Eine Wohnung, ein Beitrag

Bekanntermaßen versuche ich im Moment ausschließlich von dem außergewöhnlich hohen „Taschengeld“ zu leben, welches mir meine Eltern unter anderen auszahlen können, weil sie für mich noch Kindergeld erhalten. „Kindergeld“, das sind in Deutschland so um die 184 Euro (eine Zahl, die mir seit Monaten im Kopf herumschwirrt). Davon erhalte ich seit ich studiere satte 100 Euro von meiner Mutter monatlich per Überweisung.

Da ich hier keine Miete zahle (die Wohnung läuft als „Eigenbedarf“, deshalb bekommt mein Vermieter/Onkel im Moment kein Geld von mir) geht das noch so halbwegs, auch dank den Rücklagen, die ich in meiner Jugend bilden konnte beziehungsweise die für mich gebildet wurden und natürlich der Nahrungsmittel und anderen geldwerten Unterstützungen durch meine Eltern und meinen Bruder.

Nun lese ich – weil sich @mykke_ heute morgen darüber aufregte – auf www.rundfunkbeitrag.de, dass ich hier ab Jannuar als Bewohner einer Wohnung satte 17,99 Euro bezahlen werde. Ein Zehntel des Kindergelds, ein FÜNFTEL meines verfügbaren Einkommens. Bäm.

Ich befürchte schon, auch den Luxus des montäglichen Mensabesuchs zugunsten von Knäckebrot aufgeben zu müssen, nur noch wöchentlich duschen zu können oder weitere 5 Monate für Schuhe ohne Löcher sparen zu müssen. Ich leiste mir zwar wirklich einige Luxus-Güter, trinke ab und an auch mal ein Bier in einer Kneipe, aber 17,99 Euro zusätzliche Ausgaben bedeuten schlicht: Ich habe noch weniger Geld in der Tasche ohne auch nur eine theoretische Steigerung der Lebensqualität.

Ich könnte übrigens auch wie eine Freundin von mir für diesen Betrag drei Stunden pro Woche hart Arbeiten. Plus ne Stunde Hin- und Rückfahrt. Yeah. Ich such mir jetzt einen Nebenjob, damit Fernsehsender und Radioprogramme finanziert werden, die ich nicht schauen kann, weil ich dafür ja die ganzen Zeit arbeiten muss. (Logik, fuck yeah!)

Alternativ kann ich auch wie eine andere Freundin vierzig Stunden die Woche schuften, um nachher vierhundert Euro zu bekommen. Die zahlt genauso Miete wie du und ich (ja, also, ich im Moment weniger, äh, Du weißt worauf ich hinaus will). Sie zahlt auch ihre GEZ-Gebühren, fährt jeden Tag zur Arbeit und macht – Trommelwirbel! – unbezahlte Überstunden! Mal sehen, wie sie sich freut, wenn ich ihr das nächste mal erzähle, dass sie sich zwar immer noch keinen Fernseher leisten kann, nun aber genausoviel Beitrag zahlen wird, als hätte sie einen.

Nun gut. Immerhin empfange ich hier kein Fernsehen, also muss ich auch nicht sehen, wie Geld für so einen Unsinn wie Börsennachrichten, SWR-Quizshows, ARD-Talkrunden, den Tatort, Rosamunde Pilcher oder – ja, genau! – ARD-Brennpunkte verschwendet wird. Dann müsste ich wohl wirklich heulen.

4 Antworten auf „Eine Wohnung, ein Beitrag“

  1. Ich lebe derzeit auch von ziemlich wenig Geld, aber zum Glück noch mehr als du: 220€. Da ich arbeitsfaul bin hab ich mir auch gedacht, hm, wie kommste über die Runden?

    Und seitdem bin ich äußerst regelmäßiger Plasmaspender. Ich bin sehr zufrieden damit und kann es nur weiterempfehlen! Du bist dann zwar einen halben Tag leicht schlapper als sonst (kein großer Unterschied aber), dafür bekommt man eine ordentlichen Arbeitsaufwandentschädigung, bei uns hier 20€. Der Clou: Die Prozedur dauert nur ne Stunde, die du mit Lesen oder Lernen verbringen kannst – solang du halt dasitzt und schön einen Arm ausgestreckt hast. Schonmal probiert?

    1. Plasmaspende hatte ich mir auch überlegt, wird aber soweit ich weiß bei uns in der Nähe nicht angeboten. Leider. Dafür bin ich sehr regelmäßig bei der Vollblutspende und vielleicht bekomme ich von meiner Mutter zum Jahreswechsel auch einen höheren Anteil.

      Darf ich fragen, wie du es auf 220 Euro schaffst ohne zu arbeiten? Ich hoffe doch mal, du machst deinem Studium willen keine Schulden?

      1. Eltern… und sie zahlen mir die Miete hier. Da habe ich sehr viel Glück, dass meine Eltern so großzügig sind – mein Vater hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem seiner Kinder eine Universitätsausbildung zu ermöglichen, ohne dass wir neben dem Studium arbeiten müssten.

        1. So großzügig ist das nichteinmal. Ich kenne die rechtliche Situation bei euch nicht, aber in Deutschland gibt es einen Einklagbaren Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch die Eltern beim Erststudium. Und das beläuft sich so etwa auf Bafög-Höhe (300irgendwas)… Soweit würde ich aber – zumindest jetzt – nicht gehen. Trotzdem werde ich ne Erhöhung einfordern. Auf mindestens 120 Euro. Der erste Versuch neulich („Ja, aber der andere, der mit dir wohnt soll auch die Hälfte zahlen!“ – „Aber er hat noch nicht mal sein Bett aufgebaut und war auch seit ’nem Monat nicht hier.“ – „Ja, trotzdem!“) scheiterte kläglich.

          So wie ich dich kenne sind die 220 Euro (+ Miete) jedenfalls gut investiert.

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