Milchmädchen-Time (I)

Schon letzte Woche war ich so pleite, dass ich mir nichtmal einen Wecken kaufen konnte. Yeah, yeah, yeah. Dann wurde auch mein Girokonto geleert (ich hab versucht ein bisschen was anzusparen, um nicht so arg ins Minus zu rutschen, wenn demnächst Fernsehbeitrag gezahlt werden muss) und weil ich mich gerade so schön arm fühle und aus nicht genannten Gründen mich über eine Banken-Internetseite hier aus der Region aufregte, deshalb gibts hier jetzt meine allerliebste neue Kategorie: Milchmädchenrechnung! *karate-move* YEAH!

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Annahme:
Wenn man die Bilanzsumme (bzw. wenn vorhanden die Kundeneinlagen) einer Bank teilt durch die Zahl deren Kunden erhält man, wieviel durchschnittlich die Leute auf ihren Konten herumliegen haben.

  • Volksbank Tübingen / Rottenburg-Herrenberg; Ethikbank, Umweltbank; etc. bieten keine Kundenzahlen oder verstecken diese so gut, dass ich keine Lust habe, danach zu suchen.
  • Deutsche Bank Private Wealth Management: 150 Mrd. Euro verteilt auf 90.000 „vermögende Privatkunden“ sind im Schnitt: 150 000 Euro. (wikipedia)
  • Commerzbank: 661,8 Mrd. Bilanzsumme und 16 Mio. Kunden: 41 362,5 Euro.
  • Kreissparkasse Tübingen: 3 286 Mio. Kundeneinlagen und 142 485 Kunden: 23 062 Euro
  • Comdirect: 46,91 Mrd. bei 2 713 887 Kunden: 17 285 Euro
  • GLS Bank: 1.969 Mio. bei gerademal 116 500 Kunden: 16 906 Euro
Parole

Mit anderen Worten: Ich ziehe offenbar das Ergebnis meiner Hausbank derart runter, dass sie in diesem – naiven – Vergleich am schlechtesten weg kommt. Oder anders formuliert: Steinbrück reicht als Kanzlergehalt (2013 werden das 17.016 pro Monat sein) nicht, was durchschnittlich pro Kunde bei meiner Hausbank rumliegt. Nochmal: Es reicht als Gehalt für den Bundeskanzler nicht, wenn man pro Monat soviel verdient, wie sich Menschen bei meiner Hausbank vom Brot abgespart haben.

Andererseits: Klaut man jedes Jahr 0,01% des Geldes, was die Deutsche Bank für ihre „Private Wealth“-Leute* verwaltet, dann könnte man Steinbrück – würde er Kanzler werden – das Gehalt verdoppeln! 34.032 Euro! Und dann wären immer noch… 2,35 Euro für ein Weihnachtsgeld für alle ALG2- und Sozialhilebezieher drin. (*Mir ist bewusst, dass das „internationale Kunden“ sind.)

Das klingt jetzt total wenig, aber wenn ich zum Marktkauf hier um die Ecke laufe und dort Gut&Günstig-Reis für 89 Cent pro Kilo als Weihnachtsessen kaufe, dann sind das insgesamt auch 16.395 t 74 kg. Also (gewichtsmäßig) soviel wie 419.311 Billy-Regale von IKEA. Das sind … über den Daumen 117 Tausend Badewannen (Normbadewanne mit 140l unter der wirren Annahme, dass 1l Wasser 1kg entspricht). Die 1.013.352 Einwohner des Saarlandes müssten sich also entweder immer zu zweit ein Billy-Regal herumtragen oder jeweils zehn dürften sich ein Bad teilen. (Viel Spaß dann).

Jedenfalls: Die verbleibenden 17 Cent vom Einkauf müsste man halt irgendwie… also… joah. Verlieren würde ich die, vermutlich. Auch offen bleibt die Frage, wie man alle Menschen des Saarlandes dazu bewegen kann, jeweils zu zweit das Billy-Regal-schwere Päckchen Reis abzuholen und entsprechend an alle zu Weihnachten zu verteilen. Und natürlich, wie wir das mit der Deutschen Bank machen. Und Peer Steinbrück.

Obs trotzdem Weihnachtsreis für alle gibt, wenn Merkel Kanzlerin bleibt? Und hat der Marktkauf hier um die Ecke überhaupt soviel G&G-Reis vorrätig? Oder sollte ich das vorbestellen?

Eine Antwort auf „Milchmädchen-Time (I)“

  1. Hm. Postbank sieht noch übler aus. Dort verteilen sich auf 14 Millionen Kunden „gerade mal“ 84,99 Milliarden, also 6070 Euro pro Nase. Sollte meiner finanziellen Situation entsprechend wohl dorthin wechseln, andererseits bin ich so moralisch verkommen (gehört schließlich der Deutscher Bank, nuff‘ said) dann auch noch nicht.

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