Hej Kay-Sölve!

1990 machte Matthias Opdenhövel sein Abitur am Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium in Detmold. Ebenfalls um diese Zeit war auch Kay-Sölve Richter an dieser Schule tätig. Sie war Mitglied der Radio AG, wie es ohne stolz auf der Internetseite der Schule zu lesen ist. Ob sich Opdenhövel – Moderator für Raab-Events und auch ansonsten ganz brauchbarer Fernsehmensch – und Richter mal begegnet sind? Auszuschließen wäre es ja nicht.

Vielleicht fragen Sie sich gerade, wer Kay-Sölve Richter ist. Sie arbeitet(e) zum Beispiel fürs ZDF und moderierte verschiedene heute-Sendungen, so wie sie zuvor schon für n-tv die Nachrichten sprach. Nebenher holte sie sich einen Magister in Geschichts- und Politikwissenschaften in Hamburg ab und beherrscht inzwischen fünf Sprachen.
Aktuell arbeitet sie als Medientrainerin zusammen mit Christoph Münzner (Webseite). Diese Zusammenarbeit führte auch schon zu einer Buchveröffentlichung. In „Natürlich sympathisch!“ (Amazon-Partnerlink) erklärten die beiden 2009, wie man gut rüberkommt.

Nun wäre das alles nicht besonders interessant – schließlich gibt es unglaublich viele intelligente, gebildete Menschen und auch mehr als nur eine Handvoll davon arbeitet in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel beim Fernsehen -, aber irgendetwas macht Kay-Sölve Richter anders. Irgendetwas macht sie ungewöhnlich. Oder eher: Irgendetwas ist am Umgang von Teilen der Öffentlichkeit mit dieser bezaubernden Journalistin ungewöhnlich.

Schließlich finden sich beispielsweise bei YouTube zahlreiche Videos wie das folgende:

Zusehen ist ein Ausschnitt aus einer heute-Sendung im ZDF. Betitelt ist er mit „Kay-Sölve Richter braune Bluse.avi“, was darauf schließen lässt, dass es wohl eher nebensächlich um die Nachrichten geht. Es scheint eine Fangemeinde zu geben, die sich gerne ansieht, wie Kay Sölve Richter moderiert. Sofort habe ich ein Bild von dicken, haarigen Männern im Kopf, die nur noch eine Hand an der Tastatur halten. Sind das nur böse Vorurteile? Gibt es vielleicht nur eine Fangemeinde, die sehr gerne Frau Richters Stimme hört, weil sie sie beruhigt? Auch bin ich mir nicht sicher, wie es zu beurteilen wäre, wenn es wirklich eine Fangemeinde gäbe, die sich derart für Frau Richter interessieren würde. Und folgt man so manchem Suchergebnis auf Google, so finden sich auch Foren, in denen „Du Bilder und Videos von Fernsehmoderatorinnen und anderen Schönheiten“ findest. Creepy? Ja.

Aber schadet es jemand? Schadet es, dass man für jemandem schwärmt, ohne dass diese Person etwas davon erfährt? Was stört es Clara, das Karl heimlich in sie verschossen ist? Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Moment in der in Baden-Baden produzierten Mittagssendung „ARD Buffet“, in der ein älterer Anrufer die Moderatorin Evelin König den „Traum meiner schlaflosen Nächte“ nannte und dass in einem Tonfall, der mir noch 74,8 km davon entfernt die Zehennägel hochrollte und bis heute ein Gefühl des Nicht-wahrhaben-wollens erzeugt.
Ich weiß nicht, ob es ok ist, Bilder von jemand zu sammeln und zu teilen. Ich weiß nicht, ob man damit einem Schönheitsideal huldigt oder nur Wichs-Vorlagen sammelt. Aber es irritiert mich.

Vielleicht, und das will ich mir nun schon seit fast sechs Jahren einreden, ist Kay-Sölve Richter auch nur ein Internetmythos. Alle Suchanfragen, alle Blogeinträge entstehen nur, weil Menschen, die zufällig über diese Geschichte stolpern, sie selbst nachprüfen wollen. Eine sich selbst bestätigende Prophezeiung. Herrlich.

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