„Es tut mir so leid.“

Ich hasse es, wenn sich Leute bei mir entschuldigen. Allgemein bin ich nicht besonders nachtragend oder sauer, schon allein, weil mein Gedächtnis dafür einfach nicht ausgelegt ist. Bin ich sauer, so vergesse ich meistens sehr schnell, warum ich sauer bin und höre dann auf, sauer zu sein. Schlicht, weil ich mir nicht merken kann, was mich stört.

Aus diesem Grund störe ich mich vor allen an Gegenwartsdingen und nicht an Vergangenheitsbegebenheiten. Ich hasse es zum Beispiel, wenn im Gastgewerbe Fehler passieren. Nicht, weil ich die Fehler schlimm fände, sondern weil die Mitarbeiter in der Regel darauf sehr weinerlich und Gang-nach-Canossa-rig reagieren.

Neulich war ich – warum weiß ich nicht mehr – mit meiner Familie in einem griechischen Lokal. Alle bestellten ihre Speisen. Vater bestellte. Mutter bestellte. Mein Bruder bestellte. Ich auch. Eine Sache war allerdings komisch: Meine Bestellung hatte die Kellnerin wohl nicht notiert (ich sagte zwar, was ich wollte, sah aber nicht, wie sie es notierte).
Ich dachte mir nichts dabei. Als dann alle ihr Essen erhielten und meines nicht kommen wollte, fragte mein Vater nach. Was folgte waren ungefähr 1 Milliarde „Entschuldigung“’s der noch sehr jungen Kellnerin.

Ich sagte, es sei kein Problem und ich hätte eh keinen großen Hunger gehabt, aber die Kellnerin hörte einfach nicht auf sich zu entschuldigen. Selbst, als wir gingen entschuldigte sie sich erneut. Es tue ihr wirklich leid und „Sorry“ und überhaupt.

Ich hasse sowas. Man kann niemandem böse sein, weil er sich entschuldigt, aber ab einer bestimmten Häufigkeit oder Unbegründetheit beginnen diese Worte einfach zu nerven.

In meiner Hauptschulzeit gab es einen Jungen, der ein Maß an Vorsicht und Über-Empathie hatte, welches derart überzogen war, dass man sich ernsthaft fragte, ob er dies noch Ernst meine oder er nur seine Späße mit uns triebe. Sollte letzteres zutreffen, gehört er in eine Reihe mit so großartigen, missverstandenen Komikern wie Andy Kaufman. Ich befürchte allerdings, dass es ihm wirklich an Selbstbewusstsein fehlte, was ich gerne geändert hätte oder jetzt gerne ändern würde, aber ich weiß einfach nicht wie das gehen sollte und außerdem ist er inzwischen länger aus meinem Leben verschwunden, als ich ihn kannte. Trotzdem bleibt diese Erinnerung, an den Jungen, der sich entschuldigte, weil er einen „gerade fast berührt“ hätte.

Was ich damit sagen will? Nun. Manchmal ist das Entschuldigen schlimmer, als das, was zu entschuldigen ist. Oder, allgemeiner: Das Verzeihen fällt manchmal leichter, wenn wir weniger darum gebeten werden.

Passt übrigens auch auf diese unglaublich dämlichen „Von X bis Y sind wir im Urlaub. Wir bitten um Ihr Verständnis.“-Schilder. Verdammt, macht Urlaub, aber tut nicht so, als wäre das ein Verbrechen!

2 Antworten auf „„Es tut mir so leid.““

  1. Du warst auf der Hauptschule? Warum?

    Deine Einträge haben wirklich ein bisschen Grey’s Anatomy-Style, falls du damit was anfangen kannst. Das ist aber nicht schlimm. Ich bewundere deine Ausdauer; die ist wirklich Gold wert. Vielleicht wäre ich besser im Schreiben als Du (vielleicht auch nicht!), jedoch bringe ich nicht mal einen einzigen Blog-Artikel zustande. Wahrhaftig fehlt mir die Konsequenz Zeile 1-X zu füllen (meistens scheitere ich tatsächlich in der ersten). Deshalb: Meinen Respekt hast Du.

    1. Du stellst aber komische Fragen. Ich war auf einer Hauptschule, weil ich für die Hauptschule ne Empfehlung bekam. Und nach dem Hauptschulabschluss holte ich die Mittlere Reife und das Abitur nach… Und jetzt studiere ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.