Schreiben schreiben

Jajaja, schon wieder Motrip, schon wieder ein Hinweis auf Rap, und alle brüllen hier schon, ich solle mich mit meiner Assi-Attitüde doch bitte verziehen. Aber, das muss jetzt.

Ich halte nichts von den großen Dichtern. Goethe ist für mich kein Vorbild, auch wenn ich seine Bedeutung inzwischen anerkenne. Mit Schiller kann man mich jagen und die junge Garde von Dichtern? Sind nur etwas für irgendwelche Eliten.

Ich freue mich, wenn Leute davon leben können, dass sie Texte verfassen, Bücher veröffentlichen und von irgendwelchen Germanisten auf Händen getragen werden. Das große Problem, dem sich Autoren aber in unserer Zeit entgegengesetzt sehen, ist: Literatur ist in Deutschland etwas „intellektuelles“. Irgendwelche Autoren werden bei Champagner und Häppchen für ihre „ehrlichen Betrachtungen aus der Gosse“ gefeiert. Deutsche Autoren werden entweder ignoriert – oft zu Unrecht (wie z.B. Thomas Matterne) – oder völlig zu unrecht abgefeiert ohne Ende.

Eine Dichtkunst abseits des Feuilleton und abseits der Gas-/Wasserinstallateure ist möglich. Eine Dichtkunst, die von Eliten verschäht wird und so eine Freiheit und Experimentierfähigkeit genießt, die wir auch hatten, bevor die großen Dichter früherer Tage ihren „Hype“ erlebten.

Oder glauben Sie etwa, Goethes ersten Schreibversuche wären Faust gewesen? Nein. Da gab es viel unveröffentlichtes, dann viel Käse und dann erst all das, was die meisten Deutschlehrer derart abfeiern, als würde es Marshmallows regnen.

Eine „Idiotenfreiheit“ haben an Wortkünstlern heute nur noch Rap-Musiker. Menschen, die sich mit mit Messern streiten, sondern mit Worten. Klar, sind „Beats“ drunter gelegt und ja es gibt ja auch Poetry-Slammer (sehr großartige sogar), aber auch diese sind in gewisser Weise an die Normen ihres Gastgebers gebunden. Einen Raptext kann jeder veröffentlichen. Selbst die größten Idioten und Arschlöcher können, dürfen und sollten rappen.

In diesem Sinne leben abseits der Akademiker-Clubs und abseits der Stock-im-Arsch-Partys irgendwelcher kulturinteressierter Eliten eine Sprach-, ja sogar eine Wort-Gefechts-Kultur weiter, die unsere Sprache nicht nur nachhaltig bereichert, sondern auch belebt.

Gerade deshalb liebe ich „RapGenius“. Denn diese Seite beweist, dass Rapmusik durchaus Deutung bedarf, ja sogar eine Literaturwissenschaft erlaubt, die zeitgemäßer ist als der Nonsense, der in den Universitäten gelehrt wird.

Andererseits, und dessen bin ich mir bewusst, reagieren Rapper und Rap-Fans deutlich aggressiver auf Deutung ihrer Texte. Einerseits, weil die Rapwissenschaft einfach noch deutlich lebenhafter ist, als andere Denkzweige, andererseits, weil sich Goethe kaum noch gegen die Fehldeutung seiner Texte wehren kann.

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