Und der Müllmann bekommt ein Date.

Ein großer Haufen Papier – natürlich unsortiert – hat meinen Schreibtisch übernommen. Ich schnappe mir als Waffe einen Mülleimer und beginne zu sortieren. Sachen, die ich für die Uni brauche werden umgestapelt. Sachen, von denen ich nicht weiß, wo sie hingehören, wandern zum Unizeugs. Wird schon von irgendeiner Vorlesung gewesen sein. Zettel, die ich nicht mehr brauche, wandern in den Papierkorb. Der Motivation willen denke ich ein Comic-Geräusche dazu. Das Stempelkärtchen der Burgerbude, die vor zwei Jahren geschlossen hat? Pow. Ein leeres Medikamentenpäcken? Pow. Die Obdachlosenzeitung? Pow. Das „Endlich Urlaub!“-Schild vom letzten Schweden-Spiel bei der EM 2012? Pow. Sachen aus dem abgewählten Seminar? Super-Pow!

Plötzlich, ein kleiner Zettel. Darauf ein Name – der Name eines Mädchens -, eine Adresse und – oh! – eine Telefonnummer. Der Name sagt mir überhaupt gar nichts. Die Zettel darüber und darunter geben keinen Hinweis. Kenne ich Sie aus der Uni? Hab ich ihre Nummer vielleicht bei einer Party gekommen, und erinnere mich nur nicht mehr daran (weil zu betrunken, etc.)? Warum sollte mir ein Mädel ihre Nummer – und Adresse! – geben? Die Schrift ist schnörkellos, aber offensichtlich die einer jungen Frau… Verdammt! Was mache ich jetzt? Anrufen, damit sie erfährt, dass ich nicht mehr weiß, wer sie ist? Oder im Internet nach dem Namen? Internet!

Ich finde drei Profile. Drei Profile von Frauen, die ich nicht kenne und vermutlich auch nicht kennengelernt habe. Hm. Doch die Nummer anrufen? Ich stehe ratlos da, betrachte die Schrift, die so akribisch den Namen und eine Kontaktmöglichkeit offeriert. Am Ende ist sie nur eine Referatspartnerin – oder die Liebe meines Lebens. Verflucht! Ich weiß nicht, was ich tun soll!

Der Papierkorb lacht mich aus. Der Schreibtisch kichert auch – unter dem Gewicht des Papiers schafft er kein volles Lachen. Ich starre und denke nach. Dann lass ich den Zettel fallen.

Pow.

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