.

Leer und deplatziert.

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