Home is where the wifi is.

Ich erwische mich seit einer Weile dabei, dass ich Probleme habe mit dem ganzen Wortfeld rund um „Daheim“. Meine Deutungsschwierigkeiten beziehen sich dabei nicht nur auf meine eigene Verwendung des Begriffs, auch O., der offiziell in seine Gartenhütte gezogen ist und nun dort gemeldet, erhält von mir stehts verwirrte Nachfragen, wenn er vorschlägt „treffen wir uns bei mir“. Wo ist das? Wo ist „zuhause“?

Vor einigen Jahren behauptete ich halb im Scherz, halb ernstgemeint, Zuhause ist wo man das W-Lan-Passwort hat. Inzwischen habe ich aber die Verschlüsselungscodes für Martina, das Netzwerk in meinem Elternhaus, Boden in meiner Wohnung, SELTAEB in Elternhaus von O., rosablümchen in seiner ehemaligen Studentenwohnung, selbstverständlich für 802.1x an der Uni Tübingen und noch dutzende W-Lan-Verschlüsselungen (KULT, Hades Gastzugang, …) in allen möglichen Kneipen und Gaststätten (Was fehlt: Eine Liste aller Tübinger Gaststätten-W-Lans mit Passwort). Die Sammlung der W-Lan-Passwörter kann also allenfalls einen Hinweis auf meinen Lebensraum bieten, aber nicht erklären, wo ich „daheim“ bin.

Auch solcher Non-Sense wie „Home is where the heart is“ trifft einfach nicht zu. Bin ich da „daheim“, wo mein Zeug rumsteht? Dann wäre das Familie Boden (oder wie auch immer diese WG mal heißen wird). Oder wo meine Familie lebt? Dann ist das mein Elternhaus? Bin ich daheim wo ich gut schlafen kann? Dann wäre mein Zuhause wohl der Nachtzug von Stockholm nach Boden. Oder ist mein Zuhause da, wo ich mich zuhause fühle? Hm.

Natürlich ist das wieder diese alte, tausendmal aufgewärmte Identitätskrise, die junge Europäer neuerdings mit Stolz vortragen, weil sie es nicht schaffen, normal mit ihr zu leben. Radikal müsste ich behaupten, ich wäre nirgendwo daheim, oder ich wäre Europäer und deshalb jede versiffte Couch, die mir ein bärtiger, 30jähriger Design-Student zum „pennen“ anbietet, wäre mein Zuhause.

Das ist Unsinn. Das Problem ist nämlich nicht, dass ich kein Zuhause hätte, sondern dass sich die Bedeutung des Begriffs für mich gerade wandelt und ich deshalb große Schwierigkeiten bekomme, diesen Begriff zu verwenden. Anders ausgedrückt: Im Reden und beiläufigen Erwähnen dieses Begriffsfeldes – daheim, zuhause, bei mir, … – gerate ich viel zu schnell ins straucheln, beginne darüber zu grübeln und verliere so den Kommunikativen Faden.

Wie jetzt gerade. Shit.

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