Im Zweifel lieber nicht anzünden.

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An einem Nachmittag fand ich beim Aufräumen einen winzig kleinen Feuerwerkskörper. Ich, 15 Jahre jung, hielt ihn für völlig harmlos und wusste nicht, wo ich ihn unterbringen sollte. Also zündete ich ihn an und erwartete einen leisen Knall wie bei den kleinsten der China-Böller. Statt dessen brannte nun ein nicht ganz kleines, weißes Feuer in meinem Zimmer (!), verkohlte den (zu!) nahen Teppich und ich lernte einen wichtige Lektion: Im Zweifel lieber nicht anzünden.

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Ich mag die Tage um Silvester nicht besonders. Zuvor bin ich müde, weil ein so langes Jahr hinter mir liegt. Danach bin ich müde, weil ich mir nicht vorstellen kann, noch ein Jahr zu überleben. An Silvester selbst bin ich einfach nur müde.

Müde Menschen können in der Regel eins nicht leiden. Feuerwerkskörper, die die Fenster zum Wummern bringen. Zündet einer der Idioten bei uns im Hof einen seiner Knaller, möchte ich am liebsten rausgehen, und ihm (oder ihr) den nächsten in den Hintern schieben. Oder in die Ohren. Oder was auch immer.

Es nervt jedenfalls. In meinem Elternhaus – deren Wohngegend ist umzingelt von zunehmend ökonomisch schwächeren Wohngegenden und nimmt – so zumindest mein Eindruck – auch seit ein paar Jahren ab. Dort wird jedes Jahr noch mehr geknallt. Ich kann mich erinnern, dass ich vorletztes Jahr um diese Zeit kein Auge zumachen konnte, weil immer wieder irgendwer einen Böller explodieren lies. Noch schöner waren nur die ‚Spezialisten‘, welche am helllichten Tag – und das ist durchaus schwierig zu treffen, wenn es schon gegen 16 Uhr langsam dunkel wird – eine Rakete in die Luft steigen liesen.

Letztes Jahr dagegen hütete ich das Haus meiner Großmutter, was mich in ein – nicht mehr ganz frisches – Neubaugebiet versetzte. Häuser, die 15, 20 Jahre alt sind und in denen Jugendliche wohnen, die gerade alt genug sind, Feuerwerkskörper zu kaufen, aber auch noch Jung genug, um für derartigen Unsinn Geld zu verschwenden. (So ist das, wenn man jung ist.)

Dort war es – ich vermute, es liegt daran, dass dort eher eine dorthin aufgestiegene Mittelschicht wohnt – lediglich an Silvester selbst ein wirklich schlimmes Chaos. Die Böllerei davor und danach hielt sich aber in Grenzen. Die Verwüstung am Folgetag war dafür bedeutend größer: Was die Innenstadtbewohner über Tage herunterbrennen, geht im Randgebiet in wenigen Minuten hoch.

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