Essenpläne in Nutzerhand!

Die Liberale Hochschulgruppe Tübingen (LHG) hatte die wunderbare Idee eine Internetseite zu eröffnen, in der Studentinnen der Uni Tübingen und andere Nutzerinnen (generisches Femininum) der Mensa diese und deren Gerichte bewerten können. Dies wurde mit der gut gewählten Internetadresse mensakritik-tuebingen.de umgesetzt und… hier endet auch schon mein Lob.

Mensakritik geht nicht weit genug. Eine Seite, die „Mensakritik“ heißt sollte nicht nur eine Ansammlung von Textchen sein von Leuten, die aus irgendwelchen Gründen ihren Mensabesuch so bedeutend fanden, dass sie darüber im Netz schreiben müssen. Eine Seite, die sich „Mensakritik“ nennt, sollte durchsuchbar sein, mobil sinnvoll nutzbar und alle gängigen Mensagerichte darstellen (am besten mit Nutzerfotos), sollte eine einfache Bewertungsmöglichkeit bieten und letztendlich Entscheidungsgrundlagen für beide Seiten bieten – Studentinnen und Studentenwerk. Verdammt, es sollte so sein, wie die Kundenwertungen bei Amazon. So, dass ich schnell entscheiden kann: Lohnt sich ein Besuch in der Mensa, wenn es dieses oder jenes Gericht gibt, oder nehme ich doch lieber ein anderes? Ist dieses Gericht vielleicht zu Unrecht so schlecht bewertet? Welches Gericht ist laktosefrei? Welches Gericht enthält Geschmacksverstärker? Wo sind Nüsse verarbeitet? Mensakritik sollte eine Grundlage bieten für die Entscheidung für oder gegen einen Mensabesuch und nicht nur eine einseitige „Ihr sagt was und wir geben’s weiter“. „Stille Post“ spielen wir in der Uni schon an genug Stellen.

Das die LHG hier auf halber Strecke stehen bleibt liegt nicht an ihnen selbst, es ist nicht so, dass die Macher unfähig wären (meine Ansprüche sind aber auch sehr hoch), sondern an den Bedingungen die sie vorfinden. So findet sich auf der Seite des Mensabeirats Wilhelmstraße nicht einmal eine E-Mail-Adresse. Ob dieser Mensabeirat noch besteht (das Foto stammt schließlich von März 2010) weiß ich nicht. Ich wüsste auch nicht, wo ich suchen könnte. Ich weiß auch nicht, wer der Ansprechpartner ist, wenn etwas grundlegend falsch läuft. Das Mensa-Personal? Der Geschäftsführer des Studentenwerks? Der Rektor? Vermutlich, und das ist die typische Uni-Erfahrung – ist einfach niemand zuständig.
Für besonders Problematisch halte ich jedoch die „Rechtlichen Hinweise zum Urheberrecht“ im Impressum. Darin heißt es: „Das Layout der Homepage, die verwendeten Grafiken sowie die sonstigen Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung von Informationen und Daten, insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Studentenwerks Tübingen-Hohenheim.“ Da die Speisepläne ein Teil der Homepage sind – nämlich Inhalt – ist auf diese kein Zugriff ohne die Ausdrückliche Zustimmung des Studentenwerks denkbar. Und warum sollten sie zustimmen, dass eine Gemeinschaft sie kritisiert?
Die Logik, die dahinter steckt, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Gerade die Essenspläne werden hundertfach kopiert, hängen vor jeder Mensa aus, es gibt sogar Apps die diese Speisepläne abbilden. Das Hintertürchen, sinnvolle Kritik mittels des Urheberrechts auszuschalten, wird aber offensichtlich offen gehalten.

Was ich mir wünschen würde von einer Seite, die sich „Mensakritik“ nennt: Ich will Informationen geben können („Das Schnitzel war ungenießbar“), erhalten („Der Pudding ist großartig! Probier den mal!“) und vor allen Dingen will ich gehört werden. Das ganze muss einfach und verständlich sein, und vor allen Dingen muss es auswertbare Ergebnisse bringen. Zum Beispiel, dass die Suppe um 12:25 den Studentinnen besser geschmeckt hat als denen um 14:22 oder denen um 11:33. Wir dürfen nicht dabei aufhören, Einzelmeinungen zu sammeln. Wir müssen diese auch auswerten und verarbeiten.

Wenn wir die Gäste sind, dann muss unsere Meinung gehört werden (und es kann einfach nicht jeder zum Zuständigen Menschen gehen und sagen „Der Braten heute war perfekt“) und wir müssen die Meinung der anderen hören. Wenn wir aber nur Mastvieh sind – und diesen Eindruck gewinne ich zunehmend auf mehreren Ebenen – dann ist die Informationsverweigerung und das Übermaß an Stumpfsinn gewollt.

2 Antworten auf „Essenpläne in Nutzerhand!“

    1. Qype wäre ja eher allgemeine Bewertungen, oder? „Mensa ist insgesamt ganz okay.“ Bei dem eigentlichen Problem, nämlich nicht zu wissen ob man dieses oder jenes Essen soll (gefahrlos kann) hilft Qype – soweit ich die Plattform kenne – aber eher weniger weiter.

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